Die USA sind für Anleger der wichtigste Markt weltweit. Daran wird sich auch nach der Präsidentschaftswahl nichts ändern.

Anlagemarkt USA „A place to be“

Special zur US-Wahl

„A place to be“

Die USA sind für Anleger der wichtigste Markt weltweit. Daran wird sich auch nach der Präsidentschaftswahl nichts ändern.

Die USA sind für Anleger der wichtigste Markt weltweit. Daran wird sich auch nach der Präsidentschaftswahl nichts ändern.

Skandale und Skandälchen beherrschen den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Die Stimmung ist aufgeheizt. Dabei hätten die Amerikaner ökonomisch betrachtet eigentlich sogar Grund zu einer gewissen Gelassenheit. Die US-Wirtschaft ist seit Jahren auf Wachstumskurs, im Vergleich zu Europa haben die Vereinigten Staaten die Finanzkrise deutlich besser überwunden. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig, Monat für Monat werden neue Jobs geschaffen. Und der Immobilienmarkt, einst Auslöser der Finanzkrise, hat sich wieder erholt.

Die robuste Konjunktur spiegelt sich auch an den Börsen – an der Wall Street haben die wichtigsten Indizes Dow Jones und Nasdaq im Jahresverlauf historische Höchststände erreicht.

969420 — Dow Jones

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A0AE1X — Nasdaq-100

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Das Wahlspektakel indes sorgt für Unsicherheit bei Investoren. Wie geht es weiter mit der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt? Und wie reagieren die Börsen?

Quo vadis, USA?

Ob die Wahl Einfluss auf Konjunktur und Börsen haben wird, darüber sind die Meinungen durchaus verschieden. Thomas Hünicke, Geschäftsführender Gesellschafter der WBS Hünicke Vermögensverwaltung, sieht dunkle Wolken für die US-Wirtschaft, aber auch für die Weltwirtschaft aufziehen, sollte der Republikaner Trump die Wahl gewinnen. „Trump hat angekündigt, den Handel zu amerikanisieren. Der Protektionismus würde zu einer neuen Rezession führen – nicht nur in den USA, sondern weltweit.“

Je nach Wahlausgang könnten einzelne Sektoren Rücken- oder Gegenwind bekommen, glaubt Kristina Hooper, US Investment Strategin bei Allianz Global Investors. „Ein Sieg von Clinton könnte zu einem Ausverkauf bei Aktien aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie und möglicherweise Finanzdienstleistern führen“, so die Analystin. „Macht Trump das Rennen, könnten ein kurzfristiger Ausverkauf bei Aktien, Umschichtungen in Gold und eine Aufwertung des US-Dollars die Folge sein.“

Christian Preussner, Spezialist für US-Aktien bei J.P. Morgan Asset Management, sieht der Wahl am 8. November indes gelassen entgegen – der Wahlausgang spiele eine untergeordnete Rolle: „Der Präsident kann keine Gesetze erlassen, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass extreme Positionen durch den Kongress kommen werden“. Preussner warnt Anleger davor, ihre Portfolios aufgrund von politischen Spekulationen neu auszurichten. „Es könnte kurzfristig zu Marktvolatilität kommen“, so Preussner. Langfristig aber sei es für Investoren wichtiger, auf die Fundamentaldaten der Wirtschaft und der Unternehmen zu gucken.

US-Konjunktur robust

So präsentiert sich die US-Wirtschaft trotz des bereits 87 Monate andauernden Aufwärtszyklus robust. Für dieses und das kommende Jahr erwarten die Ökonomen von J.P. Morgan ein Wachstum von rund 2 %. Wichtigste Stütze bleibe der Konsum, der für 70 % der Wirtschaftskraft steht. Ein starker Arbeitsmarkt und Lohnsteigerungen von 2,6 % in den vergangenen zwölf Monaten sorgen für Stabilität.

Auf Unternehmensebene sollten Anleger die Gewinnentwicklung im Fokus haben. Für den S&P prognostiziert Preussner für 2017 ein Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich. „Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Branchen“, so der Aktienspezialist. Zyklischer Konsum dürfte nach seiner Einschätzung zu den Gewinnern gehören. „Dazu zählen im weiteren Sinn auch Reisen oder Medien – die Amerikaner geben wieder mehr Geld aus.“ Potenzial sieht er auch im Bereich Software und Speichermedien, während die Margen von Technologieunternehmen aus dem Bereich Hardware bröckeln.

Rückenwind durch die Fed

Finanzwerte sollten zudem Rückenwind von der Notenbank bekommen. Zwei bis drei Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte erwartet J.P. Morgan bis Ende kommenden Jahres, ein erster Schritt im Dezember gilt als wahrscheinlich. „Jeder Basispunkt wirkt sich extrem auf die Profitabilität der Unternehmen und damit die Stabilität des Marktes aus, weil Finanzwerte einen hohen Anteil am S&P haben.“ Negative Folgen weiterer Zinsschritte für die Industrie sieht Preussner nicht. „Wir starten auf niedrigem Niveau, und die Kassen der Unternehmen sind extrem gut gefüllt.“

Infrastruktur im Blick

Schwung für Konjunktur und Börsen dürften auch die angekündigten Investitionsprogramme bringen. Sowohl Clinton als auch Trump haben in ihren Wahlprogrammen angekündigt, einen dreistelligen Milliardenbetrag in die Infrastruktur des Landes zu investieren. „Insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Grundstoffe sowie Luftfahrt könnten von einer wie auch immer gearteten Erhöhung der Staatsausgaben profitieren“, glaubt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

Demokraten beflügeln die Börse: Die Republikaner waren seit 1969 zwar länger an der Macht und haben seitdem insgesamt 28 Jahre den Präsidenten gestellt. Die Börse jedoch hat sich gemessen am S&P-500-Index (Standard & Poor’s 500) in den 20 Jahren unter einem demokratischen Präsidenten deutlich besser entwickelt.
Kursentwicklung des S&P 500 seit 1969; Quelle: comdirect; americanet.de, Stand: Oktober 2016

Demokraten beflügeln die Börse
Die Republikaner waren seit 1969 zwar länger an der Macht und haben seitdem insgesamt 28 Jahre den Präsidenten gestellt. Die Börse jedoch hat sich gemessen am S&P-500-Index (Standard & Poor’s 500) in den 20 Jahren unter einem demokratischen Präsidenten deutlich besser entwickelt.

USA vor Europa

Clinton oder Trump: Ganz unabhängig vom Wahlausgang kommen ausgewogene Anleger nicht am amerikanischen Aktienmarkt vorbei. Mit einem Anteil von 60 % der Unternehmen am MSCI ist der US-Markt nicht nur der wichtigste Markt weltweit. „Es ist auch der liquidere und stabilere Markt im Vergleich zu Europa oder den Emerging Markets“, so Preussner. „Insgesamt scheinen US-Aktien auch weiterhin interessantere Perspektiven zu bieten als Unternehmenspapiere aus Europa“, sagt Ulrich Stephan. Das liege vor allem daran, dass wachstumsstarke Branchen wie Healthcare und Technologie mit einem Anteil von über 35 % im S&P 500 ein deutlich höheres Gewicht haben als im FTSE 100 oder im europäischen Stoxx 600. „Im dritten Quartal sorgten beide Sektoren immerhin für 40 % des Gewinns je Aktie im US-Leitindex“, so Stephan, „und ihre Bedeutung dürfte weiter zunehmen.“

Und auch für Till Christian Budelmann, US-Aktienexperte im Berenberg Investment Committee und Fondsmanager des Berenberg Systematic Approach-US Stockpicker Fund (WKN A1C33Y), bleibt der amerikanische Aktienmarkt der „Place to be“. „Auch wenn die Dynamik des Aufschwungs offensichtlich nachlässt, ist er attraktiver als der europäische Aktienmarkt und als der Anleihemarkt ohnehin“, so Budelmann. Trotz hoher Kursstände und einer Bewertung knapp über dem historischen Durchschnitt sieht er Luft nach oben: Für 2017 erwartet Budelmann ein weiteres Plus im Rahmen des Trendwachstums an Aktienmärkten, also um die 5 bis 10 %.

Schwankungen ausnutzen

Langfristig orientierte Anleger können mit Fonds oder ETFs von der Entwicklung der US-Börsen profitieren. Trader können mit Hebelprodukten auch auf kurzfristige Schwankungen im Markt setzen. Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: Die Nervosität im Markt dürfte kurz vor und auch kurz nach der Wahl steigen.

Aktien und Aktienfonds unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Investitionen außerhalb des Euro-Raums unterliegen Währungsschwankungen. Die Beschreibung stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Aktienfonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar; Stand: 02.11.2016, Quelle: comdirect.de