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Nachhaltiges Investieren – gar nicht so einfach 

Das Interesse an nachhaltiger Geldanlage steigt stetig, und mit ihm das Angebot. Trotzdem ist das Thema für uns Anlegerinnen nicht ganz so einfach zu greifen. Was ist überhaupt Nachhaltigkeit? Ein Einstieg in das Thema. 

In unserem Alltag ist die Nachhaltigkeit längst angekommen. Wir trennen den Müll, kaufen regionale Lebensmittel, sparen Strom und Plastikabfall. Bei unserer Geldanlage spielt das Thema bisher noch keine so große Rolle. Doch das Interesse steigt. Vor allem die Millennials, also die ab 1981 Geborenen, sind offen für nachhaltige Investments – und Frauen mehr als Männer. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Studie im Auftrag der Fondsgesellschaft Deka. Trotzdem besitzen nur sechs Prozent der Anleger nachhaltige Geldanlagen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass das Thema für uns als Anlegerinnen schwer zu greifen ist. Es mangelt sogar an einer allgemein gültigen Definition. Es gibt zwar mehrere Gütesiegel – unter anderem vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) – die uns die Orientierung erleichtern. Aber Standards gibt es nicht. Die EU-Kommission will das allerdings ändern und arbeitet an verbindlichen Kriterien für nachhaltige Investments. Doch bis diese EU-weit umgesetzt sind, wird es noch etwas dauern. Bis dahin hilft nur eins: Recherchieren, Fondsprospekte lesen und die Seiten von speziellen Ratingagenturen wie beispielsweise Oekom durchstöbern.

Die Finanzbranche kennzeichnet ihre entsprechenden Produkte übrigens meistens mit der Abkürzung ESG. Die drei Buchstaben stehen für „Environment, Social, Governance“. Es geht schließlich um die Schonung natürlicher Ressourcen und die Begrenzung des Klimawandels – Stichwort „Environment“. Aber eben auch um Humankapital, Gesellschaft, nachhaltige Produkte, Menschenrechte, also soziale („Social“) Aspekte. Hinzu kommen Wirtschaftsethik, also Unternehmensführung, Transparenz, Vergütungsregeln – die „Governance“. So weit, so gut.

Aber: Je nach Anlagestrategie werden diese Kriterien unterschiedlich gewichtet. Je nach Fonds oder ETF liegt der Schwerpunkt mal eher auf dem Umweltschutz, dann wieder stärker auf sozialen Kriterien oder eben der Unternehmensführung. Das macht es für Anleger schwierig einzelne Produkte zu vergleichen und das für sie richtige zu finden. Nachhaltigkeit ist für viele Fondsgesellschaften übrigens bereits eine Selbstverständlichkeit. Sie integrieren allgemeine ESG-Kriterien in ihren Portfolios, schließen also beispielsweise Unternehmen mit Kinderarbeit oder Produzenten kontroverser Waffen wie Streubomben generell aus.

Darüber hinaus bieten die Fondsgesellschaften aber eben auch spezielle Produkte an. Hier sind die ESG-Filter sehr viel komplizierter. Oft wird vor allem über Ausschlusskriterien gesprochen. Doch ganz so einfach ist das gar nicht. Beispiel Waffenproduktion: Natürlich ist es leicht möglich, sämtliche Waffenproduzenten aus dem Portfolio zu werfen. Doch was ist mit den großen Unternehmen, die Bausteine an die Hersteller liefern? Wie weit geht der Ausschluss? Schwierig.

 

Ziemlich erklärungsbedürftig 

Deshalb verfolgen viele Fondsgesellschaften einen anderen Ansatz. Anstatt komplette Industrien auszuschließen, werden stattdessen die schlechtesten Unternehmen mit Blick auf den Umweltschutz oder andere Kriterien ausgeschlossen oder – andersherum – es wird nur in die besten investiert oder in Unternehmen, denen die Fondsmanager große Fortschritte bei der Einhaltung von ESG-Kriterien zutrauen. Das ist natürlich ein etwas komplizierteres Vorgehen und für uns ziemlich erklärungsbedürftig.

Nachhaltigkeit ist und bleibt eine Frage der individuellen Definition. Übrigens auch die YouGov-Studie zeigt, dass die Befragten den Begriff sehr unterschiedlich definieren. Für die Älteren ist zukunftsorientiertes Handeln und Verzicht auf Kinderarbeit wichtiger als bei den anderen Generationen. Die ab 1981 Geborenen verknüpfen damit weniger den Begriff fairer Handel. Dafür bringen sie überproportional häufig Konsumverzicht und nachhaltige Unternehmensführung ins Spiel.

Das Interesse an dem Thema wächst auf jeden Fall stetig. Das zeigen auch Auswertungen anonymer Social-Media-Daten, die die Umfrageergebnisse ergänzen. Der Online Buzz für dieses Thema hat einen enormen Anstieg verzeichnet. Die User nutzten den Begriff „Nachhaltiges Investment“ in verschiedenen Digitalkanälen wie Facebook, Twitter, Blogs und Co. von Januar bis August 2017 erst 8.639 mal. Im selben Zeitraum 2018 waren es schon 23.656 mal – ein Anstieg von 174 Prozent.

 

Über Jessica Schwarzer: 

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Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sich sie auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.

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