Bitcoins: Digitaler Überschwang

Bitcoin & Co.
Digitaler Überschwang

Das Jahr 2017 war das Jahr der dig­i­tal­en Währun­gen. Die Preise hoben ab. Wie sich­er sind Bit­coin & Co.? Und lohnt sich ein Invest­ment?

Jamie Dimon fand harte Worte: Er würde jeden Händler feuern, der mit Bit­coins han­dele, sagte der Chef der Invest­ment­bank JP Mor­gan im Sep­tem­ber 2017. Der Hype um die Kryp­towährung sei schlim­mer als die Tulpen­zwiebel­blase im 17. Jahrhun­dert und „wird nicht gut enden“. Nur für einen Moment kon­nte Dimon mit sein­er Kri­tik den Bit­coin-Kurs brem­sen. Zu Jahres­be­ginn 2017 lag der Kurs bei 1000 Dol­lar, im Sep­tem­ber  noch unter 5000 Dol­lar, am Jahre­sende bei fast 14.000 Dol­lar. Mit­tler­weile ist der Invest­ment­banker zurück­gerud­ert: „Ich bereue es, diese Aus­sagen gemacht zu haben,“ sagte Dimon dem amerikanis­chen TV-Sender Fox Busi­ness News Anfang Jan­u­ar.

Teufel­szeug oder das heißeste Anlageve­hikel seit dem Neuen Markt? Bit­coin und andere Kryp­towährun­gen wie Ethereum und Rip­ple sorgten 2017 für Furore. Inzwis­chen sind die Kurse zwar deut­lich abge­bröck­elt. Aber ihre Befürworter sehen eine neue Epoche aufziehen, denn dig­i­tale Währun­gen wer­den nicht wie Euro oder US-Dol­lar von ein­er staatlichen Zen­tral­bank aus­gegeben. Sie basieren auf Daten­blöck­en in ein­er weltweit­en dezen­tralen Daten­bank, der soge­nan­nten Blockchain. Diese Daten­blöcke wer­den heute in der Regel in großen Rechen­zen­tren aufwendig errech­net. Den Prozess nen­nt man Min­ing.

Entwick­lung Anzahl Bit­coins (in Mil­lio­nen)
Quelle: Blockchain.info

Jed­er Daten­block enthält als wichtig­ste Infor­ma­tio­nen die Dat­en zu Über­weisun­gen und neu pro­duzierten Bit­coins. Weil Kopi­en der Bit­coin-Daten­ket­ten auf vie­len Rech­n­ern in dieser Welt liegen, gilt das Sys­tem als sehr fälschungssich­er. Transak­tio­nen wer­den schneller und kostengünstiger, weil keine Banken als Ver­mit­tler zwis­chengeschal­tet sind. Anhänger schätzen zudem die Unab­hängigkeit von staatlich­er Kon­trolle und die Begren­zung der Geld­schöp­fung. So wird es max­i­mal 21 Mil­lio­nen Bit­coins geben.

Kri­tik­er sehen aber auch Gefahren. So beste­ht die Gefahr von Totalver­lus­ten durch Daten­ver­lust oder Einbrüchen bei Online-Börsen. Zudem kön­nen dig­i­tale Währun­gen zur Geld­wäsche genutzt wer­den. Nach Kri­tik von EZB-Chef Mario Draghi wur­den Pläne abge­blasen, in Est­land einen „Est­coin“ einzuführen.

Wie kann man in Kryptowährungen investieren?

Bit­coins sind kein geset­zlich­es Zahlungsmit­tel. Bish­er kann man nur an eini­gen Plätzen in der dig­i­tal­en Welt und in weni­gen Laden­ket­ten wie etwa Star­bucks damit bezahlen. Bit­coin & Co. sind aber auch kein klas­sis­ches Anlage­pro­dukt, denn es gibt keine Div­i­den­den wie bei Aktien oder Zin­sen wie bei Anlei­hen. Entschei­dend bei der Anlage in Bit­coins ist allein die Wer­ten­twick­lung. Anleger kön­nen auf diese Wer­ten­twick­lung mit mehreren Instru­menten spekulieren. Der direk­te Weg ist der Kauf von Bit­coins. Bit­coins und andere dig­i­tale Währun­gen kön­nen Anleger auf Bit­coin-Mark­t­plätzen im Netz kaufen. Dafür müssen sie ein virtuelles Porte­mon­naie ein­richt­en, eine soge­nan­nte Wal­let. In der Wal­let kön­nen dig­i­tale Währun­gen gelagert und trans­feriert wer­den. Die Wahl des Mark­t­platzes erfordert Ver­trauen, weil Unternehmen insol­vent wer­den oder gehackt wer­den kön­nen. Bei­des ist in der Ver­gan­gen­heit bere­its vorgekom­men.

Wert­steigerung eines Bit­coins (in US-Dol­lar)
Quelle: Blockchain.info

Wer den Mark­t­plätzen oder der eige­nen Hard- und Soft­ware nicht traut, kann auch indi­rekt per Zer­ti­fikat auf die Entwick­lung des Bit­coin-Preis­es set­zen. Dafür reicht das nor­male Depot aus. Bei comdi­rect kön­nen Anleger beispiel­sweise ein Bit­coin-Par­tizipa­tion­sz­er­ti­fikat (WKN VN5MJG) von der Schweiz­er Von­to­bel-Bank außer­börslich und börslich han­deln. Auch Unternehmen prof­i­tieren vom Bit­coin-Hype. So gehörte die Aktie der Bit­coin Group (WKN A1TNV9) im Herb­st zu den meist­ge­han­del­ten Werten bei comdi­rect. Das Unternehmen aus Her­ford betreibt den bekan­ntesten Bit­coin-Mark­t­platz in Deutsch­land und besitzt selb­st laut Bilanz zum Hal­b­jahr 2017 über 3000.

Die Blockchain hat als Tech­nolo­gie großes Zukun­ftspoten­zial“, erk­lärt Andreas Schyra, Vor­stand der Essen­er Ver­mö­gensver­wal­tung PVV. „Bei vie­len Anwen­dun­gen kön­nen Transak­tio­nen über dezen­trale Daten­banken schneller und kostengünstiger abgewick­elt wer­den.“ Für alle Kryp­towährun­gen, die zulet­zt ent­standen sind, gilt sein Opti­mis­mus jedoch nicht. „Ähn­lich wie am Neuen Markt wird es einen Ausle­se­prozess geben“, sagt Schyra. „Wer überlebt und welchen Wert die einzel­nen Bit­coins, Ethers oder andere haben wer­den, ist heute noch nicht ser­iös zu prophezeien.“ Die Zukun­ft wird also zeigen müssen, ob Bit­coin & Co. für den nor­malen Anleger das näch­ste große Ding oder doch nur eine riesen­große Blase waren.

Aktien und Zer­ti­fikate unter­liegen Kurss­chwankun­gen; damit sind Kursver­luste bis zum Totalver­lust des einge­set­zten Kap­i­tals möglich. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukünftige Wer­ten­twick­lung. Bei Zer­ti­fikat­en als Schuld­ver­schrei­bun­gen beste­ht zudem ein Emit­ten­ten­risiko. Bei Zahlung­sun­fähigkeit des Emit­ten­ten kön­nen Ver­luste bis zum Totalver­lust ein­treten. Die Beschrei­bung der Wert­pa­piere stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung dar. Stand 07.03.2018; Quelle: comdirect.de