Beziehungsinvestoren

Durchblick Geld oder Liebe?

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Marielle und Mike Schäfer

sind ver­hei­ra­tet und betrei­ben gemein­sam das Finanz­blog Beziehungs-Investoren.de. Im Haupt­job ist Mari­el­le (25) Per­so­nal­ent­wick­le­rin in einer Unter­neh­mens­be­ra­tung; Mike (30) arbei­tet als Psy­cho­lo­ge an einer Grund­schu­le.

Gemein­sa­mes Hob­by: Geld. Klingt erst ein­mal wenig roman­tisch. Doch für die Finanz­blog­ger Mari­el­le und Mike Schä­fer steht Klar­heit bei den Finan­zen der Roman­tik nicht im Wege. Im Gegen­teil: Die Ehe­part­ner inves­tie­ren Zeit in ihre Bezie­hung – und gemein­sam Geld an der Bör­se.

com­pass: Ihr nennt euch Bezie­hungs-Inves­to­ren. Inves­tiert ihr in eure Bezie­hung? Oder inves­tiert ihr als Paar Geld?
Mike: Bei­des – die Dop­pel­deu­tig­keit ist ja gewollt. Man muss Zeit in jede Bezie­hung inves­tie­ren. Und natür­lich soll­te man sich auch als Paar gemein­sam um die Finan­zen kümmern. Für uns jeden­falls ist das Inves­tie­ren unser gemein­sa­mes Hob­by.

com­pass: Wie kommt man mit Anfang bezie­hungs­wei­se Ende 20 zum Hob­by Geld­an­la­ge?
Mari­el­le: Ich habe mit 18 ein Depot über­schrie­ben bekom­men. Das war kurz nach der Finanz­kri­se, die Bör­sen stan­den nicht gut, und ich muss­te mich damit beschäf­ti­gen. Das war 2010. Damals habe ich auch Mike ken­nen­ge­lernt und ihm davon erzählt.
Mike: Ich fand das wirk­lich span­nend, und wir haben dann auch sehr schnell begon­nen, gemein­sam zu han­deln.

com­pass: Was bedeu­tet euch Geld?
Mari­el­le: Für mich bedeu­tet Geld Sicher­heit und Frei­heit, weil ich mit Geld das machen kann, was ich will. Ich möch­te von nie­man­dem abhän­gig sein, auch nicht von mei­nem Part­ner.
Mike: Sicher­hei­ten sind mir nicht so wich­tig. Aber Geld gibt mir Mög­lich­kei­ten und Frei­heit. Ich kann zum Bei­spiel in den Flit­ter­wo­chen nach Aus­tra­li­en oder Neu­see­land fah­ren und dort viel erle­ben und erfah­ren. Ohne Geld könn­te ich das nicht.

com­pass: Ihr teilt eure Erfah­run­gen in einem Blog. Was treibt euch an?
Mari­el­le: Man kann sehr viel von Erfah­run­gen ande­rer pro­fi­tie­ren. Durch das Blog ist auch unser Aus­tausch noch inten­si­ver gewor­den. Wir reden viel über die The­men, über die wir schrei­ben. Und wir ler­nen vie­le inter­es­san­te Men­schen ken­nen – bei Lesero­der Finanz­blog­ger­tref­fen.

Titelgeschichte Chancen 2018 | Marielle Schäfer

© Domi­nik Pietsch

Geld­an­la­ge ohne Stra­te­gie ist ris­kant.“

Mari­el­le Schä­fer

com­pass: Was sagen denn eure Freun­de zu eurem Hob­by?
Mari­el­le (lacht): Vie­le fin­den das komisch – für die ist Vor­sor­ge gar kein The­ma. Dabei ist gera­de nach dem Stu­di­um und vor Fami­li­en­grün­dung ein guter Zeit­punkt, um zu spa­ren …
Mike: Wir sind spar­sam, brau­chen nicht viel zum Leben. Im Schnitt haben wir eine Spar­quo­te von mehr als 50 %. Aber oft fehlt ande­ren auch das Ver­ständ­nis dafür, dass wir so viel Zeit dafür inves­tie­ren.

com­pass: Ihr arbei­tet bei­de Voll­zeit. Woher nehmt ihr die Zeit für das Blog? Seid ihr beruf­lich nicht aus­ge­las­tet?
Mike: Wir haben bei­de Jobs, die uns viel Spaß machen und auch stark for­dern. Aber nach Fei­er­abend Par­ty zu machen, ist nicht so mein Ding. Wir ver­brin­gen pro Woche 10 bis 20 Stun­den unse­rer Frei­zeit mit der Geld­an­la­ge und unse­rem Blog. Das ist kein Stress – es macht uns ein­fach Spaß, uns mit Finan­zen zu beschäf­ti­gen.

com­pass: Wo infor­miert ihr euch denn über Finanz­the­men?
Mari­el­le: Wir lesen viel – Finanz­bü­cher zum Bei­spiel und auch Finanz­blogs von Kol­le­gen. Und wir hören gemein­sam Pod­casts. Man fin­det sehr vie­le Infor­ma­tio­nen, wenn man neu­gie­rig ist und sich auf die Suche begibt.

Beziehungsinvestoren | Mike Schäfer

© Domi­nik Pietsch

Lie­be und Geld gehö­ren zusam­men.“

Mike Schä­fer

com­pass: Braucht man eine Stra­te­gie bei der Geld­an­la­ge?
Mari­el­le: Auf jeden Fall. Wer ohne Stra­te­gie han­delt, ist sehr anfäl­lig für Emo­tio­nen und ver­brennt auf Dau­er Geld. Die Erfah­rung jeden­falls haben wir zu Beginn unse­rer Inves­ti­ti­ons­kar­rie­re gemacht.
Mike: Wir sind dann über einen Pod­cast auf die Lever­mann-Stra­te­gie auf­merk­sam gewor­den und haben sie für uns ange­passt. Susan Lever­mann war frü­her Fonds­ma­na­ge­rin bei der DWS und hat ein Bewer­tungs­sys­tem für Akti­en ent­wi­ckelt, das sie in ihrem Buch „Der ent­spann­te Weg zum Reich­tum“ erklärt. Sie prüft je Aktie zehn Kri­te­ri­en und ver­gibt für jedes Kri­te­ri­um Punk­te. Bei ihr bedeu­tet eine bestimm­te Punkt­zahl ein Kauf­si­gnal. Wir nut­zen das Signal dage­gen, um tie­fer ein­zu­stei­gen und uns die Bilan­zen anzu­se­hen.

com­pass: Inves­tiert ihr vor allem in Ein­zel­wer­ten?
Mari­el­le: Wir unter­schei­den zwi­schen lang­fris­ti­ger Alters­vor­sor­ge und kurz- bis mit­tel­fris­ti­gem Gewinn. Für die Alters­vor­sor­ge bespart jeder von uns regel­mä­ßig ETFs. Ich habe aktu­ell sechs Spar­plä­ne lau­fen, Mike drei. In Akti­en inves­tie­ren wir dage­gen gemein­sam. Wir scan­nen 600 Akti­en nach der beschrie­be­nen Stra­te­gie. Bei einem Kauf­si­gnal rei­che ich an Mike wei­ter, er hat mehr Spaß dar­an, die Bilan­zen unter die Lupe zu neh­men.

com­pass: Gibt es eigent­lich Unter­schie­de zwi­schen Män­nern und Frau­en bei der Geld­an­la­ge?
Mike: 60 bis 65 % unse­rer Leser sind Män­ner, und die stel­len in ihren Kom­men­ta­ren eher kon­kre­te Finanz­fra­gen bezie­hungs­wei­se Fra­gen zur tech­ni­schen Umset­zung.
Mari­el­le: Frau­en inter­es­sie­ren sich beson­ders für die Kon­to­struk­tur. Wir raten ihnen dazu, in einer Bezie­hung jeweils ein eige­nes und ein gemein­sa­mes Kon­to zu füh­ren. Und sie möch­ten natür­lich wis­sen, wie sie Kin­der und Kar­rie­re ver­ein­ba­ren kön­nen …

com­pass: Habt ihr da eine Lösung anzu­bie­ten?
Mari­el­le: Seit­dem wir ver­hei­ra­tet sind, fra­gen alle, wann wir Kin­der bekom­men. Und­klar wünschen wir uns Kin­der. Ich könn­te als Per­so­nal­ent­wick­le­rin auch im Home­of­fice arbei­ten. Aber ehr­lich gesagt habe ich Angst, dass ich mei­ne Kar­rie­re­chan­cen ver­spie­le, wenn ich jetzt eine Aus­zeit neh­me. Mike dage­gen will auf jeden Fall auch zu Hau­se blei­ben und sich um unser Kind kümmern, aber aktu­ell hat er im Job Anwe­sen­heits­pflicht. Die Vor­aus­set­zun­gen sind also noch nicht ide­al.

com­pass: Als Bezie­hungs-Inves­to­ren macht ihr euch dafür stark, dass Paa­re über das The­ma Geld spre­chen. War­um?
Mike: Lie­be und Geld gehö­ren für uns zusam­men. Wer hei­ra­tet, stimmt gesetz­li­chen Rege­lun­gen zu und geht auch Haf­tungs­ri­si­ken ein. Man soll­te also im Vor­feld klä­ren, wer was will, und ent­spre­chen­de Lösun­gen ent­wi­ckeln.
Mari­el­le: Das wird beson­ders rele­vant, wenn Kin­der kom­men. Wenn ein Part­ner – meis­tens die Frau – dann zu Hau­se bleibt oder nur Teil­zeit arbei­tet, ver­zich­tet er/sie even­tu­ell auf Kar­rie­re und damit auf Ein­kom­men und Ren­te. Dafür muss es einen Aus­gleich geben. Even­tu­ell kann der arbei­ten­de Part­ner wei­ter in die Alters­vor­sor­ge des­je­ni­gen ein­zah­len, der die Kin­der betreut. Das soll­te man aber in guten Zei­ten bespre­chen und regeln. Schei­tert die Ehe wider Erwar­ten, ist es für eine fai­re Lösung meis­tens zu spät.

Die Finanzblogger Marielle und Mike Schäfer im Gespräch mit compass Redakteurin Birgit Wetjen.
© Domi­nik Pietsch

Bezie­hungs-Invest­ments
Die Finanz­blog­ger Mari­el­le und Mike Schä­fer im Gespräch mit com­pass Redak­teu­rin Bir­git Wet­jen.