Netzwerke nutzen 

Networking genießt mitunter einen schlechten Ruf. Dabei ist es alles andere als verwerflich, seiner Karriere durch gegenseitiges Geben und Nehmen auf die Sprünge zu helfen, erklärt Jana Koch in diesem Beitrag. 

Bei der beruflichen Karriere kommt es nicht immer darauf an, was man kann, sondern wen man kennt. Zugegeben, die Aussage ist etwas überspitzt formuliert, aber die Zahlen sprechen für sich. Zwei Drittel der Stellen wurden 2016 laut einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung über persönliche Kontakte besetzt. In kleinen Betrieben noch häufiger als in großen. Beziehungen sind zwar nicht mehr wert als Leistung, aber Leistung alleine reicht eben auch nicht mehr aus.

Und dennoch ist die Unterstützung von "Vitamin B" bisweilen als unmoralisch verpönt. Wer seine Beziehungen spielen lässt, fühle sich sogar regelrecht schmutzig, ergab eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität von Toronto. Alles eine Sache der Einstellung. Schuldig oder gar befleckt fühle sich nämlich nur, wer sich beim Networking zu stark auf den persönlichen Gewinn fokussiere. Natürlich sollte man sich über die eigenen Ziele klar sein, bevor man sich einem Netzwerk anschließt, wichtig ist aber auch die Überlegung, welchen Beitrag man selbst mit einbringen kann. Was will ich erreichen, und was kann ich im Gegenzug anbieten?

Networking bedeutet Arbeit. Denn jede Beziehung will gepflegt werden, das gilt für familiäre und freundschaftliche Beziehungen genauso wie für berufliche. Im Durchschnitt dauert es zwei Jahre, um eine echte zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen, die auf gegenseitigem Vertrauen fußt. Und dann braucht am Ende niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, weil er einen Job oder einen Auftrag bekommen hat, "nur" weil er die richtigen Leute kennt. Denn dieser Erfolg ist lediglich das Ergebnis seiner Arbeit. In diesem Fall eben seiner Beziehungsarbeit.


Frauen sind die geborenen Networker

Gerade wir Frauen sind im Grunde die geborenen Netzwerker. Wir sind darauf konfiguriert, Beziehungen zu scannen und sie in Gänze zu verstehen. Wir sind aufmerksam und interessieren uns für unser Gegenüber. Dadurch gelingt es uns sehr schnell, uns ein Bild von Menschen zu machen. Männer netzwerken anders. Sie haben ein reales Problem und suchen nach einer konkreten Lösung. Ein Mann sieht beispielsweise einen Fotografen. Er fragt sich, ob er denn jetzt im Moment einen Fotografen brauchen könnte. Nein? Gut, dann wird er sich auch nicht weiter für diese Person interessieren. Für den Beziehungsaufbau ist es aber essenziell wichtig, dass man sich austauscht. Eine Frau scannt die Details: Ist die Person verheiratet? Wie alt ist sie? Wie benimmt sie sich mir gegenüber? Wie benimmt sie sich den anderen gegenüber? Auch, wenn sie aktuell keinen Fotografen benötigt, wird eine Frau sich wahrscheinlich trotzdem mit ihm unterhalten, eventuell Visitenkarten austauschen und sich später an die Begegnung erinnern. Umfragen unter Netzwerkern haben bestätigt, dass Karrieren und Geschäfte auf dem Boden gegenseitigen Vertrauens wachsen. Etwa 90 Prozent machen lieber Geschäfte mit Personen, die sie gut kennen.


Ein Klick zum Karriereklub?

Business Clubs waren früher meist nur Herren vorbehalten. Man traf sich in exklusiver Runde auf ein Glas Cognac und verhandelte Geschäfte auf dem Golfplatz. Dieses unnahbare, elitäre Image ist überholt. Gleichgesinnte hatten es nie so leicht wie heute, sich in Netzwerken zusammenzufinden. Google liefert sagenhafte 97 Millionen Treffer bei der Suche nach einem passenden Karriereklub. Hinzu kommen auch immer mehr Gemeinschaften, die sich speziell an den Bedürfnissen von Frauen orientieren, beispielsweise das Netzwerk Global Digital Women. Gründerin Tijen Onaran bringt die weiblichen Köpfe der weltweiten Digitalbranche zusammen, stärkt deren Sichtbarkeit und fördert den Austausch. Gemeinsam mit Tijen veranstalten wir auch die finanz-heldinnen Afterworks, bei denen wir Themen rund um die Finanzen diskutieren.

Nicht alle Netzwerke liefern einen echten Mehrwert. Damit solch ein Zusammenschluss funktioniert, braucht es einen gemeinsamen Wertekodex, an den sich alle Mitglieder halten. Man kennt sich, und man unterwirft sich gemeinsamen Regeln - so funktionieren Gemeinschaften. Aus demselben Grund sind Social-Media-Plattformen wie Xing und Linkedin zwar praktisch, um Kontaktdaten zu speichern, aber sie sind kein Netzwerk. Vielmehr ein digitales Adressbuch.

Rausgehen, Menschen kennenlernen, sich gegenseitig inspirieren und unterstützen - es ist nichts dabei, seine Beziehungen spielen zu lassen, um im Beruf voranzukommen.

Jana Koch ist Senior Business Development & Innovation Manager bei der comdirect bank AG, eine der führenden Online Banken für moderne Anleger in Deutschland. Als Head der comdirect Start-Up Garage verantwortet sie zudem das Screening und die Zusammenarbeit mit FinTech-Unternehmen. Zuvor leitete sie die Entwicklung von Produkten für einen einfachen und leichten Einstieg in die Wertpapieranlage. Jana Koch absolvierte ihr International Business Studium mit den Schwerpunkten Strategie und Innovation an der Maastricht University mit Stationen in Spanien und Neuseeland. Mit ihrem Engagement bei finanz-heldinnen möchte sie Frauen ermutigen, ihre Finanzen selber in die Hand zu nehmen.

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