Börsen-Ausblick
Viel Lärm um nichts?

Ital­ien-Wahl, Koali­tions-Zoff und ein möglich­er Han­del­skrieg sor­gen für Unsicher­heit. Ziehen am Börsen­him­mel dun­kle Wolken auf?

Die Ablenkung war nur von kurz­er Dauer. Nach dem schnellen Auss­chei­den des DFB-Teams bei der Fifa-WM hat sich die Poli­tik wieder in den Vorder­grund geschoben. Bere­its vor dem Start des sportlichen Großereigniss­es sorgte die Ital­ien-Wahl für Unbe­ha­gen. Über Risiken für ganz Europa wurde spekuliert. Dann geri­et plöt­zlich die Bun­desregierung ins Wanken. Beobachter kon­nten es kaum glauben. Der Stre­it über die Flüchtlingspoli­tik zwis­chen CDU und CSU dro­hte sich zu ein­er ern­sten Regierungskrise zu entwick­eln. Als ob das nicht schon gere­icht hätte, hat dann auch noch US-Präsi­dent Don­ald Trump ernst gemacht und begonnen, Import­ware aus Chi­na mit safti­gen Zöllen zu bele­gen. Die Revanche der Chi­ne­sen fol­gte auf dem Fuß. „Anleger müssen viele Tiefs aushal­ten, die die Hochs zu vertreiben dro­hen“, sagt Robert Halver, der die Kap­i­tal­mark­t­analyse der Baad­er Bank leit­et. Ziehen am Börsen­him­mel dun­kle Wolken auf?

Viele Fragezeichen

Während die WM in Rus­s­land europäisch dominiert war, spielt Europa auf dem poli­tis­chen Par­kett aktuell nur eine Beobachter­rolle. Hier guckt die Welt auf die USA und Chi­na. Nach­dem US-Präsi­dent Don­ald Trump chi­ne­sis­che Ein­fuhren im Wert von 34 Mil­liar­den US-Dol­lar mit Zöllen in Höhe von 25 % belegt hat, haben die Chi­ne­sen Ein­fuhrzölle auf US-Importe in gle­ich­er Höhe ver­hängt. Vor allem auf Agrarpro­duk­te, was US-Farmer und somit Trumps Stammwäh­ler erhe­blich tre­f­fen dürfte. Dro­hun­gen aus den USA fol­gten prompt – die Zölle kön­nten auf Waren im Wert von bis zu 500 Mil­liar­den US-Dol­lar aus­gedehnt wer­den. Kräftemessen der Wirtschafts­gi­gan­ten? Sprech­er des chi­ne­sis­chen Han­delsmin­is­teri­ums sprechen bere­its vom Beginn des „größten Han­del­skriegs der Geschichte“.

Sollte der Stre­it weit­er eskalieren, dro­hen mas­sive Fol­gen für die Entwick­lung der Weltwirtschaft. Han­del­sein­schränkun­gen dämpfen das Wach­s­tum und treiben die Preise. Laut ein­er OECD-Studie würde ein per­ma­nen­ter Anstieg der Han­del­skosten um 10 % die glob­ale Wirtschaft­sleis­tung mit­tel­fristig um 1 % bis 1,5 % reduzieren. Vor allem die exportab­hängige deutsche Wirtschaft kön­nte aus­ge­bremst wer­den. „Deutsch­land hat – anders als die USA – stark vom wirtschaftlichen Auf­stieg Chi­nas prof­i­tieren kön­nen“, so Michael Hüther, Direk­tor des Insti­tuts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). „Vor diesem Hin­ter­grund wird ins­beson­dere der Ein­fluss von US-Han­delssank­tio­nen auf Chi­nas Wach­s­tum auch Rück­wirkun­gen auf das deutsche Export­geschäft in Chi­na haben.“

Schwankungen erwartet

Die Aktien­märk­te dürften ten­den­ziell anfäl­liger wer­den. „Das zweite Hal­b­jahr 2018 bietet keine ide­alen Aus­sicht­en für Anleger, aber für Pes­simis­mus ist es zu früh“, meint etwa Chris­t­ian Nemeth, Chief Invest­ment Offi­cer und Vor­standsmit­glied der Zürcher Kan­ton­al­bank Öster­re­ich AG. Denn ungeachtet der Zus­pitzung im Han­del­skon­flikt entwick­elt sich die US-Kon­junk­tur pos­i­tiv. Die aktuellen Kon­junk­turindika­toren spiegel­ten die hohe Wach­s­tums­dy­namik der amerikanis­chen Wirtschaft wider. So ist die Arbeit­slosen­quote mit 3,8 % niedrig, die Löhne steigen und die Stim­mung in den Unternehmen ist gut. Der wichtige ISM-Einkauf­s­man­agerindex etwa ist im Juni im Ver­gle­ich zum Vor­monat noch ein­mal um 1,5 auf 60,2 Punk­te gestiegen und liegt damit weit im expan­siv­en Bere­ich. All dies sig­nal­isiere eine Wach­s­tums­beschle­u­ni­gung. „Wir rech­nen für das weit­ere Quar­tal mit einem BIP-Zuwachs von 3 % bis 3,5 %“, kom­men­tiert Nemeth die Wirtschaft­slage der USA.

Weniger opti­mistisch ist der Anlages­tratege für Europa. Denn während die US-Wirtschaft boomt, tritt die Kon­junk­tur in Europa auf die Bremse. Zwar präsen­tiert sich der Dien­stleis­tungssek­tor sta­bil, aber in der Indus­trie sind erste Fol­gen des Han­del­skon­flik­tes zu spüren. So bewegt sich der Einkauf­s­man­agerindex für die Indus­trie seit sechs Monat­en im Rück­wärts­gang. Ana­lysten der Zürcher Kan­ton­al­bank haben ihre Wach­s­tum­sprog­nosen von 2,2 % auf 2,0 % nach unten kor­rigiert.

Kein Grund zur Panik!

Doch selb­st damit läge das erwartete Wach­s­tum des Brut­toin­land­spro­duk­tes (BIP) noch deut­lich über dem langfristi­gen Durch­schnitt. Viel Rauch um nichts also? Thomas Grün­er, Grün­der und Vice Chair­man der Ver­mö­gensver­wal­tung Grün­er Fish­er Invest­ments, rät Anlegern dazu, Ruhe zu bewahren. „Viele Anleger schaf­fen es in diesem aufgewühlten Umfeld nicht, die Dinge ratio­nal zu bew­erten“, sagt der Invest­ment-Profi. Auch bei ihm rufen besorgte Kun­den an und fra­gen, ob nun ein Bären­markt beginne. Dafür sieht Grün­er aktuell keine Anze­ichen. Im Gegen­teil: „Wir leben noch immer in der besten aller Wel­ten“, so seine Überzeu­gung. Niedrige Zin­sen, wenig Infla­tion und eine robuste Wirtschaft: „Es gibt wenig bis nichts Neues – Wirtschaft und Börsen wach­sen in einem gemütlichen Tem­po, und es fehlt jedes Anze­ichen von Rezes­sion oder Euphorie.“

Anlegern rät er, nicht auf jede Sau aufzusteigen, die durchs Dorf getrieben wird. Die Befürch­tun­gen, dass die Ital­ien-Wahl das Ende der EU ein­läuten würde, sind längst ver­pufft. Der Koali­tion­sstre­it zwis­chen CDU und CSU wurde beigelegt – keine der Regierungsparteien dürfte Inter­esse an Neuwahlen haben. Und auch das Vorge­hen von US-Präsi­dent Trump hält Grün­er für wenig beden­klich. „Er poltert, sodass alle den Kopf ver­lieren, aber am Ende haben auch die USA Inter­esse an einem guten Ergeb­nis“, ist Grün­er überzeugt. Seine Empfehlung: Invest­ments bre­it streuen und liegen lassen, anstatt aus Angst vor Rückschlä­gen den Bul­len­markt zu ver­passen. Anders als etwa die Zürcher Kan­ton­al­bank hat Grün­er Europa leicht übergewichtet, weil er hier ein besseres Chance-Risiko-Ver­hält­nis sieht „Hier ist so viel Neg­a­tives eingepreist, dass nicht viel Pos­i­tives passieren muss, um die Kurse nach oben zu brin­gen.“

Für alle Fälle: Sparplan!

Ein Som­mer­märchen an den Börsen ist im aktuellen Umfeld kaum zu erwarten. „Aber die Ste­herqual­ität des Aktien­mark­tes wird unter­schätzt“, ist auch Kap­i­tal­mark­t­stratege Halver von der Baad­er Bank überzeugt. Er geht davon aus, dass sich die Märk­te über den Som­mer in einem volatilen Seitwärt­strend bewe­gen wer­den, und emp­fiehlt, den Schwankun­gen mit Sparplä­nen zu begeg­nen. Mögliche Rück­set­zer wer­den dann automa­tisch zu einem gün­sti­gen Kauf genutzt. comdi­rect bietet 80 Top-Preis ETFs per Spar­plan ohne Han­dels­ge­bühr.

ETFs unter­liegen Kurss­chwankun­gen. Damit sind Kursver­luste bis hin zum Totalver­lust des einge­set­zten Kap­i­tals möglich. Zer­ti­fikate bergen zudem ein Emit­ten­ten­risiko. Bei Zahlung­sun­fähigkeit des Emit­ten­ten kön­nen Ver­luste bis hin zum Totalver­lust ein­treten. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Die Beschrei­bung der Wert­pa­piere stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung dar. Stand: 18.07.2018; Quelle comdi­rect