Fussballaktien: Geld schießt doch Tore

Fußballaktien Geld schießt doch Tore

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Fußball ist ein Wachstumsgeschäft. Anleger können über einige börsennotierte Vereine investieren. Aber das Risiko ist groß.

Die besten Zeiten hat die Spielvereinigung Unterhaching vor fast 20 Jahren erlebt. Damals vermasselte der Underdog in seiner ersten Bundesligasaison Bayer Leverkusen mit einem 2:0-Sieg am letzten Spieltag die sicher geglaubte Deutsche Meisterschaft. Ein Jahr später stieg der Münchner Vorortklub mit einer Niederlage bei Schalke 04 aus der Bundesliga ab und machte die Königsblauen zum Meister der Herzen – für vier Minuten. Von solch dramatischen Szenen und den Fleischtöpfen der Bundesliga sind die Hachinger heute weit entfernt. In den zurückliegenden Jahren hielten sie sich nur mit Mühe und Mini‐Budget in der 3. Liga. Das könnte jetzt anders werden, weil nicht mehr jedes Talent frühzeitig verkauft werden muss. Denn Haching ist endlich liquide – Mitte des Jahres zog die Spielvereinigung als zweiter deutscher Fußballklub nach Borussia Dortmund an die Börse. 2,7 Millionen Euro wurden für rund 333.000 Haching‐Aktien (WKN A2TR91) erlöst, weitere fünf Millionen Euro sollen noch dazukommen.

Das Fußballgeschäft wächst stark

„Geld schießt keine Tore“, sagte einst Erfolgstrainer Otto Rehhagel. Aber im modernen Fußball regiert Geld die Welt. Bei Haching in der 3. Liga wie bei der Crème de la Crème in der Champions League korrelieren Budget und sportliche Erfolge zunehmend. Und es fließt mehr und mehr Geld in den Sport. „Fußball ist als Wachstumsmarkt für Investoren und Kapitalgeber interessant“, sagt Stefan Ludwig, Partner und Leiter Sport Business Gruppe beim Beratungsunternehmen Deloitte. 2017/18 wurden auf Europas Fußballmarkt 28,4 Milliarden Euro umgesetzt, 11 % mehr als im Vorjahr. Die UEFA schüttete allein in der Champions League über zwei Milliarden Euro an die Teilnehmer aus. Und Real Madrid schaffte es als erster Klub, die Schallmauer der 750‐Millionen‐Euro‐Umsatzmarke zu durchbrechen. Die Top Drei – Real, Barcelona und Manchester United – erwirtschafteten einen Gesamtumsatz von 2,1 Milliarden Euro. „Damit hat sich die Wirtschaftskraft der drei Erstplatzierten innerhalb einer Dekade mehr als verdoppelt“, sagt Ludwig.

Trotz allen Hypes um König Fußball sind börsennotierte Fußballvereine eine Nische geblieben. Der STOXX Europe Football Index enthält gerade einmal 24 Werte. Dazu gehören Namen wie AS Rom, Olympique Lyon und vor allem Juventus Turin und Borussia Dortmund. Andere etwa aus Dänemark sind nur absoluten Fußball‐ oder Börseninsidern ein Begriff. Die Champions‐League‐Sieger der vergangenen Jahre – von Barça über Bayern bis zu Chelsea, Real Madrid und Liverpool – sind allesamt nicht an der Börse notiert. Auch bei den Vereinen in der reichen englischen Liga kommen Privatanleger kaum auf ihre Kosten. Der Aktienkurs von Manchester United (WKN A1J2MK) folgte zuletzt der sportlichen Krise des Klubs und bei Tottenham Hotspur kamen die Erfolge erst, nachdem der Verein 2012 von der Börse genommen wurde. Die Spurs sind kein Einzelfall: „Englische Vereine waren zwar bei der Börsennotierung Vorreiter“, erklärt Stefan Ludwig, „aber sie haben sich häufig von der Börse zurückgezogen und setzen auf private Investoren. Diese Investoren realisieren Gewinne nicht durch Dividenden, sondern eher durch die Wertsteigerung im Falle eines Weiterverkaufs ihrer Clubs, sofern sich diese sportlich und wirtschaftlich positiv entwickelt haben.“

Vereine sind keine normalen Unternehmen

Bei Fußballaktien ist zu beachten, dass Vereine keine „normalen Unternehmen“ sind: „Die Klubs wollen den Umsatz und die Titelausbeute maximieren, in der Regel aber nicht den Gewinn“, erklärt Stefan Ludwig. Denn was nutzt die schönste Bilanz, wenn der Verein im Tabellenmittelfeld herumdümpelt und die Fans bei der Mitgliederversammlung das Präsidium ausbuhen? Investitionen sollte nach Einschätzung von Alexander Langhorst, Geschäftsführer bei GSC Research, nur erwägen, „wer sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Branche auskennt und weiß, dass manchmal ein einziges Spiel über den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg einer gesamten Saison entscheiden kann“. Dazu kommen die Anforderungen an die Klubs hinzu: „Sie müssen professionell geführt sein und mehrere Standbeine haben – regelmäßige Teilnahme möglichst in der Champions League oder mindestens im Europa Cup, stabile Merchandising‐ und Fernseheinnahmen, eine starke Fan‐Basis und idealerweise ein Stadion im eigenen Besitz“, sagt Langhorst.

Bei Borussia Dortmund, dem deutschen Pionier an der Börse, sind diese Voraussetzungen heute erfüllt. Dennoch mussten die Aktionäre des BVB schon bittere Erfahrungen machen. „Wir investieren in Steine und Beine“, hatte der damalige Manager Michael Meier beim Börsengang im Jahr 2000 zum Preis von elf Euro pro Aktie gesagt. Aber das eingesammelte Kapital war ruck, zuck in Beine geflossen – mit nur kurzzeitigem sportlichen Erfolg. Die „Steine“ (Stadion) mussten zwischenzeitlich sogar abgetreten werden und der Verein stand nahe am Bankrott. Die Aktie rutschte bis 2009 unter einen Euro. Erst die Sanierung des Klubs unter Geschäftsführer Hans‐Joachim Watzke und vor allem der sportliche Höhenflug unter Jürgen Klopp brachten das BVB‐Papier (WKN 549309) wieder voran. Antizyklische Investoren kamen auf ihre Kosten. Als 2018 mit den Verkäufen von Dembélé und Aubameyang die Kassen klingelten, ging es sogar über die Zehn‐Euro‐Grenze. Den Ausgabekurs hat die Aktie aber immer noch nicht wiedergesehen – und mit sechs Cent Dividende bei einem Kurs‐Gewinn‐Verhältnis 2019 von über 30 ist die Aktie aktuell ambitioniert bewertet.

Zwei Konzepte: Klotzen oder ausbilden

Selbst mit den größten Investitionen lässt sich die Krone in der Champions League nicht garantieren. Diese Einsicht musste zuletzt auch Juventus Turin (WKN 794314) gewinnen. Der italienische Serienmeister klotzt seit Jahren an der Transferfront und verpflichtete zur Saison 2018/2019 Cristiano Ronaldo als vermeintlichen Titelgaranten. 500.000 Trikots von Cristiano wurden allein am ersten Tag danach verkauft. Nach zwischenzeitlichen Jahren als Pennystock setzte auch der Aktienkurs von Juve seinen bereits begonnenen Aufschwung fort. Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Ronaldo und das frühe Ausscheiden im Viertelfinale der CL allerdings sorgten für Ernüchterung.

Eine andere Möglichkeit ist es, auf die sogenannten Ausbildungsvereine zu setzen. Unterhaching spielt mit dem neuen Geld bisher eine gute Drittliga‐Saison und peilt den Aufstieg an. Dänische Vereine rangieren im Pennystock‐Bereich und sportlicher Erfolg auf europäischer Ebene ist auch nicht zu verzeichnen. Das sieht bei den portugiesischen Vorzeigeklubs FC Porto (WKN 918664) und Benfica Lissabon (WKN A0MSP7) schon ganz anders aus. Aber trotz Erfolgen in Europa und spektakulärer Erlöse im Transfergeschäft kommen die Aktien nicht voran. „Mit einer Marktkapitalisierung unter 100 Millionen Euro stehen sie zudem nicht im Fokus professioneller Anleger“, erklärt Alexander Langhorst.

Besser sah es zuletzt bei Ajax Amsterdam aus. Die Ajax‐Aktie (WKN A0H0RS) stürmte im Frühjahr parallel zur Siegesserie in der Champions League auf einen neuen Rekordwert über 20 Euro. Allerdings wurde der Aufschwung jäh gestoppt, als Ajax im Halbfinale dem anderen Underdog Tottenham Hotspur mit Pech unterlag. Ähnlich wie Ajax erging es vielen Fußballaktien. Zwar hat der STOXX Europe Football Index im Sommer ein Achtjahreshoch erreicht. Aber von den Werten vor der Finanzkrise ist er noch weit entfernt. „Fußballaktien sind zwar im Schnitt besser als ihr Ruf“, sagt Frank Fischer, Manager des bekannten Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Gleichwohl sieht er für Anleger viele unberechenbare Risiken. Investieren in Fußballaktien? Fischers Antwort ist ganz klar: „Wir als Value‐Investoren müssen hier mit einem klaren Nein antworten!“

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