cominvest: Risikooptimierung

cominvest "Bei Wertpapieren sollte es immer um Risikooptimierung gehen"

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cominvest: Herr Jarchow

Frederik Jarchow

Anla­ge­ex­per­te bei com­di­rect

Ein Invest­ment in Wert­pa­pie­re ist mehr als nur eine simp­le Trans­ak­ti­on. Wer lang­fris­tig inves­tie­ren möch­te, soll­te sein Ver­mö­gen diver­si­fi­zie­ren. Wie genau das funk­tio­niert und wel­che Vor­tei­le ein Robo-Advi­sor bie­tet, erklärt Fre­de­rik Jar­chow, Anla­ge­ex­per­te bei com­di­rect.

com­di­rect: Herr Jar­chow, Sie sind bei com­di­rect für die Wei­ter­ent­wick­lung des Invest­ment­pro­zes­ses zustän­dig. Kön­nen Sie mir sagen, was dyna­mi­sches Port­fo­lio­ma­nage­ment aus­macht? Wor­auf kommt es dabei an?

Fre­de­rik Jar­chow: Gute Fra­ge − ich fang mal am Anfang an: Anle­ger stel­len zu einem bestimm­ten Zeit­punkt ein Port­fo­lio zusam­men, das für die­sen Zeit­punkt auch opti­mal ist. Doch gera­de bei einem lang­fris­ti­gen Anla­ge­ho­ri­zont ver­än­dern sich die Umstän­de. Exter­ne Fak­to­ren wir­ken auf das Port­fo­lio ein. Das bedeu­tet ver­kürzt: Was ein­mal opti­mal war, ist es irgend­wann nicht mehr. Das Port­fo­lio droht in die fal­sche Rich­tung zu lau­fen, wenn sich etwas Grund­le­gen­des am Markt ver­än­dert. Auf die­se Ver­än­de­run­gen reagiert das dyna­mi­sche Port­fo­lio­ma­nage­ment. Durch regel­mä­ßi­ge Über­prü­fun­gen und dann gege­be­nen­falls dar­auf basie­ren­de Anpas­sun­gen wird der best­mög­li­che Zustand eines Port­fo­li­os immer wie­der aufs Neue her­ge­stellt. Das Port­fo­lio wird qua­si dyna­mi­siert.

com­di­rect: Heißt das, Sie pas­sen stän­dig die Port­fo­li­os an?

Fre­de­rik Jar­chow: Nein. Grund­le­gen­de Anpas­sun­gen an der Allo­ka­ti­on der Port­fo­li­os wer­den alle 16 Wochen vor­ge­nom­men.

com­di­rect: Und was ist dar­an jetzt dyna­misch?

Fre­de­rik Jar­chow: Hier kommt die zwei­te Kom­po­nen­te des dyna­mi­schen Port­fo­lio­ma­nage­ments ins Spiel − das Risi­ko­ma­nage­ment. Denn bei Wert­pa­pie­ren soll­te es immer um Risi­ko­op­ti­mie­rung gehen. Im Gegen­satz zur Ren­di­te kann das Risi­ko bes­ser berech­net und gema­nagt wer­den. Etwa, wenn es tat­säch­lich zu Markt­schwan­kun­gen kommt, die über eine gewis­se Nor­ma­li­tät hin­aus­ge­hen. Das bedeu­tet: Wenn die defi­nier­ten Risi­ko­gren­zen geris­sen wer­den, dann schich­ten wir bei comin­vest um, bis das Risi­ko des Port­fo­li­os wie­der im gewünsch­ten Rah­men liegt. Die Über­prü­fung der Risi­ko­gren­zen erfolgt bör­sen­täg­lich. Mit­tel- und lang­fris­tig ist dann ent­schei­dend, dass das Port­fo­lio von sich aus − auf­grund der gut gestreu­ten Assets − das Risi­ko redu­ziert.

com­di­rect: Wie streue ich denn als Anle­ger mei­ne Invest­ments am bes­ten?

Fre­de­rik Jar­chow: Sie mei­nen, wie errei­che ich eine mög­lichst brei­te Diver­si­fi­ka­ti­on?

com­di­rect: Ja.

Herr Jar­chow: Ihr Port­fo­lio soll­te mög­lichst aus gegen­läu­fi­gen Wer­ten bestehen – also sol­chen mit nega­ti­ver Kor­re­la­ti­on. Dafür rei­chen unter Umstän­den bereits 2 Wer­te.

com­di­rect: Haben Sie dafür ein Bei­spiel?

Fre­de­rik Jar­chow: Stel­len Sie sich vor, in Ihrem Port­fo­lio sind Wer­te von zwei Unter­neh­men: einem Unter­neh­men, das Regen­schir­me her­stellt, und einem, das Son­nen­creme pro­du­ziert. Das ers­te Unter­neh­men steigt immer dann im Wert, wenn es reg­net, da dann die Men­schen Regen­schir­me brau­chen. Und das zwei­te boomt, wenn die Son­ne scheint. Wenn das eine Unter­neh­men gewinnt, dann schwä­chelt das ande­re, und umge­kehrt. Das nennt man eine nega­ti­ve Kor­re­la­ti­on.

Für Ihr Port­fo­lio bedeu­tet das, Sie mini­mie­ren das Risi­ko, da nicht bei­de Wer­te gleich­zei­tig fal­len wer­den. Sie redu­zie­ren also den Anteil des unter­neh­mens­spe­zi­fi­schen oder indi­vi­du­el­len Risi­kos am Gesamt­ri­si­ko. Ähn­lich wie in die­sem kon­stru­ier­ten Bei­spiel funk­tio­niert Diver­si­fi­ka­ti­on vom Prin­zip her auch aus­ge­rollt auf den Gesamt­markt. Je mehr Bran­chen oder Regio­nen in Ihrem Port­fo­lio abge­bil­det wer­den, des­to gerin­ger ist Ihr indi­vi­du­el­les Risi­ko. Unter der Prä­mis­se, das Risi­ko gering zu hal­ten, also gut diver­si­fi­ziert zu sein, wird dann durch eine klu­ge und vor­aus­schau­en­de Asset-Selek­ti­on und -Allo­ka­ti­on die Ren­di­te opti­miert.

com­di­rect: Und wie set­zen Sie das bei comin­vest um?

Fre­de­rik Jar­chow: Grund­sätz­lich ver­tei­len wir das Risi­ko über die Anla­ge­klas­sen-Seg­men­te wie Geld­markt, Anlei­hen, Equi­ty und alter­na­ti­ves Invest­ment. Dar­über hin­aus ver­fol­gen wir einen regio­na­len Ansatz. Dabei haben wir die Welt in unter­schied­li­che Berei­che ein­ge­teilt – Deutsch­land, Euro­pa, Asi­en, USA, Emer­ging Mar­kets und Glo­bal – und diver­si­fi­zie­ren dar­über das Port­fo­lio. Durch unse­re ETF- und Fonds­aus­wahl streu­en wir zudem indi­rekt über Bran­chen. Unser Algo­rith­mus berech­net bör­sen­täg­lich die Kor­re­la­tio­nen und die Wert­ent­wick­lun­gen – oder anders gesagt: die Vola­ti­li­tät – und hat damit stän­dig einen Über­blick über die aktu­el­le Lage des Port­fo­li­os.

com­di­rect: Vie­len Dank für das Gespräch, Herr Jar­chow.

Wert­pa­pie­re unter­lie­gen Kurs­schwan­kun­gen; damit sind Kurs­ver­lus­te mög­lich. Die frü­he­re Wert­ent­wick­lung ist kein ver­läss­li­cher Indi­ka­tor für die zukünf­ti­ge Wert­ent­wick­lung. Bei Wert­pa­pie­ren in aus­län­di­scher Wäh­rung kann es zu Wert­ver­lus­ten durch Wech­sel­kurs­ver­än­de­run­gen kom­men. Die­ser Text dient aus­schließ­lich Infor­ma­ti­ons­zwe­cken und stellt kein Ange­bot, kei­ne Auf­for­de­rung und kei­ne Anla­ge­emp­feh­lung dar. Sie soll ledig­lich Ihre selbst­stän­di­ge Anla­ge­ent­schei­dung erleich­tern und ersetzt kei­ne anle­ger- und anla­ge­ge­rech­te Bera­tung.