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Luxusaktie statt Luxustasche 

Eine Birkin Bag ist eine verdammt gute Geldanlage. Aber nur, wenn Du sie nie trägst und originalverpackt wegschließt, aber wer will das schon. Also lieber die Hèrmes-Aktie oder andere Luxustitel kaufen? Warum nicht? 

Es ist ein oft bemühtes Klischee, aber - Hand aufs Herz - es ist auch etwas dran: Wir Frauen lieben schöne, gerne auch luxuriöse Accessoires. Manche von uns gibt mehr dafür aus, als sie sich eigentlich leisten kann. Aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist: Wir lieben edle Handtaschen, ausgefallene Schuhe, luxuriösen Schmuck, zumindest die meisten von uns.

Manches davon ist übrigens auch eine verdammt gute Geldanlage. Die legendäre Birkin Bag aus dem Hause Hèrmes ist ein Beispiel dafür, auch einige IT-Bags von Louis Vuitton oder Chanel steigen stetig im Wert. Tragen dürfen wie sie aber leider nicht, wenn sie als Geldanlage taugen sollen. Das begehrte Stück, originalverpackt, ganz hinten im Schrank verstaut, macht natürlich wenig Spaß. Sachwerte als Investment sind sowieso schwierig, auch wenn es um Schmuck, Uhren, Kunst oder Oldtimer geht. Wir müssen das richtige Modell erwischen und das bindet dann meistens ganz schön viel Kapital. Vor allem wenn es um Kunst oder Oldtimer geht, aber auch die Birkin Bag kann bekanntlich je nach Ausführung 10.000 Euro und mehr kosten.

Ein Investment, dass sich nicht jeder leisten kann und wahrscheinlich erst recht nicht will. Viel spannender ist deshalb auch der Blick auf die Aktien der Hersteller dieser kostspieligen Güter - auch für diejenigen unter uns, die keinen Wert auf übermäßigen Luxus legen. Edle Güter sind gefragt und kommen nicht nur in den USA oder Europa gut an, sondern vor allem auch in Asien und in den aufstrebenden Schwellenländern. „Luxusaktien bieten Investoren die Möglichkeit, am rasanten Wachstum der Mittelschicht in den Emerging Markets teilzunehmen – und zwar über solide westliche Firmen“, sagt Scilla Huang Sun, Fondsmanagerin des GAM Luxury Brands Equity Fund. So kannst Du als Anlegerin mit einem geringeren Risiko an diesem demographischen Megatrend partizipieren. Die Zahl der potenziellen Konsumenten von westlichen Luxusprodukten wird in China, Indien und anderen Schwellenländern in den kommenden Jahren stetig zunehmen. Das treibt die Nachfrage, lässt die Umsätze, Gewinne und natürlich auch die Aktienkurse der Konsumhersteller steigen.

Über die vergangenen zehn Jahre haben sich Luxusaktien bereits besser entwickelt als der breite Aktienmarkt. „Wir erwarten, dass sich dieser Trend auch längerfristig fortsetzen wird“, sagt die GAM-Expertin. Das glaubt auch Elizabeth Houston. Die Analystin für Luxusgüter bei Allianz Global Investors (AGI) nennt vor allem zwei Gründe, warum sie den Luxussektor langfristig positiv beurteilt. Der erste ist das Wachstum: „In der Vergangenheit ist der Luxuskonsum schneller gewachsen als der Gesamtverbrauch“, sagt sie. „Das ist vor allem auf die steigende Anzahl vermögender Privatpersonen in Wachstums- und Entwicklungsländern zurückzuführen.“ Der zweite Grund ist die Preiskraft, die sich aus der Stärke dieser Luxusmarken ergibt. „Jahrzehntelange Marketingausgaben in historischer Höhe sowie zusätzliche Vorteile, die sich aus dem ‚Erbe‘ der Marke ergeben, machen es für Neueinsteiger sehr schwierig und schützen somit die Bruttomargen der etablierten Unternehmen“, so Houston. Echte Klassiker reifen eben langsam.

 

Auch für Luxusaktien gilt: keine Chance ohne Risiko 

Es spricht viel für ein Engagement in Luxusaktien, aber nur bergauf geht es natürlich auch mit ihnen nicht. In den vergangenen Wochen kamen die Kurse an den Weltbörsen ins Rutschen und mit ihnen die Notierungen der Luxusaktien. Die Angst vor steigenden Zinsen und geopolitische Risiken belasten. „Dadurch sind Aktien allgemein in den letzten Wochen günstiger geworden und Titel im Luxussegment handeln zurzeit unter den historischen Durchschnittsbewertungen“, sagt Scilla Huang Sun. Die Bewertungen seien aktuell attraktiv. Heißt übersetzt: Die Aktien sind deutlich günstiger zu haben als noch vor ein paar Wochen. Jetzt einzusteigen könnte sich langfristig auszahlen.

Hinzu kommen die starken Ergebnisse für das dritte Quartal, ergänzt Caroline Reyl. „LVMH und Kering sind nur zwei Beispiele für Unternehmen, die die Erwartungen für das dritte Quartal übertroffen haben“, sagt die Fondsmanagerin des Pictet Premium Brands Fonds. Zurzeit sieht sie auch keine Anzeichen dafür, dass sich das Wachstums verlangsamen sollte. Die börsennotierte LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton ist der weltweite Branchenführer der Luxusgüter-Industrie und hält Rechte an mehr als 70 verschiedenen Marken. Neben dem Champagner- und Cognac-Produzenten und dem Taschen- und Kofferhersteller, die für den Namen stehen, gehören dazu auch Givenchy, Céline sowie Tag Heuer. Zu Kering gehören unter anderem Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta und Pomellato.

Wie alle Aktienanlagen sind auch Luxusaktien nicht immun gegen Kursschwankungen. Das haben die vergangenen Wochen gezeigt. Negative Schlagzeilen über Emerging Markets und China können Luxustitel kurzfristig unter Druck setzen. „Die Firmenresultate und -kommentare bleiben zurzeit aber zuversichtlich, was die Zukunft der neuen Konsumenten aus den Emerging Markets betrifft“, sagt Scilla Huang Sun. Die aktuelle Risikoaversion an der Börse ist allerdings ein globales Thema und dies betrifft alle Sektoren. Besonders in einem Umfeld größerer Kursschwankungen empfehle es sich, die Firmen gründlich zu analysieren, um trotz Unsicherheiten im Markt langfristig attraktive Investments zu identifizieren.

Denn wie immer an der Börse gilt natürlich auch für die Aktien der hochpreisigen Konsumgüter-Hersteller: keine Chance ohne Risiko. „Der Luxussektor stand in letzter Zeit unter Druck, weil Sorgen zur Nachfrage der chinesischen Verbraucher nach Luxusgütern belastet haben“, sagt Analystin Elizabeth Houston. Die Branche habe sich in den vergangenen Jahren vor allem durch die Erholung Chinas gut entwickelt. „Nun steht zu befürchten, dass makro- und geopolitische Gegenwinde wie Handelskriege, schwächere Immobilien- und Aktienmärkte das Verbrauchervertrauen in China negativ beeinflussen werden.“ Dieses Risiko muss Dir bewusst sein, wenn Du an der Börse auf Luxus setzt.

Luxus muss übrigens nicht immer extrem teuer sein. Luxus ist emotional und beruht eher auf der Geisteshaltung als auf Preisschildern. Besonders deutlich zeigt sich dies in den Schwellenländern, wo es sich die Menschen nicht leisten können, hohe Summen für Uhren oder Autos auszugeben, sich aber immer noch nach dem ‚westlichen‘ Lebensstil sehnen, den sie in sozialen Medien oder im Fernsehen sehen. Dieses Bedürfnis könnten sie am ehesten über erschwingliche Luxusgüter wie Bekleidung von Adidas und Nike oder Kosmetik von L’Oréal befriedigen. Luxus ist eben relativ. Und deshalb zählte zu den größten Positionen im GAM Luxury Brands Equity Fund zuletzt nicht nur LVMH, Hermès und Estée Lauder, sondern eben auch L’Oréal und Adidas.

Carline Reyl spricht auch lieber von Premiumaktien als von Luxustiteln. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen für den ambitionierten Konsum anbieten, die in fast allen Verbrauchersegmenten zu finden sind - von Sport über Autos oder Kosmetika bis hin zu Lebensmitteln und Spirituosen. Premiummarken sind mehr als qualitativ hochwertige Produkte oder Aktien mit dem Potenzial für säkulares Wachstum. „Mit ihren Produkten wecken sie Emotionen und sie sprechen den Wunsch der Verbraucher nach Unterscheidungskraft an, durch Reisen, aufregende Erlebnisse oder einen besonderen Lebensstil“, sagt die Fondsmanagerin. „In einer Welt, in der die Verbraucher Zugang zu einer wachsenden Zahl von undifferenzierten Produkten haben, werden die stärksten Marken die Nase vorn haben.“ Auch an der Börse.

Zu viel Luxus gehört aber nicht ins Depot. Luxusaktien sind nur eine Beimischung im Depot, sollten nicht mehr als fünf, maximal zehn Prozent des Portfolios ausmachen. Aber setze bitte nicht alles auf eine Karte. Du solltest das Risiko streuen - Experten sprechen von Diversifikation -, über mehrere Einzeltitel oder besser noch über Fonds, die auf ganz viele Luxusaktien setzen. „Wie bei anderen Themen-Anlagen lohnt sich auch hier bei der Titelauswahl eine gesunde Diversifikation mit bewusst gewählten Schwerpunkten“, sagt Scilla Huang Sun. „Wir halten aktuell 34 Titel in unserem Portfolio mit einem geographischen Fokus auf Europa, wo sehr gute Luxusfirmen beheimatet sind“, ergänzt die Fondsmanagerin. Grundsätzlich ist es bei Anlagen in einzelne Titel sehr wichtig, dass man sich laufend über die aktuellen Entwicklungen bei den jeweiligen Firmen informiert. „Finanzkennzahlen wie Umsatz und Gewinn, aber auch die strategische Ausrichtung in Bezug auf aktuelle Trends wie die fortschreitende Digitalisierung und die zunehmende Bedeutung der Millenials-Generation geben meistens wertvolle Hinweise auf den zu erwartenden Geschäftserfolg“, so Scilla Huang Sun. Oder Du überlässt die Auswahl den Profis und setzt auf einen Aktienfonds.

Zugegeben, teure Accessoires und Kleidung sind nicht jedermanns Sache, aber ein Blick auf die Aktien der Hersteller lohnt sich auf jeden Fall. Und wenn es gut läuft, steht in ein paar Jahren ja vielleicht doch die Birkin Bag im Schrank - als Lieblingshandtasche, nicht als Anlageobjekt.

 

Über Jessica Schwarzer: 

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Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sich sie auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.

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