Dein Geld hat lange genug Diät gemacht:
Zeit, zuzulegen

Wenn es um Finanzen geht, geben wir Frauen uns oft mit dem Ist-Zustand zufrieden. Auf dem Konto ist das Geld sicher – könnte man denken, aber gewinnbringend liegt es dort nicht. Bist Du das Thema Finanzen bisher auch entspannt angegangen? 

Die fetten Jahre sind vorbei – und das nicht erst seit gestern. Seit Oktober 2008 ist der Leitzins im Euroraum im freien Fall. Damals noch bei über vier Prozent, steht er aktuell bei null. Sparen wird nicht mehr belohnt. Schuld an der unfreiwilligen Hungerkur ist neben dem Niedrigzins die Inflation. Selbst wenn es beim ein oder anderen Anbieter noch ein paar Pünktchen auf Tages- und Festgeldanlagen gibt – im Durchschnitt etwa 0,2 Prozent –, macht Dein Erspartes real, also nach Abzug der Inflation, eine Diät. Real bedeutet, dass auf Deinem Kontoauszug zwar immer noch dieselbe Zahl steht, Du beim Einkaufen aber weniger für Dein Geld bekommst. Unterm Strich kostet eine „sichere“ Geldanlage derzeit 1,3 Prozent.*

Allein im ersten Quartal 2018 haben deutsche Sparer laut dem comdirect Realzins-Radar insgesamt 7,1 Milliarden Euro durch schlecht verzinste Geldeinlagen verloren. In Deinem Portemonnaie fehlen statistisch betrachtet also 86 Euro – einfach so. Nicht so schlimm, meinst Du? Betrachtet man die Realzinsentwicklung der vergangenen acht Jahre, dann hast Du fast 1.000 Euro verloren.

 

Aussitzen ist keine Alternative 

Wer seinem Geld nicht weiter beim Abnehmen zusehen möchte, sollte jetzt einen Ausweg finden. Einige versuchen es noch mit der Methode „viel hilft viel“. Statt das offensichtliche Loch im Portemonnaie zu flicken, oder, noch besser, sich ein neues anzuschaffen, stopfen sie nur noch mehr Geld hinein, um das Sparniveau zu halten.

Sie halten Aussitzen für einen guten Weg und warten auf bessere Zeiten, in denen die Zinsen wieder ansteigen und das Sparbuch zur gewohnten Form zurückkehrt. Doch selbst wenn das Zinsniveau wieder anzieht, wovon man in den kommenden Jahren allerdings nur in geringem Umfang ausgehen kann, bleiben Tagesgeld und Co. im Vergleich zu Wertpapierinvestments wenig ertragreich (siehe Grafik).

Der Vergleich zeigt, dass ein passives Börseninvestment trotz zwischenzeitlicher Kursschwankungen in der Vergangenheit in der Lage war, einen deutlich höheren Spareffekt zu erzielen als ein klassischer Geldsparplan.**

Betrachtet man alle Fakten, führt an der Börse kein Weg vorbei.

 

Der Weg aus der Sparkrise 

Der Gedanke an die Börse, an Aktien und Investmentfonds, an Kursverluste und Krisen, löst jedoch bei vielen Unwohlsein aus, was sich an der geringen Zahl der Wertpapierbesitzer zeigt. Nicht einmal sieben Prozent der Deutschen investieren laut Informationen des Deutschen Aktieninstituts in Aktien. Zum Vergleich: In den USA liegt die Aktionärsquote bei 56 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Spätestens seit der großen Finanzmarktkrise 2008 gelingt es der Börse nicht, ihr negatives Kasino-Image abzustreifen. Dabei sind auskömmliche Erträge keine Seltenheit – auch ganz ohne Zockerei. Ein Blick in die Historie des Deutschen Leitindex Dax zeigt beispielsweise, dass Aktienanleger in den vergangenen 30 Jahren durchschnittlich 8,9 Prozent Rendite erwirtschaften konnten.** Natürlich gab es zwischendurch immer mal wieder Phasen, in denen die Kurse nach unten gingen und Anleger Geld verloren haben. Solche Schwankungen sind ganz normal, und mit geeigneten Maßnahmen wie einer breiten Verteilung der Verlustrisiken auf mehrere Wertpapiere und einer möglichst langfristigen Anlagedauer lassen sie sich gut dämpfen.

 

Woher kommt die Zurückhaltung? 

Woran liegt es also, dass trotz all der überzeugenden Argumente so viele Deutsche keine Wertpapiere besitzen? Vermögensmanager J. P. Morgan hat Antworten darauf gefunden. Laut einer Umfrage besitzt etwa die Hälfte der Wertpapierverweigerer deshalb keine Aktien, weil sie sich mit dem Thema nicht auskennt, ein gutes Drittel fürchtet sich vor Wertschwankungen.

Die Gründe sind nachvollziehbar, denn unterm Strich ist keine Anlegerin gut damit beraten, blind in irgendwelche Anlageklassen zu investieren, die sie nicht versteht. Und Kursschwankungen sind auch nicht wegzudiskutieren. Statt aber die diffuse Angst vor den Finanzmärkten zu ignorieren und sich mit dem schlechten Ist-Zustand zufriedenzugeben, sollten wir ihr direkt ins Auge blicken.

Finanzbildung ist kein Hexenwerk. Wenn Du Dich mit den Grundlagen der Finanzmärkte beschäftigst und verstehst, wie Wertpapierinvestments funktionieren, dann gibt es auch keinen Grund mehr, sich vor Schwankungen und Verlusten zu fürchten.

* Stand Juni 2018

** Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

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