Ein Wort von ihm bringt Aktienkurse zum Beben: Wenn Warren Buffett zur Hauptversammlung lädt, pilgern die Anleger zu Zehntausenden nach Omaha - und hoffen auf gewinnbringende Tipps

Hauptversammlung 2014 Das Orakel von Omaha

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Es ist 6 Uhr morgens am ersten Samstag im Mai. Schon zu dieser frühen Morgenstunde hat sich in Omaha im US‐Bundesstaat Nebraska eine lange Warteschlange vor dem Century Link Centre gebildet. Die Stimmung ist entspannt – fast schon ausgelassen. Hier wird in wenigen Stunden nicht etwa die neueste Erfindung aus dem Hause Apple präsentiert, sondern ein umfangreiches Zahlenwerk. Die Menschen strömen in Scharen – in Deutschland undenkbar – zu der Hauptversammlung eines börsennotierten Unternehmens. Aber es ist eben nicht irgendeine Hauptversammlung. Es geht um das „Woodstock für Kapitalisten“.

So hat Warren Buffett selbst diese alljährliche Veranstaltung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway bezeichnet. Und auch 2014 sind wieder mehr als 38.000 Aktionäre aus der ganzen Welt der Einladung von Warren Buffett (83) und seinem Geschäftspartner Charlie Munger (90) gefolgt. Was macht den Reiz dieser Veranstaltung aus, dass sich so viele Menschen auf den Weg in den Mittleren Westen der USA machen? Ein Teil der Antwort ist sichtbar in Omaha selbst: Viele Aktionäre von Berkshire Hathaway stammen aus dem Großraum Omaha. Viele haben schon vor Jahrzehnten ihr Geld bei Buffett angelegt und sind damit reich geworden.

Fans pilgern vor allem nach Omaha, um bei der Fragestunde mit Warren Buffett und Charlie Munger dabei zu sein. Diese beiden sehr humorvollen älteren Herren sitzen allein auf der Bühne in der riesigen Arena in Omaha und beantworten mehr als fünf Stunden lang die Fragen ihrer Aktionäre. Dabei lernen die Aktionäre, warum Warren Buffett kein Gold mag und auch, welche schlechte Meinung Charlie Munger von alternativen Energieträgern wie Ethanol hat.

Die Bandbreite der Fragen ist riesig. Doch es gibt Ausnahmen: Buffett und Munger schweigen zu aktuellen oder geplanten Investments. Das würde den Kurs dieser Unternehmen am folgenden Montag nur unnötig in die Höhe treiben. Denn wenn bei einem Unternehmen der Name Warren Buffett unter den größeren Aktionären auftaucht, bekommt die Aktie erst einmal einen Schub. Diesen Bonus hat sich Buffett über die Jahrzehnte erarbeitet.

Auch in Deutschland hat Warren Buffett viele Fans – darunter den Value‐Experten und Buchautor Rolf Morrien: „Warren Buffett hat ganz klar unter Beweis gestellt: Mit der Value‐Strategie können Anleger reich werden.“ Buffett selbst bringt es aktuell auf ein Vermögen von rund 50 Milliarden Dollar – und das hat er selbst aufgebaut, denn sein Ausgangswert lag nahe null. Und Buffetts Strategie ist extrem simpel und basiert auf den Erkenntnissen seines Lehrmeisters Benjamin Graham: „Kaufe substanzstarke Aktien zu einem günstigen Preis.“

Substanzstärke ist für Buffett entscheidend und er hat dabei auch etliche Auswahlkriterien. So schaut Buffett bei der Auswahl immer wieder auf eine solide Bilanz und ein gutes Management, das im besten Fall direkt am Unternehmen beteiligt ist. Zudem wählt Buffett gerne die Marktführer einer Branche aus, die dann auch noch über ein leicht verständliches Geschäftsmodell verfügen sollten. Aktuelle große Beteiligungen in seinem Portfolio sind gute Beispiele für diese Strategie: American Express (WKN 850226), McDonaldʼs (WKN 856958) und Coca‐Cola (WKN 850663). Doch auch in Deutschland ist Buffett als größter Einzelaktionär beim Rückversicherer Münchener Rück (WKN 843002) mit einem Anteil von rund 11 % vertreten.

Cowboystiefel und Börsentipps

Aber Berkshire Hathaway umfasst deutlich mehr als nur kleinere und vor allem größere Aktienbeteiligungen. Rund 80 Einzelunternehmen gehören der Beteiligungsgesellschaft komplett. Dazu gehören auch in Deutschland bekannte Namen wie der Laufschuhspezialist Brooks oder der Sportswear‐Hersteller Fruit of the Loom. Insbesondere die konsumnahen Unternehmen präsentieren sich und verkaufen auch bei der HV. Nicht wenige Anleger nehmen deshalb neben frischen Erkenntnissen auch noch neue Cowboystiefel oder stylishe T‐Shirts mit nach Hause.

Für das breite Investment bietet sich die Aktie von Berkshire Hathaway (WKN A0YJQ2) an. Seit der Aufnahme in den S&P-500-Index vor einigen Jahren ist die Aktie durch einen Aktiensplit mit rund 127 Dollar für normale Anleger erschwinglich. Die klassische A‐Aktie bringt es hingegen inzwischen aktuell auf einen – wenig volksnahen — Kurs von 191.000 Dollar und ist damit die teuerste Aktie der Welt.

Der Split erst ermöglichte es vielen Anlegern, bei Buffett einzusteigen. Für sie und viele Alt‐Aktionäre ist jetzt schon sicher: Am Morgen des 2. Mai 2015 wird es vor dem Century Link Centre in Omaha wieder hektisch. Denn dann wird die nächste Hauptversammlung von Berkshire Hathaway stattfinden – bei entsprechender Gesundheit mit einem Jubilar Warren Buffett, der sein 50. Jahr als Vorstandschef von Berkshire Hathaway vollmachen möchte.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung stellt keine Kauf‐ oder Verkaufsempfehlung dar. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe typisierende Modellrechnung im Impressum). Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 13.08.2014, Quelle: comdirect.de