Was ist Risiko? 

Gefahren begegnen uns jeden Tag. In welchen Lebenslagen gehen wir, bewusst oder unbewusst, Risiken ein, und warum fürchten wir uns ganz besonders vor Risiken bei der Geldanlage? 

Wir fahren regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit, obwohl wir wissen, dass jedes Jahr mehrere Tausend Menschen auf deutschen Straßen tödlich verunglücken. Wir rauchen, obwohl Nikotin nachweislich der Gesundheit schadet und wir riskieren schmerzhafte Magenkrämpfe, weil wir es mit der Hygiene beim Grillen nicht so genau nehmen. Gleichzeitig fürchten wir uns vor nichts anderem mehr, als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Dabei starben hierzulande in den vergangenen 30 Jahre durchschnittlich 0,2 Personen pro Jahr. Und ganz besonders ängstigen uns finanzielle Verluste.

Woher kommt die Furcht vor dem Kapitalmarkt? In der Behavioral Finance – einer wissenschaftlichen Disziplin, die Erkenntnisse aus Psychologie und Wirtschaft miteinander vereint – konnte man typische Verhaltensweisen identifizieren, die uns allzu oft in die Irre führen.

 

Was der Bauer nicht kennt … 

Sparbuch und Tagesgeld sind nach wie vor die bevorzugten Sparvehikel, während nicht einmal sieben Prozent der Deutschen Aktien besitzen. Warum ziehen wir also ein Anlageprodukt, mit dem wir derzeit nichts verdienen – nach Abzug der Inflation sogar Geld verlieren – einem Wertpapierinvestment vor, das in den vergangenen 30 Jahren im Schnitt 8,9 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet hat?* Erklären lässt sich das mit einer Wahrnehmungsverzerrung, die in der Theorie als Home Bias bekannt ist und den Hang zum Gewohnten beschreibt. Was der Mensch kennt, hält er automatisch für weniger gefährlich. Selbst dann, wenn die Fakten eine ganz andere Sprache sprechen. Wagen wir uns doch an die Börse, greifen wir zu Bekanntem, weil wir intuitiv ein Goldinvestment für weniger riskant halten als einen global aufgestellten Aktienfonds.

Je unbekannter ein Anlageprodukt ist, desto riskanter wird es eingeschätzt. Dieses Verhalten führt dazu, dass Risiken mancher Investments systematisch unterschätzt werden. Gleichzeitig bleiben Diversifikationsmöglichkeiten ungenutzt.

 

Eine Frage des Standpunkts 

Der Mensch meidet gerne Risiken, allerdings ist er nicht immer gleichermaßen risikoscheu. Vielmehr kommt es auf den Standpunkt an. Vielleicht kennst Du das von Dir selbst: Du bist auf dem Weg zu einem wichtigen Termin, aber die Autobahn ist dicht. Wo es geht, fährst Du schneller als erlaubt, überholst vielleicht verbotenerweise auf der rechten Seite. Du gehst bewusst ein hohes Risiko ein, geblitzt zu werden oder einen Unfall zu provozieren, nur um den Verlust, nämlich Deinen Termin zu versäumen, zu vermeiden. Wovor sich der Mensch also wirklich fürchtet, ist nicht das Risiko, sondern der Verlust. Und je höher der drohende Verlust ist, desto risikofreudiger verhält sich der Mensch. Gleiches ist an der Börse zu beobachten: Je stärker der Aktienkurs fällt, desto risikofreudiger agieren Anleger. Sie kaufen nach oder investieren in noch riskantere Anlagen, um den Verlust wieder auszugleichen.

 

Verluste wiegen schwerer 

Anleger gehen unterschiedlich mit Gewinnen und Verlusten um. Zum einen wiegen Verluste schwerer. So schmerzt ein Kursrückschlag von 100 Euro etwa doppelt so sehr, wie wir uns über einen Gewinn in selber Höhe freuen würden. Zum anderen bewerten Anleger eine Kursentwicklung immer relativ, also abhängig von Bezugspunkten – und sie gewöhnen sich sehr schnell an die veränderte Situation.

Klettert etwa der Aktienkurs von 80 auf 100, freuen sich Anleger zunächst über die 20 Euro Gewinn, gewöhnen sich aber schnell an den neuen Kurs von 100 Euro. Ein Rücksetzer von 100 auf 90 wird dann nicht als verbliebener Gewinn von 10 Euro im Bezug zum Einstandspreis angesehen, sondern als Verlust im Vergleich zu den schon einmal erreichten 100 Euro.

 

Ausstieg verpasst 

Je nachdem, ob Anleger einen Gewinn oder einen Verlust wahrnehmen, ändert sich auch das Entscheidungsverhalten. Gewinne werden oft viel zu schnell realisiert und Verluste laufen gelassen. Orientiert sich der Anleger also am Einstandspreis 80, so wird er die 90 als Gewinn wahrnehmen und dazu neigen, denn Gewinn zu realisieren, in dem er seine Aktien wieder verkauft. Orientiert sich der Anleger aber am Bezugspunkt 100, den er schon mal erreicht hat, dann empfindet er die Entwicklung eher als Verlust, den er lieber aussitzt und nichts unternimmt.

 

Was kümmert mich die Zukunft? 

Wie Risiko wahrgenommen wird hängt auch davon ab, wie greifbar die negativen Auswirkungen sind. Dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, wurde mehrfach nachgewiesen und ist jedem bekannt. Trotzdem greifen fast 15 Millionen Menschen täglich zur Zigarette. Warum? Weil die Konsequenz viel zu weit in der Zukunft liegt und daher unwahrscheinlicher erscheint als sie tatsächlich ist. Aus demselben Grund schieben immer noch zu viele Menschen die Altersvorsorge auf die lange Bank. Umfragen zufolge spart jeder fünfte Bundesbürger überhaupt nicht für seinen Ruhestand.

Klar ist, dass es Rendite am Kapitalmarkt nie ohne Risiko gibt. Fürchten muss sich davor aber niemand. Viel wichtiger ist es, den abstrakten Begriff zu verstehen. Wer sein persönliches Risikoprofil kennt, danach handelt und wichtige Anlagetipps beherzigt wie eine breite Diversifikation oder einen langfristigen Anlagehorizont, kann einen guten Teil der finanziellen Risiken verringern.

 

*Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

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