Bonität

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Vie­le Jah­re war der Begriff „Boni­tät“ ein Buch mit sie­ben Sie­geln für den Groß­teil der Anle­ger. Mit der Leh­man-Plei­te und spä­tes­tens mit dem Schul­den­schnitt Grie­chen­lands rück­te die Boni­tät dann gleich von ihrer unschö­nen Sei­te ins Ram­pen­licht. Denn die Boni­tät gibt Aus­kunft über den aktu­el­len Stand der Kre­dit­wür­dig­keit und der Zah­lungs­fä­hig­keit eines Lan­des oder eines Unter­neh­mens.

Wie wich­tig es für Anlei­he-Inves­to­ren ist, nicht nur auf den Zins­ku­pon, son­dern auch auf die Boni­tät eines Anlei­he-Emit­ten­ten zu ach­ten, zeig­te sich in Grie­chen­land. Im März 2012 waren die Hel­le­nen weder kre­dit- noch zah­lungs­fä­hig. Daher war ein Schul­den­schnitt damals unaus­weich­lich, der vie­le Anle­ger reich­lich Geld kos­te­te.

Ratings beachten

Aus­kunft über die Boni­tät von Emit­ten­ten geben soge­nann­te Ratings, die von Rating-Agen­tu­ren ermit­telt wer­den. Sowohl bei der Beur­tei­lung von Län­dern als auch bei der Boni­täts­ein­stu­fung von Unter­neh­men bestim­men die drei ame­ri­ka­ni­schen Agen­tu­ren Stan­dard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch den Markt. Ihre Ein­stu­fung wird welt­weit beach­tet und ent­schei­det im Zwei­fel dar­über, ob und zu wel­chen Kon­di­tio­nen sich ein Unter­neh­men oder ein Staat am Kapi­tal­markt refi­nan­zie­ren kann.

In die Bewer­tung flie­ßen wirt­schaft­li­che Kenn­zah­len wie Kapi­tal­struk­tur, Ertrags­la­ge, Gewinn­mar­ge, Liqui­di­täts­si­tua­ti­on und Kun­den­struk­tur mit ein. Aber auch qua­li­ta­ti­ve Fak­to­ren wie die Manage­ment­qua­li­tät, das Mit­ar­bei­ter­po­ten­zi­al oder das Risi­ko­ma­nage­ment wer­den berück­sich­tigt. In der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit kamen dann noch „wei­che­re“ Fak­to­ren wie Umwelt­ver­träg­lich­keit und Arbeits­be­din­gun­gen für Mit­ar­bei­ter hin­zu.

Buchstabencodes verstehen

Für ihre Ein­stu­fun­gen ver­wen­den Rating-Agen­tu­ren Buch­sta­ben­codes, die von Agen­tur zu Agen­tur leicht vari­ie­ren. Best­no­te, auch „Tripp­le A“ genannt, ist bei S&P und Fitch das „AAA“, bei Moody’s das Aaa. Die wich­tigs­te Unter­schei­dung ist bei allen Ratings die Ein­stu­fung als „Invest­ment­gra­de-Rating“ oder als „Spe­ku­la­ti­ve-Gra­de“. Ab BB+ (Fitch und Stan­dard & Poor’s) oder Ba (Moody’s) beginnt der spe­ku­la­ti­ve Bereich. Die­se Mar­ke gilt für Inves­to­ren als deut­li­ches Warn­si­gnal, dass hohe Aus­fall­ri­si­ken bestehen, sie also Gefahr lau­fen, ihr Geld zu ver­lie­ren. Am Ende der Ska­la steht mit D der Aus­fall, also die Plei­te eines Schuld­ners.

Nur Momentaufnahme

Die Agen­tu­ren urtei­len aus­schließ­lich auf Basis öffent­lich zugäng­li­cher Infor­ma­tio­nen. Sie geben also kei­ner­lei Pro­gno­sen für die zukünf­ti­ge Boni­tät eines Lan­des oder einer Gesell­schaft ab. Die Krux an die­ser Ent­wick­lung, die immer wie­der Anlass zur Kri­tik an den Rating-Agen­tu­ren lie­fert: Die aktu­el­le Ein­schät­zung läuft der Aktua­li­tät womög­lich hin­ter­her. Dies war bei­spiels­wei­se bei der US-Invest­ment­bank Leh­man Bro­thers wäh­rend der Finanz­kri­se der Fall. Damals bestä­tig­te S&P noch weni­ge Tage vor der Plei­te von Leh­man Bro­thers deren gute Boni­tät.