Geschäftsmann mit Gesichtserkennung per Smartphone

Algorithmen in der Versicherungsbranche Versicherung abschließen per Selfie, Schaden regulieren per Handyfoto

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine pri­vate Kranken­ver­sicherung abschließen. Der Ver­sicherungs­mak­ler ver­spricht: „Alles kein Prob­lem“, aber natür­lich ste­ht vor dem Ver­tragsab­schluss der oblig­a­torische Gesund­heitscheck. Ein dutzend Fra­gen oder mehr gilt es detail­liert und wahrheits­ge­treu zu beant­worten, allein das ist schon nicht vergnü­gungss­teuerpflichtig. Dazu kommt: Wenn Sie in Ihrem Leben schon schlim­mere Krankheit­en als Schnupfen hat­ten, müssen Sie als Ver­sichert­er zusät­zlich vor­ab Ihre Ärzte kon­tak­tieren, um genaue Infor­ma­tio­nen zu Ihrer Krankheit­shis­to­rie einzu­holen. Kurzum: Das Pro­jekt Ver­tragsab­schluss nimmt lock­er einen hal­ben Arbeit­stag in Anspruch, bis Sie alle notwendi­gen Unter­la­gen zusam­men haben. Und das alles, obwohl Sie doch eigentlich dem Ver­sicher­er Neugeschäft brin­gen wollen.

Gesundheitscheck per Selfie

Diese lästi­gen For­malien kön­nten kün­ftig ent­fall­en. Das ver­spricht zumin­d­est Lape­tus Solu­tions. Das US-Start-up hat eine, auf kün­stlich­er Intel­li­genz (KI) basierende Soft­ware entwick­elt, bei denen Kun­den ein­fach nur ein gutes Self­ie ein­re­ichen müssen. Die Soft­ware scan­nt das Self­ie, teilt das Bild in tausende ver­schiedene Regio­nen ein und analysiert per Algo­rith­mus den Gesund­heit­szu­s­tand des poten­ziellen Kun­den. Dabei kann das Pro­gramm mit dem sin­ni­gen Namen Chronos, dem griechis­chen Gott der Zeit, auch Rückschlüsse auf Alter, Kör­pergewicht und Lebenswan­del ziehen. Es kann sog­ar erken­nen, ob der Abge­bildete Rauch­er oder Nich­trauch­er ist.

Versicherungsbranche als Vorreiter in Sachen künstlicher Intelligenz

Das Beispiel zeigt: Die Ver­sicherun­gen set­zen schon heute auf kün­stliche Intel­li­genz und sind bere­it, dafür ordentlich Geld auszugeben, denn sie sparen mit­tels KI Zeit und Geld. 124 Mil­liar­den Dol­lar investiert die Branche gemäß der Studie „Get­ting smarter by the sec­tor: How 13 glob­al indus­tries use arti­fi­cial intel­li­gence“ des Beratung­sun­ternehmens Tata Con­sul­tan­cy Ser­vices in KI, und damit fast dop­pelt so viel wie die zwölf anderen unter­sucht­en Branchen, die durch­schnit­tlich jew­eils 70 Mil­liar­den Dol­lar in KI investieren. Auf den ersten Blick klingt das nach viel Geld, doch auf den zweit­en wer­den sich diese Investi­tio­nen schnell amor­tisieren. Denn Ver­sicher­er kön­nen damit nicht nur für den Kun­den lästige Proze­duren bei der Ver­tragsan­bah­nung abkürzen, son­dern KI auch bei der Schadens­bear­beitung ein­set­zen und mit­tels Algo­rith­men Ver­sicherungs­be­trüger erken­nen.

Schadensregulierung per Algorithmus

Ein Unfallgutacht­en, durchge­führt von einem Experten, kostet schnell 1000 Euro und mehr. Das britis­che Start-up Tractable hat das Poten­zial für die Ver­sicher­er ent­deckt und eine selb­stler­nende Soft­ware entwick­elt, die mit­tels Fotos den Unfallschaden aufn­immt und die Kosten für die Reparatur schätzt – das alles inner­halb von 30 Sekun­den. Dazu habe man laut Adrien Cohen, Verkauf­schef bei Tractable, „die kün­stliche Intel­li­genz mit Mil­lio­nen von Auf­nah­men beschädigter Autos trainiert.“ Ein­fache Schnapp­schüsse per Mobil­tele­fon reichen dafür aus. Auch der Ver­sicherungskonz­ern Allianz nutzt in Öster­re­ich bere­its eine „Allianz Schaden Express App“, bei der Ver­sicherte Fahrzeugschä­den mit­tels Handy­fo­tos in einem com­put­era­n­imierten 3D-Mod­ell doku­men­tieren kön­nen. „In diesem Fall erhält der Kunde inner­halb ein­er Stunde Rück­mel­dung zu den näch­sten Schrit­ten in der Schaden­bear­beitung, zum Beispiel eine Reparaturfreiga­be“, sagt Emma Gar­ri­ga, Abteilungslei­t­erin für „Advanced Busi­ness Ana­lyt­ics“ in der Allianz-Konz­ernzen­trale.

Betrugserkennung per künstlicher Intelligenz

Algo­rith­men tra­gen nicht nur dazu bei, dass Ver­sicher­er Geld bei der Schadens­ab­wick­lung eins­paren. Sie sind auch ein entschei­den­des Werkzeug, um Ver­sicherungs­be­trug zu ver­hin­dern. Laut Gesamtver­band der deutschen Ver­sicherungswirtschaft (GDV) ist jede zehnte Schadens­meldung frag­würdig. Der Ver­band schätzt daher, dass von den 50,8 Mil­liar­den Euro, die deutsche Ver­sicher­er 2017 aus­bezahlt haben, rund vier bis fünf Mil­liar­den unrecht­mäßig sind. Geld, welch­es die ehrlichen Ver­sicherungskun­den durch höhere Prämien mit­tra­gen müssen. Daher hat das franzö­sis­che Start-up Shift Tech­nol­o­gy für Ver­sicher­er eine auf Algo­rith­men basierende Soft­ware entwick­elt, die Schadens­meldun­gen auf Plau­si­bil­ität prüft. Dabei kann die Soft­ware ver­rä­ter­ische Muster erken­nen.

Algo­rith­men schaf­fen neu­tral und schnell Erken­nt­nisse, in dem sie vorhan­dene Dat­en auf sys­tem­a­tis­che Art und Weise bew­erten und vor allem effizient nutzen. Genau das macht übri­gens auch com­in­vest, die dig­i­tale Ver­mö­gensver­wal­tung von comdi­rect. Auch hier prof­i­tieren die Kun­den von mehr Effizienz.