Fresenius – Nimbus eingebüßt

Fresenius Nimbus eingebüßt

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Der Gesundheitskonzern überraschte 2018 negativ mit zwei Gewinnwarnungen. Die Analysten glauben allerdings weiter an Fresenius.

Der Gesundheitskonzern Fresenius ist mit vier Sparten breit aufgestellt. Das Unternehmen muss nach langer gerichtlicher Auseinandersetzung den umstrittenen US‐Generikahersteller Akorn nicht übernehmen. Die Bewertung der Aktie ist im Vergleich mit dem langjährigen Durchschnitt niedrig, und im Frühjahr wird die Dividende zum 26. Mal in Folge erhöht. Unter den Analysten spricht zurzeit kein einziger eine Verkaufsempfehlung aus. Allerdings fielen die Ergebnisse des Gesundheitskonzerns im Jahr 2018 enttäuschend aus. Zudem wurde auch der mittelfristige Umsatz‐ und Ergebnisausblick gekürzt. Die Verschuldung verharrt auf einem Rekordstand von 19 Milliarden Euro, und an der Börse muss sich das Unternehmen nach zwei Gewinnwarnungen im Vorjahr Vertrauen zurückerkämpfen.

Fresenius (WKN 578560)

Breites Portfolio: Fresenius ist als Gesundheitskonzern weltweit aktiv. In vier eigenständigen Geschäftsbereichen werden Produkte und Dienstleistungen für Dialyse, Krankenhaus und ambulante Versorgung von Patienten vertrieben. Rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC), die ebenfalls im DAX notiert.

Übernahme gestoppt: Die Übernahme des US‐Generikaherstellers Akorn ist endgültig gestoppt. Fresenius hatte die im April 2017 für 4,4 Milliarden Euro geschlossene Übernahmevereinbarung gekündigt, weil Akorn gegen Vorgaben der US‐Gesundheitsbehörde FDA verstoßen hatte. Der Supreme Court in Delaware hat die Entscheidung bestätigt, damit ist Fresenius von einer Unsicherheit befreit.

Gesunkene Bewertung: Der Gesundheitskonzern will im Frühjahr zum 26. Mal in Folge die Ausschüttung auf 80 Cent anheben. Die Dividendenrendite notiert bei rund 1,7 %. Nach den Kursrückgängen im zweiten Halbjahr 2018 liegt die Bewertung der Aktie weit unter dem historischen Schnitt. Auf Basis der aktuellen Schätzungen beträgt das KGV 2019 gut 14.

Weiterhin keine Verkaufsempfehlung: Der Gesundheitskonzern gehört bei den Analysten seit Langem zu den DAX‐Favoriten. Daran haben auch die jüngsten Umsatz‐ und Gewinnwarnungen nur wenig geändert. Aktuell sehen zehn von 20 Experten Fresenius als „Kauf“. Ebenfalls zehn empfehlen „Halten“, kein einziger einen „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei 50 %.

Fresenius (WKN 578560)

Enttäuschendes Jahr 2018: Nach dem Ergebnissprung 2017 hat Fresenius im abgelaufenen Jahr 2018 die Erwartungen der Anleger enttäuscht. Der Umsatz stieg zwar währungsbereinigt um 6 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro, der operative Gewinn (EBIT) ging aber um 4 % auf 4,56 Milliarden Euro zurück. Das Konzernergebnis legte dank der US‐Steuerreform um 7 % auf 1,87 Milliarden Euro zu.

Schwacher Ausblick: Stärker noch als auf die enttäuschenden 2018er‐Zahlen reagierten Anleger auf die mittelfristige Umsatz‐ und Gewinnwarnung von Fresenius. Im Dezember erklärte Vorstandschef Stephan Sturm 2019 zum „Übergangsjahr“ die Ziele für 2019 und die folgenden Jahre. Ursache sind Probleme bei den Helios‐Privatkliniken in Deutschland und bei der Dialysetochter FMC sowie hohe Investitionen.

Verschuldung: Fresenius hat durch die Übernahmen der vergangenen Jahre nach wie vor einen hohen Schuldenstand. Die Eigenkapitalquote stieg zwar binnen Jahresfrist um 15 % auf 25 Milliarden Euro. Die Finanzverbindlichkeiten blieben aber mit knapp 19 Milliarden auf dem zuletzt erreichten Rekordniveau.

Börsenimage beschädigt: Aufgrund des defensiven Geschäftsmodells gehörte Fresenius immer zu den Aktien mit relativ geringen Schwankungen. Gerade in volatilen Zeiten blieb der Kurs überdurchschnittlich stabil. Das hat sich im vergangenen Jahr nach den Gewinnwarnungen geändert. Das Unternehmen dürfte einige Zeit brauchen, um an der Börse das alte Image wiederherzustellen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 20.02.2019; Quelle: comdirect.de