Mythen & Wahrheiten - Die Strategie entscheidet

Mythen & Wahrheiten
Die Strategie entscheidet

Irrtum 1: Die richtige Aktie zu finden, ist das A und O

Hätte, hätte, Fahrrad­kette: Der Spruch des früheren Kan­zlerkan­di­dat­en Peer Stein­brück im Bun­destagswahlkampf 2013 mag auch so manchen Anleger bisweilen trösten. Hätte ich damals nur diese oder jene Aktie gekauft, wäre ich heute Mil­lionär. Beispiele für solche Kursraketen gibt es zuhauf – und sie wer­den gern von der Presse als Beleg für die Leichtigkeit des Geld­ver­di­enens zitiert. Wehmütig blickt so manch­er Anleger dann der ver­ta­nen ­Chance hin­ter­her. Und die Überzeu­gung reift, dass es vor allem die eine richtige Aktie ist, an der der Anlageer­folg hängt.

Fakt ist: Es gibt sie, diese Über­flieger, die das Kap­i­tal der Anteil­seign­er ras­ant ver­mehren. Auf der anderen Seite ist im Rück­spiegel auch die Liste der­jeni­gen Unternehmen lang, die die Hoff­nun­gen der Inve­storen nicht erfüllen kon­nten. Unternehmens- und Kursen­twick­lung sind nicht vorherse­hbar, die Spreu ein­deutig vom Weizen zu tren­nen, fällt selb­st Profis schw­er, die ein umfan­gre­ich­es Analyse­instrumentarium nutzen. Je bess­er sich ein Investor ausken­nt, desto genauer kann er sein Depot fokussieren. Wer sich aber auf eine einzige Aktie beschränkt, geht sehr hohe Risiken ein.

Eine bre­ite Streu­ung – über Anlageklassen und Märk­te – reduziert die Risiken; mögliche Fehlein­schätzun­gen kön­nen aufge­fan­gen wer­den. Die Ver­gan­gen­heit hat zudem gezeigt, dass das Tim­ing für den Anlageer­folg wichtig ist (siehe Irrtum 2). In steigen­den Märk­ten ziehen viele Aktien nach oben, bei Kursstürzen brechen fast alle ein. Gute Ren­ditechan­cen haben diejeni­gen, die antizyk­lisch investieren und Kor­rek­turen für einen Ein­stieg nutzen.

846900 — DAX-Langzeitchart

Zum aktuellen Kurs

Irrtum 2: Aktien haben seit dem Boomjahr 2000 nichts gebracht

Aktien kaufen, liegen lassen und reich aufwachen? Die Empfehlung von Börsenalt­meis­ter André Kos­tolany hat manch einem Anleger seit der Jahrtausendwende Ver­luste beschert. Der Euro STOXX ist seit seinem dama­li­gen Hoch genau­so wie der MSCI World Index unter Wass­er. Sind die guten Zeit­en am Aktien­markt also vor­bei?

Fakt ist: Seit dem Boom­jahr sind die Börsen weltweit gle­ich mehrfach regel­recht einge­brochen – nach dem Platzen der Inter­net­blase 2000 bis 2003, nach Aus­bruch der Finanzkrise 2008 bis 2009, im Herb­st 2011, als die Zukun­ft Europas auf der Kippe stand — und nicht zulet­zt zu Jahres­be­ginn als Folge der Chi­na-Krise. Solche Ein­schläge sind auf kurze Sicht schw­er aufzu­holen. Je länger die Laufzeit, desto wahrschein­lich­er ist eine Erhol­ung – der DAX und auch der US-amerikanis­che Leitin­dex Dow Jones, in dem anders als im DAX Div­i­den­den nicht berück­sichtigt wer­den, haben alte Best­marken bere­its wieder über­schrit­ten.

Auf der anderen Seite kön­nen Anleger von den Schwankun­gen prof­i­tieren – den Ein­brüchen sind jew­eils Phasen stark­er Erhol­ung gefol­gt. Wichtig für alle Anleger: Jedes Invest­ment an der Börse sollte mit Stop-Loss-Lim­its abgesichert wer­den. Ver­luste lassen sich so begren­zen, soll­ten die Kurse ein­mal ein­brechen.

Irrtum 3: Börsen fallen in der Rezession und steigen im Konjunkturaufschwung

Mythen und Wahrheiten zur Börse: Führt Wissen zum Erfolg?

Brummt die Kon­junk­tur, geht es den Unternehmen gut – das bedeutet Rück­en­wind für die Börsen. Im Kon­junk­turtief dage­gen liegt der Fokus der Anleger auf den Risiken, sodass die Kurse süd­wärts ziehen.

Fakt ist: Gute Kon­junk­tur­dat­en offen­baren die Gesund­heit der Wirtschaft und kön­nen den Aktien­märk­ten kurzfristig Auftrieb geben. In der Regel aber wer­den an der Börse Erwartun­gen gehan­delt, die Börse läuft der Wirtschaft also voraus. Gibt ein Unternehmen etwa sehr gute Quar­tal­szahlen bekan­nt, heißt das nicht automa­tisch, dass der Kurs der Aktie steigt. Denn wichtiger als die Ver­gan­gen­heit ist für Inve­storen die Zukun­ft des Unternehmens. Nur dann, wenn weit­ere Gewinnsteigerun­gen in Aus­sicht gestellt wer­den, dürfte der Kurs nach oben ziehen.

Ver­dunkeln sich die Aus­sicht­en, fall­en die Kurse – und das geschieht in der Regel nicht in der Rezes­sion, son­dern in den let­zten Phasen eines Kon­junk­tu­rauf­schwunges. Umgekehrt gilt: Die Erhol­ung an den Börsen begin­nt bere­its in der Rezes­sion.