Facebook Skandal und Rekordgewinn

Trotz des Datenskandals und latenter Sicherheitsprobleme ist Facebook bei Anlegern und Analysten hoch angesehen.

Facebook ist die Nummer eins bei sozialen Medien und mit WhatsApp auch beim Nachwuchs führend. Das Jahr 2017 brachte erneut Umsatz- und Gewinnrekorde. Rund ein Viertel des weltweiten mobilen Werbemarktes greift der Konzern ab. Die Aktie gehört weiterhin zu den absoluten Analystenlieblingen. Allerdings hat der aktuelle Datenskandal dem Ansehen zugesetzt. Latente Sicherheitsrisiken können weiterhin der Reputation schaden. Die Nutzungsdauer der User ging zuletzt leicht zurück. Zudem ist die Aktie hoch bewertet, und mit Dividenden ist vorerst nicht zu rechnen.

Facebook (WKN A1JWVX)

Nummer eins in Social Media: Facebook selbst hat seit rund einem Jahr regelmäßig mehr als zwei Milliarden monatliche Nutzer und ist damit das mit Abstand größte Social Network der Welt. Das Unternehmen umfasst in­zwischen aber auch ein breites Sortiment an Apps und Social-Media-Diensten. Dazu gehören vor allem Instagram und WhatsApp, die bei den jüngeren Kunden punkten.

Umsatz und Gewinnrekorde: Facebook hat 2017 die Einnahmen um 47 % auf 40,7 Milliarden US-Dollar gesteigert. Der operative Gewinn stieg sogar um 63 % auf 20,2 Milliarden Dollar, und die operative Marge lag bei 50 %. Trotz Ausbruch des Datenskandals setzte Facebook im ersten Quartal 2018 den Erfolgskurs fort. Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 49 % auf rund 12 Milliarden Dollar zu, der Gewinn um 64 % auf rund fünf Milliarden Dollar.

Herrscher in der Onlinewerbung: Gemeinsam mit Google dominiert Facebook den mobilen Werbemarkt. Rund ein Viertel des gesamten mobilen Umsatzvolumens von voraussichtlich 180 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 dürfte Facebook mit seinen Tochtergesellschaften abgreifen. Über die Hälfte der User nutzt das Network heute allein über mobile Geräte.

Expertenmeinungen: 17 von 20 Experten sehen die Aktie aktuell als „Kauf”, zwei geben eine Halteempfehlung ab. Zum Verkauf stellt das Facebook-Papier trotz der jüngsten Datenskandale nur ein einziger Experte. Der comdirect Analystenscore von Facebook liegt bei 80 % und ist damit sehr gut.

Facebook (WKN A1JWVX)

Aktueller Datenskandal: Facebook ist durch die Verwicklung in den vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf in der Öffentlichkeit schwer unter Druck geraten. Nach aktuellem Stand konnte die Analyse-Firma Cambridge Analytica rund 87 Millionen Facebook-Profile abgreifen und Trump-Berater Bannon für Wahlwerbung zur Verfügung stellen. Facebook-Gründer Marc Zuckerberg musste sich dafür vor dem US-Kongress rechtfertigen.

Ständige Sicherheitsbedenken: Facebook steht — abgesehen vom aktuellen Skandal — grundsätzlich wegen des laxen Umgangs mit Nutzerdaten in der Kritik. Insbesondere in Europa drohen künftig deutlich höhere Strafen beim Verstoß gegen Datenschutzrichtlinien. Facebook hat die Gefahr erkannt und will die Anzahl der Mitarbeiter im Sicherheitsbereich auf 20.000 verdoppeln.

Sinkende Verweildauern: Die Nutzer von Facebook verbrachten zuletzt deutlich weniger Zeit in dem sozialen Netzwerk. Im vierten Quartal 2017 sank die Nutzungsdauer um insgesamt 50 Millionen Stunden pro Tag. Nach Einschätzung von Facebook lag das nur an reduzierten Videoeinspielungen. Wenn der Trend anhält, könnten aber auch die Werbeeinnahmen sinken. Anleger sind besorgt über die Entwicklung.

Hohe Bewertung: Facebook ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 von knapp 27 hoch be­wertet. Der starke Gewinn­trend muss noch einige Zeit anhalten, um die Bewertung zu untermauern. Während Apple oder Microsoft inzwischen attraktive Dividenden zahlen und auch von Value-Managern geschätzt werden, ist bei Facebook auf mittlere Sicht nicht mit Ausschüttungen zu rechnen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Bei Aktien in ausländischer Währung kann es zu Wertverlusten durch Wechselkursveränderungen kommen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 18.07.2018; Quelle: comdirect.de