E.ON Endlich wieder Gewinn

E.ON erfindet sich durch die Übernahme des Netzgeschäfts der RWE-Tochter Innogy neu. Das Unternehmen konzentriert sich auf das neue Kerngeschäft mit Netzen und erneuerbaren Energien. Die Bedeutung an der Börse schrumpft.

E.ON konzentriert sich auf das Kerngeschäft und erzielt mit dem Verkauf der Uniper-Anteile einen Milliardengewinn. Die Rückzahlung der Kernbrennstoffsteuer stärkt die Eigenkapitalquote, und auch operativ erreicht das Unternehmen wieder die Gewinnzone. Bei den Analysten hat E.ON deutlich aufgeholt. Allerdings schwindet die Bedeutung des Konzerns an der Börse und in der deutschen Wirtschaft. Steigende Zinsen könnten die Bonität verschlechtern. Die Bewertung ist angesichts fehlender Fantasie bei Umsatz- und Gewinnsteigerungen relativ hoch. Und auch die Dividende liegt weit von alten Rekordhöhen entfernt.

E.ON (WKN ENAG99)

Unternehmen erfindet sich neu: E.ON hat für einen Paukenschlag gesorgt: Der Essener Energieversorger will von der Tochter des Erzrivalen RWE, Innogy, das Geschäft mit Stromnetzen und Stromvertrieb übernehmen und nach der Übernahme erheblich investieren. Analysten und Anleger beurteilen diese grundlegende Neuordnung in der deutschen Energiebranche sehr positiv.

Konzentration aufs Kerngeschäft: E.ON konzentriert sich seit der Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts (Uniper) auf die „neue Energiewelt“ mit den Geschäftsfeldern erneuerbare Energien, Energienetze und Dienstleistungen. Für rund 3,8 Milliarden Euro gibt E.ON jetzt die 47-Prozent-Beteiligung an Uniper an die Tochter des finnischen Versorgers Fortum ab.

Zurück in der Gewinnzone: Rückwirkend hat das Bundesverfassungsgericht die Kernbrennstoffsteuer für unwirksam erklärt. E.ON erhielt 2,85 Milliarden Euro aus der Staatskasse zurück und schloss das Geschäftsjahr 2017 mit einem starken Ergebnis ab. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 3,1 Milliarden Euro, der Konzernüberschuss übertraf mit rund 1,4 Milliarden Euro den Vorjahreswert um 58 %.

Analystenvertrauen: Bei den Analysten hat E.ON seit der Aufspaltung Vertrauen zurückgewonnen. Aktuell empfehlen 17 von 24 Experten die Aktie zum Kauf, sieben setzen auf „Halten“, niemand empfiehlt „Verkaufen“. Der Analystenscore liegt bei sehr guten 71 %.

E.ON (WKN ENAG99)

Geschwundene Bedeutung: E.ON gehörte noch vor zehn Jahren zu den größten DAX-Werten. Nach der Abspaltung der konventionellen Kraftwerke ist das Unternehmen zwar fokussierter, aber längst nicht mehr so prägend für die deutsche Wirtschaft. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 20 Milliarden Euro gehört E.ON nunmehr zu den kleinen DAX-Werten.

Belastung durch steigende Zinsen: Die Aussicht auf steigende Anleiherenditen könnte 2018 zu einer unterdurchschnittlichen Entwicklung der europäischen Versorgerbranche führen. Die Bonität von E.ON wurde schon 2017 von Standard & Poor’s und Moody’s herabgestuft. Die Langfrist-Ratings liegen mit BBB beziehungsweise Baa2 gerade noch im Investment-Grade-Sektor.

Bewertung: Nach den vergangenen Verlustjahren und vorsichtigen Schätzungen für 2018 hat die Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 für das Jahr 2018. Damit liegt E.ON zwar im DAX-Durchschnitt. Allerdings erwarten die Analysten aktuell für die nächsten Jahre nur geringe Umsatz- und Gewinnsteigerungen.

Dividende zu hohem Preis: Zwar will E.ON in diesem Frühjahr die Dividende von 0,21 Euro auf 0,30 Euro anheben und im kommenden Jahr noch deutlich mehr zahlen. Damit liegt E.On zwar über dem DAX-Durchschnitt. Aber diese Ausschüttungen muss E.On in den kommenden Jahren operativ erst einmal erwirtschaften.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 25.04.2018, Quelle: comdirect.de