Neuemission

Unter Neuemission versteht man den erstmaligen Börsengang eines Unternehmens. Die Kandidaten wollen sich dort neues Kapital verschaffen oder auch neue Eigentümer rekrutieren. Dieser Prozess wird oft auch „Going-public“ genannt. Bei der Neuemission müssen Angebot und Nachfrage für die neue Aktie unter einen Hut gebracht werden. Dabei hat das Unternehmen selbst ein Interesse an einem möglichst hohen Preis, die potenziellen Käufer möchten natürlich nicht zu viel bezahlen. Meist werden die Aktien deshalb in einem sogenannten Bookbuilding-Verfahren ermittelt. Dabei setzt der Verkäufer über die begleitende Emissionsbank eine Preisspanne fest, zu der er die Aktien verkaufen möchte. Die Interessenten können dann über ihre Hausbank Gebote abgeben und damit anzeigen, welchen Preis sie maximal zu zahlen bereit sind.

Neuemissionen waren früher oft überzeichnet

Im Regelfall übersteigt die Zahl der Gebote das Angebot an Aktien. Dann spricht man von einer „Überzeichnung“. Insbesondere in den Hochzeiten am Neuen Markt waren Neuemissionen oft um das Zehn bis 20-Fache oder noch höher überzeichnet. Die Aktien wurden dann meist verlost, oder die Interessenten bekamen nur sehr wenige Stücke. Die Folge: Die glücklichen Gewinner der Verlosung kassierten mitunter sehr große Zeichnungsgewinne, weil sich die Zukurzgekommenen an den ersten Börsentagen an der Börse zu fast jedem Preis eindecken wollten.

Anleger sind wählerischer geworden

Inzwischen hat sich das Neuemissionsgeschäft deutlich beruhigt. In den vergangenen Jahren haben nur noch relativ wenige Unternehmen den Börsengang angetreten, oft waren es Spinn-offs von großen Konzernen wie im Frühjahr die Siemens-Sparte Healthineers. Nachdem sich in der Vergangenheit so manche Neuemission als Niete entpuppt hat, sind auch Anleger deutlich wählerischer geworden. Sie achten inzwischen stärker auf Verschuldung und Eigenkapitalquote, Umsatz- und Gewinnaussichten, Branchenzugehörigkeit und Konkurrenten der Börsenneulinge. Aufgrund der bisherigen Gewinne des Unternehmens und der Bookbuilding-Spanne kann das voraussichtliche Kurs-Gewinn-Verhältnis geschätzt werden. Die Preise für neue Aktien sind dadurch deutlich realistischer geworden, extreme Kursbewegungen nach oben oder unten sind in den ersten Tagen am Markt inzwischen eher selten.