Dr. Hendrik Leber arbeitete nach BWL-Studium und der Promotion im Fach Bankwirtschaft zunächst als Berater bei McKinsey, wechselte dann zum Bankhaus Metzl

Interview „Die Leichtfertigkeit ist unfassbar“

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Da braut sich etwas zusam­men, meint Aca­tis-Chef Dr. Hen­drik Leber. War­um er gera­de des­halb auf Akti­en setzt, erklärt er im Inter­view.

com­di­rect: Dr. Leber, manch einer Ihrer Kol­le­gen bezwei­felt, dass wir eine Herbs­tral­ly sehen wer­den. Steht uns ein hei­ßer Herbst bevor?
Hen­drik Leber: Das ist durch­aus mög­lich, wobei ich davon aus­ge­he, dass es erst im Früh­jahr 2019 so rich­tig tur­bu­lent wer­den wird. Aktu­ell ist die Wirt­schaft in guter Ver­fas­sung, die Kon­junk­tur-Indi­ka­to­ren sind gut…

com­di­rect: War­um sind Sie denn dann so pes­si­mis­tisch?
Hen­drik Leber: Das poli­ti­sche Umfeld berei­tet mir Sor­gen. Han­dels­krieg, Bre­x­it – seit gerau­mer Zeit zie­hen dunk­le Wol­ken auf. Wir igno­rie­ren das und ver­trau­en dar­auf, dass sich die Pro­ble­me schon irgend­wie lösen wer­den. Die Leicht­fer­tig­keit ist unfass­bar. Irgend­wann wer­den wir vor einer dunk­len Wol­ken­wand ste­hen und dann bricht Panik aus.

com­di­rect: Aus der bes­ten aller Wel­ten in die Panik? War­um soll­te die Stim­mung im Früh­jahr kip­pen?
Hen­drik Leber: Donald Trump wird wohl schon vor­her für Tur­bu­len­zen sor­gen. Er nimmt eine Eska­la­ti­on des Han­dels­krie­ges in Kauf, und Zöl­le sind Gift für die Welt­wirt­schaft. Viel gra­vie­ren­der aber scheint mir die Bedro­hung durch den Bre­x­it. Die Zeit für die Ver­hand­lun­gen läuft im März aus. Dann ver­las­sen die Bri­ten die EU – so oder so. Je dich­ter der Ter­min rückt, des­to kla­rer zeigt sich, dass es kei­nen guten Deal geben wird. Die bri­ti­sche Wirt­schaft wird das teu­er bezah­len müs­sen, aber nicht nur die! Unter­neh­men wie Air­bus, Ford, BMW müs­sen mit Ein­bu­ßen rech­nen, die Lie­fer­ket­ten wer­den durch­bro­chen und kei­ner weiß, wie das dann funk­tio­nie­ren soll. Die Fol­gen wer­den wir alle zu spü­ren bekom­men.

com­di­rect: Der Bre­x­it scha­det der Wirt­schaft stär­ker als ein Han­dels­krieg?
Hen­drik Leber: Die US-Poli­tik kann in weni­gen Tagen kor­ri­giert wer­den, wenn Donald Trump die Unter­stüt­zung ver­liert. Bereits bei den Mid­term Elec­tions am 6. Novem­ber, hat er die Mehr­heit im Reprä­sen­tan­ten­haus ein­ge­büßt. Ganz unab­hän­gig davon gebe ich ihm kei­ne gro­ße Zukunft. Wich­ti­ge Geld­ge­ber zie­hen sich bereits zurück. Zudem wird US-Son­der­er­mitt­ler Robert Muel­ler US-Prä­si­dent Trump in der Russ­land-Affä­re aus­ein­an­der­neh­men. Ich bin über­zeugt, dass wir ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren erle­ben wer­den. Die Fra­ge ist nur: Wie lan­ge wird das dau­ern, und wel­chen Scha­den kann Trump bis dahin noch anrich­ten? Anders sieht es beim Bre­x­it aus. Der Scha­den ist lang­fris­tig und unum­kehr­bar.

com­di­rect: Klingt beun­ru­hi­gend. Heißt das: „Raus aus Akti­en“?
Hen­drik Leber: Auf kei­nen Fall! „Raus aus Ren­ten­pa­pie­ren“, wür­de ich sagen. Wir haben bei Anlei­hen einen Berei­ni­gungs­zy­klus aus­ge­las­sen – durch den Nied­rig­zins sind kaum Unter­neh­men plei­te­ge­gan­gen. Zie­hen die Zin­sen wie­der an, könn­te es für manch einen Schuld­ner eng wer­den. Die Fra­ge ist dann, wer in der Lage sein wird, sei­ne Schul­den zurück­zu­zah­len. Am Akti­en­markt dage­gen rech­ne ich in den kom­men­den Jah­ren mit einer durch­schnitt­li­chen Ren­di­te zwi­schen 6 und 7 %. Natür­lich wird es Rück­schlä­ge geben, aber die Ertrags­kraft der Unter­neh­men ist intakt.

com­di­rect: Wor­auf soll­ten Inves­to­ren in die­sem Umfeld ach­ten?
Hen­drik Leber: Die Welt ver­än­dert sich rasant, ein wesent­li­cher Unter­schied zu frü­her ist der Zeit­ho­ri­zont. Ich kann als Inves­tor nicht mehr sagen, ein Ver­sor­ger wird über 50 Jah­re sta­bi­le Erträ­ge brin­gen. Viel­mehr müs­sen wir heu­te auf die Unter­neh­men set­zen, die in ein paar Jah­ren domi­nant sein wer­den. Um ein Bei­spiel zu nen­nen: In zehn Jah­ren wird es garan­tiert deut­lich mehr Robo­ter geben als heu­te. Aber wird es auch mehr Ver­bren­nungs­mo­to­ren geben? Wahr­schein­lich nicht. In den aktu­ell güns­ti­gen Kur­sen der Auto­bau­er ist der Nie­der­gang bereits ein­ge­preist.

com­di­rect: Wer­den Sie eher in den USA oder in Euro­pa fün­dig?
Hen­drik Leber: Eine regio­na­le Zuord­nung machen wir nicht, eher selek­tie­ren sich die Märk­te über Bran­chen. Robo­tik etwa fin­den wir über­wie­gend in Japan, Bat­te­rie­tech­nik in Korea, Japan oder Chi­na. Phar­ma ist in der Schweiz gut auf­ge­stellt und Inter­net­wer­te in den USA. In Deutsch­land gibt es quer durch alle Bran­chen gute Unter­neh­men, häu­fig kom­men sie aus der zwei­ten Rei­he. Wire­card oder Gren­ke haben ihr Geschäfts­mo­dell bei­spiels­wei­se kon­se­quent inter­na­tio­nal aus­ge­rollt. Sol­che Unter­neh­men sind dis­rup­tiv und sehr fle­xi­bel, wäh­rend gro­ße Kon­zer­ne oft erstar­ren.

com­di­rect: Wel­chen Tipp kön­nen Sie Anle­gern geben?
Hen­drik Leber: Jeder, der ein paar Jah­re Zeit hat und erheb­li­che Kurs­schwan­kun­gen aus­hal­ten kann, soll­te über­wie­gend in Akti­en inves­tie­ren – die haben in der Ver­gan­gen­heit jede Regie­rung über­stan­den. Eine Absi­che­rung des Depots kann auch nicht scha­den, bei Stif­tungs­man­da­ten sichern wir die bri­ti­sche Wirt­schaft und das Pfund kon­se­quent ab. Ande­rer­seits haben wir die Erfah­rung gemacht, dass Kri­sen meis­tens spä­ter kom­men, als von Inves­to­ren gedacht.

Akti­en unter­lie­gen Kurs­schwan­kun­gen, damit sind Kurs­ver­lus­te mög­lich. Die frü­he­re Wert­ent­wick­lung ist kein ver­läss­li­cher Indi­ka­tor für die zukünf­ti­ge Wert­ent­wick­lung. Die Beschrei­bung der Wert­pa­pie­re stellt kei­ne Kauf- oder Ver­kaufs­emp­feh­lung dar. Die Dar­stel­lung gibt nicht die Mei­nung von com­di­rect wie­der. Sie dient aus­schließ­lich der Infor­ma­ti­on und stellt kei­ne Anla­ge­emp­feh­lung dar. Stand: 07.11.2018.