Deutsche Boerse: Indizes neu geordnet

Deutsche Börse Indizes neu geordnet

Zum 24. September wurden die Indizes hinter dem DAX neu aufgestellt. Die gravierendsten Änderungen gab es im TecDAX.

Die kleine Revolution kam am „Hexensabbat“: So wird der große Verfallstag an der Deutschen Börse genannt, an dem alle drei Monate die Terminkontrakte auf DAX, Euro STOXX und Einzelwerte auslaufen. In diesem September fiel er mit dem größten Umbau der Indexlandschaft der Deutschen Börse seit Einführung des DAX vor 30 Jahren zusammen: Während mit der Commerzbank ein Gründungsmitglied aus der ersten Börsenliga abstieg, gab es bei den anderen Indizes ein großes Revirement: „Die bisherige Trennung nach den Segmenten Tech und Classic ist aufgehoben“, erklärt Andreas von Brevern, Sprecher der Deutschen Börse. „Unternehmen aus dem DAX, die den Technologie-Sektoren zugeordnet sind, sind nun auch im TecDAX vertreten; Werte aus dem TecDAX können gleichzeitig auch in MDAX und SDAX notieren.“ Das bedeutet: Fast alle TecDAX-Unternehmen sind künftig in einem weiteren Index vertreten – je nach Größe und Marktkapitalisierung im DAX, MDAX oder SDAX.

Was ändert sich im DAX 30?

Der DAX selbst ist von den Änderungen am wenigsten betroffen. Für den Absteiger Commerzbank (WKN CBK100) rückte der Zahlungsabwickler Wirecard (WKN 747206) nach. Diese Überprüfung erfolgt einmal im Jahr und der Wechsel hatte sich durch den Kursanstieg von Wirecard schon seit Längerem angedeutet. Das bayerische Unternehmen profitiert vom Trend zum mobilen Bezahlen. Wirecard wickelt für andere Unternehmen den Zahlungsverkehr ab und kassiert dafür Provisionen – etwa, wenn Kunden auf Internetseiten oder per App Bücher kaufen, Reisen buchen oder Online-Spiele bezahlen: Der Jahresumsatz soll sich in den nächsten zwei Jahren auf drei Milliarden Euro verdoppeln. Wirecard ist nach dem Kursaufschwung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 60 schon heute unter allen DAX-Aktien am höchsten bewertet. Der DAX-Aufstieg dürfte die Nachfrage nach der Aktie aber zumindest kurzfristig weiter anheizen.

Woraus besteht der neue MDAX 60?

Der MDAX stand bisher stark für den traditionellen deutschen Mittelstand. In der zweiten deutschen Börsenliga dominierten zahlreiche exportorientierte Industrieunternehmen, z. B. Maschinenbauer und Autozulieferer. Diese sind auch zukünftig stark vertreten, zumal der Index von 50 auf 60 Mitglieder wächst. Allerdings verändern die Neuzugänge den Charakter des Index erheblich. Neben der Commerzbank stießen nämlich auch zahlreiche größere TecDAX-Werte in den MDAX vor. Insgesamt 15 Neuzugängen stehen fünf Absteiger in den SDAX gegenüber. Unter den Aufsteigern sind Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung wie United Internet (WKN 508903), Siemens Healthineers (WKN SHL100) oder Qiagen (WKN A2DKCH): „Sie werden mit ihrem hohen Gewicht den Index techlastiger und wohl auch volatiler machen“, erklärt Ralph Rickassel, Vermögensberater bei der Düsseldorfer PMP Vermögensmanagement.

Wie sieht der SDAX jetzt aus?

Zahlenmäßig hat sich im SDAX am meisten geändert: Der Kleinwerteindex der Deutschen Börse ist von 50 auf 70 Mitglieder angewachsen. Hier machen die zahlreichen Neueinsteiger aus dem TecDAX die größten Veränderungen aus. Ähnlich wie beim MDAX wird auch der SDAX durch die Neuzugänge tendenziell volatiler. Denn in der Vergangenheit sind die Kurschwankungen bei kleineren technologisch getriebenen Unternehmen deutlich stärker ausgefallen als bei Mittelständlern aus traditionellen Branchen. Wer das Kleinwertesegment über ETF oder Zertifikate und nicht über Einzelwerte oder aktiv gemanagte Investmentfonds abdeckt, sollte sich dieser Veränderung bewusst sein.

Wie hat sich der Charakter des TecDAX geändert?

Trotz gleichbleibender Anzahl an Aktien wird sich der Charakter des TecDAX am stärksten verändern. 2003 als Nachfolger des NEMAX 50 aufgelegt, war der Technologieindex immer das Tummelfeld für junge Unternehmen, die den größten Teil ihres Umsatzes im Technologiebereich erwirtschafteten. Fast alle diese Unternehmen waren wachstumsstark, aber nicht unbedingt bereits profitabel. Jetzt zogen die DAX-Werte Deutsche Telekom (WKN 555750), SAP (WKN 716460) und Infineon (WKN 623100) in den Index ein. Gemeinsam mit Wirecard und Siemens Healthineers machen sie damit rund die Hälfte des Index aus: „Mit der Aufnahme der DAX-Werte Deutsche Telekom, SAP und Infineon wird der Index weniger schwankungsanfällig“, urteilt Ralph Rickassel. Durch die Schwergewichte könnte er aber deutlich an Dynamik verlieren.“ So gehörte etwa die dividendenstarke Deutsche Telekom in den vergangenen Jahren zu den schwankungsärmsten DAX-Werten.

Gab es große Auswirkungen auf die Indexstände?

Wirksam wurden die Änderungen am Montag, den 24. September. Die Freitags-Schlusskurse aus dem Xetra-Handel bestimmten die Gewichtung der einzelnen Werte in den Auswahlindizes. Dieser Freitag war gleichzeitig dreifacher Verfallstermin der großen Index- und Aktien-Optionen bzw. Futures an den Terminmärkten weltweit. An einem solchen „Hexensabbat“ fallen die Kursveränderungen auch schon einmal etwas größer aus als an einem normalen Börsentag. Am 24. September bleib es aber ruhig und es gab auch keinen Extrasprung in den Indizes. Denn auch größere Revirement haben hat keine Auswirkung auf den Indexstand. Nach der Umstellung ändert sich je nach neuer Zusammensetzung und Gewichtung nur, wer welchen Anteil an einem Indexpunkt hat.

Was passierte mit ETF und Indexzertifikaten?

Auch die Preise der ETF-Indexfonds änderten sich nicht durch die Indexumstellung. ETF mussten ihren Bestand anpassen und in die neuen Indextitel investieren. Das passiert ebenfalls bei jeder normalen Indexanpassung. Ebenso wenige Änderungen gab es bei Indexzertifikaten: „Unsere Produkte haben die Indexanpassung nahtlos wiedergespiegelt“, erklärt Sebastian Bleser, Director bei HypoVereinsbank onemarkets. „Umstellungen sind nicht übermäßig komplex, da bei den meisten Indizes die Absicherung über Futures erfolgt.“ Auch größere Änderungen im Anlageverhalten erwartet der Derivateexperte durch die Aufwertung des TecDAX nicht: „Bisher werden rund zwei Drittel des gesamten Volumens am Derivatemarkt in Produkten auf den DAX gehandelt, nur 0,2 % auf den Basiswert TecDAX. Das dürfte sich auch durch die prominenten Neuzugänge im TecDAX nicht wesentlich ändern.“

Aktien und Indexzertifikate unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Indexzertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 14.11.2018, Quelle: comdirect.de