Hebeleffekt

Mit kleinem Einsatz große Dinge bewegen: Dieses Prinzip hat mit der Nutzung von Hebeleffekten bei Flaschenzügen schon in der Antike funktioniert. Der Hebeleffekt wird aber auch bei der modernen Geldanlage genutzt. Dabei wird ein überschaubarer Kapitalbetrag zum Kauf eines Optionsscheins oder eines Knock-Out-Zertifikates (Mini Future, Turbo-Optionsschein) verwendet und auf diese Weise indirekt ein Wertpapiervermögen bewegt, das die eingesetzte Anlagesumme deutlich übersteigt. Je nach Größe des Hebels lassen sich die Gewinnchancen bei gegebenem Kapitaleinsatz damit mehr oder weniger stark erhöhen. Gleiches gilt natürlich auch für das Verlustrisiko, schließlich wirkt ein Hebel immer in beide Richtungen.

Ermittelt wird die Höhe des Hebels und damit der Hebeleffekt, indem der Kurs des Basiswertes mit dem Bezugsverhältnis multipliziert und anschließend durch den Preis des gewählten Hebelproduktes dividiert wird. Hat ein Turbo-Call auf eine 100 Euro teure Aktie zum Beispiel einen Basispreis von 80 Euro und ein Bezugsverhältnis von 0,1 (zehn Turbo-Optionsscheine berechtigen zum Bezug einer Aktie), beträgt der innere Wert des Scheins ca. zwei Euro und der Hebel liegt bei (näherungsweise) fünf. Steigt die Aktie nämlich um 1 % auf 101 Euro, verteuert sich der Turbo-Call auf 2,10 Euro (+5 %). Bezogen auf den Einsatz fällt der Gewinn beim Turbo-Call somit fünfmal so hoch aus wie beim Underlying. Sollte die Aktie dagegen auf 99 Euro fallen (-1 %), wird sich der Wert des Turbos auf 1,90 Euro (-5 %) reduzieren. Da Turbos und Mini Futures nahezu eins zu eins auf die absolute Kursbewegung des Basiswertes reagieren, lassen sich die Renditechancen und Risiken der Produkte mithilfe des Hebels gut abschätzen.

Etwas anders sieht dies bei Standard-Optionsscheinen aus. Bei ihnen wird zwar auch ein Hebel ermittelt und auch angegeben, zur Optionsscheinanalyse ist dieser Wert allerdings kaum geeignet. Erfahrene Anleger greifen zur Bewertung der effektiven Hebelleistung deshalb auf das sogenannte „Omega“ zurück. Während sich der Hebel von klassischen Optionsscheinen und Knock-Out-Zertifikaten kontinuierlich ändert, bleibt der von Faktor-Zertifikaten immer gleich. Bei diesem Produkttyp wird der Hebel nämlich börsentäglich wieder auf sein ursprüngliches in den Produktbedingungen angegebenes Niveau zurückgesetzt.