Irrtum 1: Die Börse ist viel zu riskant

Mythen & Wahrheiten Wie riskant ist die Börse?

Irrtum 1: Die Börse ist viel zu riskant

Ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Ähnlich mag es Anlegern ergehen, die mit dem Internetboom zur Jahrtausendwende erste Erfahrungen mit Aktien gesammelt hatten. Der deutsche Leitindex DAX verlor binnen drei Jahren rund 75 % seines Wertes. Manch ein damals als „aussichtsreich” geltendes Investment am Neuen Markt, an dem viele junge Internetunter­nehmen gelistet waren, brachte sogar einen Totalverlust. Daraus zogen viele die Lehre: nie wieder Aktien.

Fakt ist: Investments in Aktien bergen immer Risiken. Aber den Risiken stehen Renditechancen gegenüber, wie das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstitutes belegt. Wer vor 20, 15, 10 oder 5 Jahren im DAX investierte, erzielte ordentliche Renditen – trotz zwischenzeitlicher Korrektur an den Börsen.

Ein langer Anlagehorizont, breite Streuung sowie eine fundierte Aktienanalyse reduzieren die Risiken, denn mit dem Aktienkauf werden Anleger zum Miteigentümer an einem Unternehmen. Investoren sollten deshalb das Geschäftsmodell, das Management und die Geschäftsentwicklung kennen. Wird das Unternehmen auch in Zukunft in der Lage sein, Gewinne zu erzielen?

Wer gierig wird, trägt hohe Risiken. Der Rat für Anleger: nicht spekulieren, sondern investieren.

846900 — DAX-Langzeitchart

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Irrtum 2: Der Anleger ist ­unberechenbar

Als der damalige US-Notenbankchef Ben Bernanke 2014 den Einstieg in den Ausstieg aus der ultra­lockeren Geldpolitik ankündigte, brachen die Börsen weltweit ein. Schwache Arbeitsmarktdaten wurden in den Folgemonaten mit Kursexplosionen gefeiert – schwächelt die Konjunktur, so das Kalkül, dürfte der Geldhahn geöffnet bleiben. Im Dezember dann entschied die US-Noten­bank, das Anleihenkaufprogramm ab Januar zurückzuführen. Und die Börsen? Sie brachen nicht ein, sondern zogen im Gegenteil deutlich nach oben. Das soll einer verstehen – Anleger sind unberechenbar, die Risiken für Aktionäre damit hoch.

Fakt ist: Anleger sind Herdentiere und lassen sich auch von Gefühlen lenken. Getrieben von Panik oder auch Gier laufen sie oft bestehenden Trends hinterher. Das kann kurzfristig zu starken Ausschlägen an der Börse führen. Seit Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise ist die Nervosität besonders hoch – Anleger müssen starke Schwankungen verkraften. Langfristig aber orientiert sich der Börsenwert an dem fairen Wert eines Unternehmens. Profis raten deshalb, die Unternehmensanalyse und die langfristigen Perspektiven in den Vordergrund zu stellen, anstatt sich von dem täglichen Auf und Ab verrückt machen zu lassen.

Irrtum 3: Aktien eignen sich nicht für die Altersvorsorge

Safety first – wer für das Alter spart, möchte am Ende des Arbeitslebens keine bösen Überraschungen erleben. Was, wenn die Kurse dann einbrechen, wenn ich das Geld benötige? Für die Altersvorsorge eigneten sich Aktien deshalb nicht, sind viele Deutsche überzeugt. Und setzen ausschließlich auf Versicherungen oder Zinspapiere.

Fakt ist: Mit Zinspapieren von Emittenten bester Bonität lässt sich im Zinstief kein Vermögen aufbauen – nach Abzug von Inflation und Steuern riskieren Anleger sogar reale Verluste. Investments in Aktien sind im aktuellen Umfeld nach Einschätzung von Experten unverzichtbar, um ein Finanzpolster für das Alter aufzubauen. Auch werden Kursrisiken bei Langzeit­investments reduziert – zwischenzeitliche Korrekturen können ausgeglichen werden. Und noch ein guter Rat: Nie alles auf eine Karte setzen! Wer Timing-Risiken scheut, kann in mehreren Tranchen oder gleich per Sparplan investieren. Gegen Ende der aktiven Berufszeit kann es sinnvoll sein, kontinuierlich in risikoärmere Assets umzuschichten. Bei Aktienfonds mit Ablaufmanagement übernehmen Profis das für die Anleger.