Drei Fragen an Michael Reuss von Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München, einer der renommiertesten Vermögensverwaltungen in Deutschland

Drei Fragen an Michael Reuss Der Brexit kommt — und nun?

Michael Reuss ist Geschäftsführender Gesellschafter der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München

 

1

Was bedeutet der Brexit für die Vermögensanlage?

Reuss: Zunächst mal heißt es, Ruhe zu bewahren. Der EuroStoxx — der ja keine britischen Aktienwerte enthält — und der DAX haben erwartungsgemäß zunächst stark nachgegeben. Für den europäischen Aktienmarkt bedeutet die Brexit-Entscheidung einen Rückschlag, den es erst einmal zu verdauen gilt. Im Hinblick auf die Risikobudgets institutioneller Investoren halten wir kurzfristig auch ein weiteres Absacken für möglich.
2

Wie geht es weiter?

Reuss: Genauere Einschätzung sind aktuell noch nicht möglich, weil noch nicht bekannt ist, welche Form der Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien nun folgt. Grundsätzlich wird nun die Angst eines Auseinanderbrechens Europas wieder in den Mittelpunkt rücken. Der Renditeabstände zwischen den Bundesanleihen und Staatsanleihen der Peripherieländer wird sich wieder erheblich ausweiten. Was bedeutet, dass die Kurse der Staatsanleihen von Ländern wie z.B. Italien fallen. Der Euro dürfte in der Tendenz gegen Währungen wie US-Dollar und Schweizer Franken schwach bleiben. Das Britische Pfund dürfte über einen längeren Zeitraum abwerten. Aufgrund der unklaren politischen Situation ist weiterhin mit hohen Volatilitäten zu rechnen. Allerdings sind die Unternehmen nicht alle gleichermaßen betroffen und deswegen bietet die gegenwärtige Situation auch viele Chancen!
3

Was sollten Anleger in jedem Fall jetzt tun?

Reuss: Langfristig orientierte Anleger sollten die aktuellen Verwerfungen dazu nutzen, Positionen in Qualitätsaktien auf- oder auszubauen, die keine zyklischen Geschäftsmodelle und einen stabilen Umsatz haben und idealerweise eine attraktive Dividende zahlen. Die gegenwärtige Situation stellt in dieser Hinsicht eine Chance dar — das Ausscheidungsrennen um qualitativ hochwertige Anlagen geht weiter! Anlagen im Britischen Pfund sollten währungsgesichert werden. Eine breitere Aufstellung inklusive Fremdwährungen und Gold ist für den längerfristigen Vermögenserhalt unerlässlich. Der Brexit zeigt, wie schnell sich langfristige Gegebenheiten ändern können.