Geldsparplan - Eine unrentable Tradition

Geldsparplan Eine unrentable Tradition

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Der Geldspar­plan ist die Mut­ter aller Sparpläne. Girokon­ten, wie wir sie heute als völ­lig selb­stver­ständlich ken­nen, waren vor eini­gen Jahrzehn­ten noch so unpop­ulär, dass die Spar­er lieber auf das klas­sis­che Spar­buch am Bankschal­ter ein­zahlten.

Tat­säch­lich wur­den Sparpläne erst Anfang der 60er Jahre automa­tisiert, wom­it der Siegeszug des Girokon­tos begann. Per Dauer­auf­trag ging jeden Monat eine bes­timmte Summe auf das Sparkon­to. Viele nutzen diese Möglichkeit, um ihr Ver­mö­gen aufzubauen. An Aktien traute sich kaum jemand her­an. Bis heute haben Aktien in Deutsch­land nicht die Akzep­tanz wie beispiel­sweise in den USA. Die fol­gen­den Zahlen zeigen: Die deutschen Spar­er hal­ten nach wie vor an alten Tra­di­tio­nen fest:

Verteilung der Geldanlagen in Deutschland 2018

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Verzin­sung auf Sparein­la­gen liegt zurzeit deut­lich unter der Infla­tion­srate (Gilt nur in Niedrigzin­sphasen!).
  • Ein Geldspar­plan ist nur geeignet, um ein finanzielles Grund­pol­ster aufzubauen. Danach soll­ten Sie eine andere Anlage­form wählen.
  • Baus­parkassen lei­den unter der Niedrigzin­sphase und ver­suchen, Spar­er aus gut verzin­sten Verträ­gen hin­auszu­drän­gen.
  • Die wenig­sten Banken bieten Riester-Sparpläne noch als Geldspar­plan an. Grund ist die niedrige Verzin­sung, die die Renten­garantie schw­er­ma­cht.
  • Erträge aus einem Geldspar­plan unter­liegen der Besteuerung durch die Abgel­tungss­teuer.
  • Über das Guthaben auf einem Tages­geld­kon­to kön­nen Sie jed­erzeit in voller Höhe ver­fü­gen. Bei einem Sparkon­to ist dies nur bis zu ein­er Höhe von 2.000 Euro inner­halb von 30 Tagen möglich. Für darüber hin­aus­ge­hende Beträge berech­net die Bank Vorschusszin­sen.

Bausparen als Dauerbrenner beim Geldsparplan

Baus­paren ist let­z­tendlich nichts anderes als ein Geldspar­plan – allerd­ings mit einem fes­ten Ziel. Früher bewar­ben die Baus­parkassen ihr Pro­dukt oft als reine Sparan­lage und viele Ver­brauch­er schlossen einen Baus­parver­trag nur mit dem Ziel ab, von den besseren Guthaben­zin­sen gegenüber einem Spar­buch zu prof­i­tieren.

Die reine Gel­dan­lage in Form eines Baus­parver­trages hat heute stark an Pop­u­lar­ität einge­büßt, da die Baus­parkassen keine hohen Zin­sen mehr anbi­eten kön­nen. Im Gegen­teil: Zahlre­iche Spar­er haben gegen die Kassen prozessiert, weil diese die Altverträge kündigten, um nicht länger ein Zin­sniveau von 3 % und mehr bedi­enen zu müssen. 34 % der Spar­er nutzen heute einen Baus­parver­trag; das mag über­wiegend dem Wun­sch nach Immo­biliener­werb geschuldet sein.

Sparplan ja, aber wie?

Die trau­rige Real­ität in Deutsch­land ist: Die kon­ser­v­a­tive Anlegermen­tal­ität führt zu ein­er fak­tis­chen Geld­ver­nich­tung. Ein Blick auf die Grafik oben zeigt diese Real­ität. Spar­er leg­en nach wie vor Geld in Geld an, investieren also kaum in Sach­w­erte wie Immo­bilien oder Aktien. Seit der Finanzkrise ging es mit den Zin­sen so steil bergab, dass sie sog­ar nur unter­halb der seit Jahren niedrig­sten Infla­tion tendierten.

Die fol­gende Berech­nung zeigt, wie sich die Kaufkraft von 1.000 Euro bei ein­er Infla­tion­srate von 2 % der von der Europäis­chen Zen­tral­bank angestrebten Größe entwick­elt und das Geld an Wert ver­liert:

Die frühen ver­mö­genswirk­samen Leis­tun­gen (vL) liefen alle noch auf ein Spar­buch. Zu den Zeit­en des 312-Mark- und des 624-Mark Geset­zes – wie die vL damals genan­nt wur­den – war das auf­grund des Zinssatzes dur­chaus akzept­abel. Heute ist es das nicht mehr.

Einen guten Grund gibt es, einen Geldspar­plan zu begin­nen: Jed­er Haushalt sollte eine eis­erne Reserve haben. Die Faust­formel dafür lautet: Die Höhe solle das dreifache Monat­seinkom­men betra­gen. Warum also nicht einen Geldspar­plan zugun­sten eines Tages­geld­kon­tos ein­richt­en und in beque­men monatlichen Zahlun­gen dieses Pol­ster auf­bauen? Wenn dieses Ziel erre­icht ist, soll­ten Sie den Spar­plan allerd­ings auf eine rentablere Anlage umstellen. Das kann z. B. ein Fondss­par­plan mit einem kon­ser­v­a­tiv aus­gerichteten Aktien­fonds oder einem offe­nen Immo­bilien­fonds sein. Hier sind die Ren­ditechan­cen höher, wom­it allerd­ings auch das Ver­lus­trisiko steigt.

Banksparplan mit Riester: der geförderte Geldsparplan

Die Riester-Rente in Form eines Bankspar­planes kon­nte sich nie so recht am Markt etablieren – was nicht weit­er tragisch ist. Denn diese Vari­ante war für einen Per­so­n­enkreis gedacht, für den aus Alters­grün­den eine Renten­ver­sicherung nicht mehr zum Tra­gen kam. Die meis­ten von den weni­gen Banken, die einen Riester-Spar­plan ange­boten haben, zogen sich recht schnell wieder aus diesem Geschäfts­feld zurück.

Die his­torisch niedri­gen Zin­sen der let­zten Jahre macht­en es den Banken und Ver­sicher­ern fast unmöglich, die garantierte Renten­zahlung mit den Sparein­la­gen zu erwirtschaften. Der einzige Vorteil dieses Spar­planes: Er verur­sachte dem Spar­er im Gegen­satz zu ein­er klas­sis­chen oder fonds­ge­bun­de­nen Riester-Rente keine Kosten.

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Gut zu wis­sen: Zu viel gezahlte Abgel­tung­s­teuer kön­nen Sie sich im Rah­men der Steuer­erk­lärung vom Finan­zamt zurück­holen.

Die Besteuerung bei einem Geldsparplan

Einkün­fte aus Kap­i­talver­mö­gen sind steuerpflichtig. Dies gilt unab­hängig vom Alter des Spar­ers und davon, ob er noch andere Einkun­ft­sarten hat. Zu den Einkün­ften aus Kap­i­talver­mö­gen zählen Zin­sen, Div­i­den­den oder real­isierte Kurs­gewinne aus Wert­pa­piergeschäften.
Bei Alle­in­ste­hen­den wer­den die ersten 801 Euro, bei Ver­heirateten die ersten 1.602 Euro an Kap­i­taleinkün­ften nicht ver­s­teuert („Spar­erfrei­be­trag“). Für darüber hin­aus­ge­hende Beträge greift die Abgel­tungss­teuer in Höhe von 25 %, zuzüglich Sol­i­dar­ität­szuschlag und gegebe­nen­falls Kirchen­s­teuer.

Tipp: Liegt Ihr per­sön­lich­er Steuer­satz unter 25 Prozent, kön­nen Sie einen Antrag auf „Gün­stiger­prü­fung“ stellen. Die Kap­i­talerträge wer­den dann zu einem gerin­geren per­sön­lichen Steuer­satz ver­s­teuert.

Die Bank führt die fäl­lige Abgel­tungss­teuer ab dem ersten Euro Zin­ser­trag aus dem Geldspar­plan direkt an das Finan­zamt ab – jedoch nur, wenn Sie keinen Freis­tel­lungsauf­trag erteilt haben. Mit einem Freis­tel­lungsauf­trag weisen Sie die Bank an, Kap­i­talerträge bis max­i­mal zur Höhe des Spar­erfrei­be­trages ohne Abzug von Abgel­tungss­teuer an Sie auszuzahlen.

Die steuer­liche Behand­lung hängt von den per­sön­lichen Ver­hält­nis­sen des jew­eili­gen Kun­den ab. Die Rechts­grund­la­gen für die Besteuerung von Kap­i­taleinkün­ften kön­nen sich ändern. Die comdi­rect bank AG übern­immt keine Gewähr für die Richtigkeit, Voll­ständigkeit und Aktu­al­ität der bere­it­gestell­ten Infor­ma­tio­nen auf dem Gebi­et des Steuer­recht­es. Die zur Ver­fü­gung gestell­ten Infor­ma­tio­nen erset­zen keine per­sön­liche Steuer- oder Rechts­ber­atung.