Ausblick: Mehr Licht als Schatten?

Ausblick Mehr Licht als Schatten?

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Nach einem schwachen vierten Quartal 2018 zogen die Kurse zuletzt wieder nach oben. Strohfeuer oder nachhaltige Erholung?

Welche Hiobsprognosen hat es nicht in den vergangenen Jahren gegeben? Ob Staatsbankrott, Deflation oder Hyperinflation: Seit dem Platzen der Immobilienblase vor gut zehn Jahren hat es jedes Schreckensszenario bereits mehrfach auf die Titelseiten der einschlägigen Finanzpresse gebracht. Und was ist seitdem real geschehen? Die Zinsen gingen in den Keller und risikoaverse deutsche Sparer haben real viel Geld verloren – nach einer Studie der comdirect bank allein im vergangenen Jahr knapp 40 Milliarden Euro. An den Aktienmärkten dagegen zogen die Kurse trotz konjunktureller Risiken nach oben: seit März 2009 im DAX um rund 11 % pro Jahr. Im MDAX, in dem die zweite Reihe der deutschen Aktiengesellschaften gelistet ist, lag das Plus gar bei 18,8 % pro Jahr.

Ausblick: Mehr Licht als Schatten Dax Performance Index Mai
Aktien und Indizes unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste bis zum Totalverlust möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Referenzzeitraum: 15.05.2009 bis 15.05.2019; Stand: 15.05.2019; Quelle: comdirect.de

Prognosen, das zeigt sich auch aktuell, haben eine kurze Haltbarkeit. So haben Ökonomen die Wachstumsaussichten für Deutschland noch im vergangenen Jahr ein ums andere Mal nach oben gehoben. Ab Herbst 2018 dann die Trendwende, die Erwartungen wurden massiv nach unten korrigiert. Die Bundesregierung erwartet für das laufende Jahr nur noch ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,5 %. Noch im Herbstgutachten wurden 1,8 % in Aussicht gestellt. Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, prognostiziert für 2019 gar nur noch ein Plus von 0,3 %. Müssen sich Aktionäre auf harte Zeiten einstellen?

Entspannung an der Zinsfront

Grund für übertriebenen Pessimismus sieht Dr. Ulrich Kaffarnik nicht, der als Vorstand der DJE Kapital AG den Bereich Fondsmanagement und Fondshandel verantwortet. „Charttechnisch hat sich das Bild weltweit deutlich aufgehellt“, sagt der Ökonom. Ein Grund: Das Risiko von der Zinsseite sei zurückgegangen. Statt mit Zinserhöhungen – wie noch vor vier Monaten – rechnen viele Volkswirte jetzt eher mit Zinssenkungen der FED. „Monetärer Rückenwind dürfte also erhalten bleiben.“ Auch das Brexit‐Risiko hält der Vorstand der Münchner Vermögensverwaltung für gering. „Einen No‐Deal‐Brexit wird es nicht geben“, ist Kaffarnik überzeugt, die Risiken seien für alle Beteiligten zu groß. „Im Worst Case wird der Austritt um fünf vor zwölf aufgeschoben.“ Auch eine Eskalation im Handelsstreit hält der DJE‐Vorstand für unwahrscheinlich – zu viel stehe im Vorwahljahr für den US‐Präsidenten auf dem Spiel. „Donald Trump braucht vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr gute Konjunkturdaten, weil er wiedergewählt werden will.“

Innovationen als Motor

Dr. Hendrik Leber, Gründer und Chef der Acatis Investment KVG, interessiert sich als Investor weniger für Politik und Konjunktur als für die Stärke der Unternehmen. „Politische Entscheidungen sind spannend, aber am Ende zählt vor allem das, was die Firmen machen“, ist der Value‐Investor überzeugt. Für seinen Flaggschifffonds Acatis Aktien Global (WKN 978174) sucht er nach Unternehmen, die eine starke Marktstellung und Preissetzungsmacht haben und zu einem günstigen Preis zu haben sind. Technologischer Vorsprung, Patente, geografische Barrieren, Kundenloyalität, Serviceumsätze oder Einkaufsmacht: Das sind Themen, die sich nach Einschätzung des Fondsmanagers durchsetzen werden, ganz unabhängig von politischen Strömungen.

Beispiel Energie und Mobilität: Der Verbrennungsmotor wird zunehmend zum Auslaufmodell und auch dem Elektro‐Motor von Bosch droht Gegenwind. Zukünftig könnte nach Einschätzung von Leber der japanische Anbieter Nidec (WKN 878403) das Segment beherrschen: „Der Motor ist sieben Kilo leichter und kommt in der Produktion mit weniger Rohstoffen aus.“ E‐Mobilität wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen, „die Batterieproduktion könnte 2019 geradezu explodieren“, so Leber. Er setzt darauf, dass auch die Nachfrage nach Batterie‐Recycling steigt. Wichtiger Player hier: der US‐Anbieter Umicore (WKN AOND4O).

Zukunftstrend Gesundheit

Auch Gesundheit ist ein Wachstumsmarkt – laut OECD könnte sich der Gesundheitsmarkt zwischen 2010 und 2035 verdoppeln und bis 2060 sogar vervierfachen. „70 % aller diagnostizierten Krankheiten weltweit sind chronischer Natur“, sagt Karsten Stroh, Investment Spezialist für den JP Morgan Funds — Global Healthcare Fund (WKN A1CWHW). Der Fonds investiert in die Bereiche Pharma, Biotech, Medizintechnik und Gesundheitsdienstleistungen, wobei Pharma mit einem Anteil von 40 % am höchsten gewichtet ist. Ob Therapien gegen Krebs, Diabetes, Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen, neurologische oder psychische Erkrankungen: „Die Pipeline der Unternehmen in der Forschung war noch nie so vielversprechend“, sagt Stroh. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen boomt. Dr. Roboter im OP sowie Zähne und chirurgische Instrumente aus dem 3‐D‐Drucker sind bereits an der Tagesordnung, an der Produktion von Organen und menschlichen Stammzellen im 3‐D‐Druck wird unter Hochdruck geforscht. Nach Prognosen von JP Morgan explodiert der Umsatz der KI im Gesundheitswesen von 2,1 Milliarden US‐Dollar 2018 auf 36,1 Milliarden US‐Dollar bis 2025 – also in gerade einmal sieben Jahren.

Investments breit streuen

Brexit, Handelskrieg, Krise in der Automobilindustrie: Risiken bleiben für Anleger bestehen. Doch angesichts der nach wie vor niedrigen Zinsen kommen Kapitalanleger bis auf Weiteres nicht an Aktien vorbei, ist Thomas Timmermann, Bereichsleiter Asset Management bei der Commerzbank, überzeugt. Für Anleger, die auf Aktien setzen, aber nicht ungebremst ins Risiko gehen möchten, managt er zwei Dividenden‐ETFs mit flexibler Teilabsicherung. Der ComStage Alpha Deutschland Dividenden Plus (WKN ETF751) investiert in Deutschland, der ComStage Alpha Dividende Plus (WKN ETF750) in Europa und den USA. Bei beiden Strategien sichert Timmermann die Risiken mittels Optionen je nach Risikoeinschätzung ab.

Aktien, ETF‐Indexfonds und Investmentfonds unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres‐ und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds‐Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 15.05.2019; Quelle: comdirect.de