Geschlossener Fonds

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Invest­ment­fonds gehö­ren zu den belieb­tes­ten Anla­gen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te – zumin­dest in der „offe­nen“ Vari­an­te. Für geschlos­se­ne Fonds (heu­te auch „Alter­na­ti­ve Invest­ment­fonds“) gilt das heu­te weni­ger. Der Grund: Bis Mit­te der 2000er-Jah­re konn­ten Ver­lus­te aus Betei­li­gun­gen an geschlos­se­nen Fonds bei der Ein­kom­men­steu­er ange­rech­net wer­den. Des­halb waren Steu­er­as­pek­te min­des­tens eben­so wich­tig wie die nor­ma­le Ren­di­te. Inzwi­schen sind die Abzugs­mög­lich­kei­ten vom Gesetz­ge­ber weit­ge­hend besei­tigt wor­den, und das Anla­ge­instru­ment „geschlos­se­ner Fonds“ hat an Bedeu­tung ver­lo­ren.

Fonds als unternehmerische Beteiligung

Bei einem geschlos­se­nen Fonds han­delt es sich um eine Betei­li­gungs­ge­sell­schaft (meist Kom­man­dit­ge­sell­schaft). Anle­ger zeich­nen Antei­le und wer­den so zum Mit­ge­sell­schaf­ter (Kom­man­di­tist). Mit der Auf­la­ge eines sol­chen Fonds wird Kapi­tal für ein bestimm­tes Pro­jekt gesam­melt. Das kann zum Bei­spiel ein Schiff, ein Hol­ly­wood-Film, ein Wind-/So­lar­park oder eine bzw. meh­re­re Immo­bi­li­en sein. Bei der Auf­la­ge des Fonds wird ein Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men fest­ge­legt. Wenn die­se Sum­me erreicht ist, wird der Fonds geschlos­sen.

Hohe Mindestanlagesummen

In geschlos­se­ne Fonds kön­nen Anle­ger anders als bei offe­nen Invest­ment­fonds nicht schon mit zwei­stel­li­gen Beträ­gen (per Spar­plan) inves­tie­ren. Die soge­nann­te Min­dest­zeich­nungs­sum­me wird vom Initia­tor des Fonds vor­ge­ge­ben. Sie liegt in der Regel zwi­schen 5.000 und 25.000 Euro. Dazu kommt der Aus­ga­be­auf­schlag, der bei geschlos­se­nen Fonds „Agio“ genannt wird. Die­se Ver­triebs­ge­bühr liegt meist bei 5 % der Zeich­nungs­sum­me. Zusätz­lich zum gezeich­ne­ten Eigen­ka­pi­tal kön­nen Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten mit­un­ter auch Kre­di­te auf­neh­men, um eine höhe­re Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te zu ermög­li­chen.

Vorteile greifen nicht immer

Geschlos­se­ne Fonds ver­spre­chen Anle­gern eine höhe­re Ren­di­te als Spar­an­la­gen oder Anlei­hen. Aller­dings weicht die tat­säch­li­che Ren­di­te häu­fig von den Pro­gno­sen und Ver­spre­chun­gen ab. Steu­er­lich sind immer noch eini­ge Vor­tei­le geblie­ben. So gel­ten geschlos­se­ne Fonds beim Ver­er­ben als unter­neh­me­ri­sche Betei­li­gun­gen und wer­den des­halb gerin­ger besteu­ert als Pri­vat­ver­mö­gen. Bei Schiffs­fonds kön­nen Anle­ger wei­ter­hin von der soge­nann­ten „Ton­nage­steu­er“ pro­fi­tie­ren und müs­sen auf Gewin­ne kaum Steu­ern zah­len. Das Pro­blem: Gera­de Schiffs­fonds haben in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit wegen der gefal­le­nen Fracht­prei­se ihre Pro­gno­sen oft ver­fehlt und Anle­gern Ver­lus­te beschert.

Lange Bindungsfristen, unsichere Gewinne

Dem­ge­gen­über gibt es diver­se Nach­tei­le. So sind Anle­ger für die gesam­te Lauf­zeit, die in der Regel zwi­schen drei und 30 Jah­ren liegt, grund­sätz­lich an ihre Betei­li­gung gebun­den. Über soge­nann­te Zweit­markt­platt­for­men kön­nen Antei­le zwar ver­kauft wer­den, aller­dings geht das oft mit Ver­lust ein­her. Anle­ger haben trotz ihrer Mit­ei­gen­tü­mer­schaft nur beschränk­te Mit­spra­che­rech­te. Und da Alter­na­ti­ve Invest­ment­fonds nicht zu den stan­dar­di­sier­ten Wert­pa­pie­ren zäh­len, gibt es kei­ne Garan­ti­en oder Ein­la­ge­si­che­run­gen. Ein Total­ver­lust ist nicht aus­ge­schlos­sen, bei älte­ren Fonds muss­ten Inves­to­ren mit­un­ter sogar Kapi­tal nach­schie­ßen. Zudem lehrt die Erfah­rung: Geschlos­se­ne Fonds wer­den oft für Mode­the­men auf­ge­legt (etwa Film­fonds Ende der 1990er-Jah­re) oder Schiffs­fonds (Mit­te der 2000er-Jah­re). Vie­le Fonds kamen kurz vor dem Plat­zen der jewei­li­gen Bla­se und bescher­ten Anle­gern so Ver­lus­te.