Höhere Risikoneigung
>3 %: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Infla­tion­saus­gle­ich genügt nicht allen Anlegern. Soll bei der Kap­i­talverzin­sung nom­i­nal min­destens eine Drei vor dem Kom­ma ste­hen, bieten sich bei Derivat­en einige Möglichkeit­en. Dis­count-Zer­ti­fikate entsprechen in ihrer Funk­tion­sweise den Deep Dis­coun­tern. Weil die Ren­dite aber höher sein soll, müssen etwas höhere Anlagerisiken in Kauf genom­men wer­den. Das bedeutet: Der „Sicher­heit­spuffer“ (der Abstand zwis­chen dem aktuellen Basiswert und dem Cap) ist geringer.

Für ca. 3% Ren­dite p.a. etwa darf der Abstand bei Dis­coun­tern auf den DAX mit rund neun Monat­en Rest­laufzeit aktuell max­i­mal bei 17,9% liegen (zum Beispiel WKN TD6E6C). Anders aus­ge­drückt: Sinkt der DAX bis zum Bew­er­tung­ster­min Ende Juli 2017 unter 8.700 Punk­te, reduziert sich erst die Verzin­sung. In die Ver­lust­zone rutschen Dis­count-Anleger erst dann, wenn der DAX unter 8.502 Punk­ten notiert.

Um auf eine Max­i­mal­ren­dite von 4,1% p.a. zu kom­men, darf der Abstand zwis­chen Indexw­ert und Cap bei anson­sten unverän­derten Bedin­gun­gen nur bei 13,2% liegen (zum Beispiel WKN TD4UUL).

Eine Alter­na­tive zu Dis­count-Zer­ti­fikat­en sind Aktien­an­lei­hen. Finanz­math­e­ma­tisch betra­chtet sind bei­de Pro­duk­t­typen aus­tauschbar. Bei Dis­coun­tern ergibt sich die „Verzin­sung“ aus der Dif­ferenz zwis­chen Kauf­preis und max­i­malem Rück­zahlungswert. Aktien­an­lei­hen dage­gen haben einen Kupon. Dieser wird dem Besitzer der Anlei­he am Laufzei­t­ende in jedem Fall aus­gezahlt. Zudem erfol­gt die Rück­zahlung der Anlei­he zum Nen­nwert. Das gilt allerd­ings nur, wenn der Basiswert am Bew­er­tungstag über einem vor­ab fest­gelegten Min­dest­preis liegt. Notiert der Basiswert unter­halb dieser Marke, bekom­men Besitzer der Aktien­anleihe bei Fäl­ligkeit entwed­er die jew­eili­gen Aktien ins Depot gebucht oder sie erhal­ten einen entsprechen­den Baraus­gle­ich. Dieses Risiko soll­ten Anleger ken­nen und Aktien­an­lei­hen nicht mit nor­malen Unternehmens- oder Staat­san­lei­hen ver­wech­seln.

Tiefe Barrieren statt niedriger Caps

Bei einem Anlage­hor­i­zont von mehr als einem Jahr gibt es Alter­na­tiv­en zu Spar­briefen oder länger­laufen­d­em Fest­geld, beispiel­sweise Express-Zer­ti­fikate mit tiefen Bar­ri­eren. Zu dieser Pro­duk­t­gruppe zählt etwa ein Fix-Kupon-Express-Zer­ti­fikat der BNP­Paribas auf den Euro STOXX 50 mit spätester Fäl­ligkeit im März 2019 (WKN PA8962). Anleger erhal­ten eine jährliche Bonuszahlung von 4%.

Das Zer­ti­fikat wird vorzeit­ig getil­gt, wenn der Euro STOXX 50 am ersten Beobach­tung­ster­min (13.03.2017) über der soge­nan­nten Tilgungss­chwelle von 3.073,8 Punk­ten und damit lediglich 30 Punk­te über dem aktuellen Niveau notiert. Anderen­falls läuft das Pro­dukt weit­er, bevor Mitte März 2018 die zweite Über­prü­fung anste­ht. Sollte der Euro STOXX 50 auch am drit­ten und let­zten Beobach­tungstag (11.03.2019) nicht ober­halb von 3.073,8 Punk­ten notieren, erfol­gt die Rück­zahlung zum Nen­nwert von 1.000 Euro, sofern der Index die Bar­riere von 1.536,9 Zäh­lern (50% der Tilgungss­chwelle) während der gesamten Laufzeit nicht berührt oder unter­schrit­ten hat. Falls doch, ori­en­tiert sich die Rück­zahlung am Indexniveau bei Fäl­ligkeit im Ver­gle­ich zur Tilgungss­chwelle. Bei einem hypo­thetis­chen Index­s­tand von 2.463 Punk­ten (80% der Tilgungss­chwelle) gäbe es für Anleger nur 800 statt 1.000 Euro pro Express-Zer­ti­fikat zurück.

Hohe Zinsaufschläge bei Fremdwährungsanleihen

Eine weit­ere Alter­na­tive sind Fremd­währungsan­lei­hen. Je nach Währung bieten diese Papiere zum Teil beachtliche Zin­sauf­schläge im Ver­gle­ich zu Euro-Fest­geld oder Bun­de­san­lei­hen. Der Grund: das Abw­er­tungsrisiko, dem aber auch eine Aufw­er­tungschance gegenüber­ste­ht.

Höhere Zin­sauf­schläge als bei Anlei­hen in US-Dol­lar gibt es für Schuld­ver­schrei­bun­gen in soge­nan­nten Non Core­Currencies. Diese Papiere wer­den zum Beispiel von der Europäis­chen Investi­tions­bank (EIB) und der Welt­bank emit­tiert. Der Vorteil: Bei­de Insti­tu­tio­nen haben mit Rat­ings von AAA/Aaa die höch­ste Bonität­se­in­stu­fung der Rat­ing-Agen­turen Moody’s, S&P und Fitch. Die Aus­fall­risiken wer­den also als extrem niedrig eingeschätzt. Zudem bieten EIB und Welt­bank ihre Papiere auch in kleinen Stück­elun­gen an. So kön­nen Pri­vatan­leger Anlei­hen ver­schieden­er Währun­gen ins Depot nehmen. Bre­ite Streu­ung ist wegen der Währungsrisiken beson­ders wichtig.

Aktuell wer­fen Welt­bank-Anlei­hen auf Aus­tralis­che Dol­lar mit vier Jahren Rest­laufzeit knapp 3% Ren­dite p.a. ab. Mit Mexikanis­chen Peso sind bei ähn­lichem Zei­tho­r­i­zont sog­ar jährliche Ren­diten von bis zu 5,4% möglich.

Hohe Risiken gehen Anleger mit Anlei­hen ein, die auf Südafrikanis­che Rand, Rus­sis­che Rubel oder Brasil­ian­is­che Real laut­en. Hier sind die Jahres­ren­diten mitunter sog­ar zweis­tel­lig. Die Kehr­seite der Medaille: Zins und Tilgung gibt es in Lan­deswährung, und da sind erhe­bliche Schwankun­gen möglich. Die attrak­tiv­en Zins­gewinne kön­nen dann schnell durch Währungsver­luste aufge­fressen oder sog­ar überkom­pen­siert wer­den. Für Anleger mit mod­er­at­en Anlagezie­len von 3% kom­men solche Anlei­hen jedoch allen­falls als kle­in­ste Beimis­chun­gen infrage.

Ausgewählte Papiere mit Renditechance von über 3 % p. a.

ArtBasiswert/WährungWKN
Dis­count-Zer­ti­fikatDAXTD4UUL
Aktien­an­lei­heDAXHLB8E7
Fix-Kup.Express-Zert.Euro STOXX 50PA8962
Fremd­währungsan­lei­heMexikanis­ch­er PesoA1AT0T
Zer­ti­fikate und Fremd­währungsan­lei­hen unter­liegen Kurss­chwankun­gen, damit sind Kursver­luste bis hin zum Totalver­lust des einge­set­zten Kap­i­tals möglich. Als Schuld­ver­schrei­bung beste­ht zudem ein Emit­ten­ten­risiko. Bei Zahlung­sun­fähigkeit des Emit­ten­ten kön­nen Ver­luste bis hin zum Totalver­lust ein­treten. Papiere, die in aus­ländis­ch­er Währung notieren, bergen darüber hin­aus Währungsrisiken. Die frühere Wer­ten­twick­lung ist kein ver­lässlich­er Indika­tor für die zukün­ftige Wer­ten­twick­lung. Die Beschrei­bung der Wert­pa­piere stellt keine Kauf- oder Verkauf­sempfehlung dar. Stand: 19.10.2016