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Haushaltsbuch – was bringt das eigentlich? 

Sobald man sich irgendwie mit dem Thema Finanzen befasst, sagen die Leute, man solle ein Haushaltsbuch führen. Ist das nicht total spießig und überholt? Aufwendig ist es auf jeden Fall, sagt Claudia Müller vom Female Finance Forum in ihrem Gastbeitrag. 

Ein Haushaltsbuch ist so etwas wie der Kalorienzähler für unsere Finanzen. Wenn wir ein gesundes Körpergefühl haben, brauchen wir keine Kalorien zu zählen. Wir können die Sahnetorte bei Omas 90. Geburtstag ohne schlechtes Gewissen genießen, weil wir wissen, dass wir irgendwie automatisch wieder zu unserem Normalgewicht kommen werden.

Für Menschen, die dieses Körpergefühl nicht haben, kann es hilfreich sein, für ein paar Wochen oder Monate Kalorien zu zählen. Irgendwann haben wir dann alle verstanden, dass der Schokoriegel mehr Kalorien hat als die Möhre. Was wir mit dieser Information tun, bleibt natürlich uns selbst überlassen.

Ein Haushaltsbuch erfüllt dieselbe Funktion wie der Kalorienzähler: Es zeigt auf, wo die Pfunde herkommen bzw. wohin die Euros verschwinden. Schwarz auf weiß, ohne Blatt vor dem Mund. Diejenigen, die bereits ein gutes Gespür für ihre Finanzen haben, brauchen möglicherweise kein Haushaltsbuch.

 

Warum sollte ich es trotzdem führen? 

Das Problem beim Umgang mit Geld ist, dass die meisten von uns dieses gute Gespür nicht von zu Hause mitbekommen haben. Bei der Ernährung haben wir im Elternhaus gelernt, dass Brokkoli anscheinend gesünder ist als Sahnetorte (leider). Einige von uns haben die Details dahinter verstanden (Kohlenhydrate, Proteine…), andere nicht, aber wir kennen alle die Konsequenz: weniger Sahnetorte, mehr Brokkoli. Zumindest, wenn wir uns gesund ernähren wollen, sollten wir uns an diesen Grundlagen orientieren.

Bei Finanzen hat jeder Mensch seine persönliche Kalorien-Bilanz. Die eine gibt viel für Partys aus, die nächste für Reisen, und die dritte für den berühmten Coffee-to-Go. Das Haushaltsbuch hilft, Dein persönliches Finanz-Verhalten offen zu legen. Was Du hinterher mit diesem Wissen machst, bleibt vollkommen Dir selbst überlassen.

Ich empfehle Dir, für mindestens drei Monate ein solches Haushaltsbuch zu führen. In diesem Zeitraum merkst Du womöglich, dass in jedem Monat eine „Ausnahme“ anfällt – Omas 90. Geburtstag, der Umzug, eine Hochzeitseinladung… Die Ausnahmen sind also eigentlich die Regel. Dies zu erkennen, ist bereits ein wichtiger Schritt.

Nach einer gewissen Zeit kannst Du vermutlich Verhaltensmuster erkennen. Dann stehst Du vor der Frage: Was machst Du mit dieser Information?

Je besser Du Dich selbst und Dein Verhalten kennst, umso besser kannst Du entscheiden, ob Du dieses Verhalten ändern möchtest. Nehmen wir an, Du gehörst zu den Kaffee-Junkies unter uns und gibst recht viel Geld für den Coffee to Go aus. Das Haushaltsbuch führt Dir diese Information klar vor Augen. Nun kannst Du Dich entscheiden: Wenn Du entsetzt bist über den Betrag, den Du für (mehr oder weniger schlechten) Kaffee ausgibst, dann kannst Du Dein Verhalten ändern. Und wenn Dir das schwarze Gold auf der Reise genau diesen Betrag wert ist, dann machst Du weiter wie bisher.

Das Haushaltsbuch dient dazu, Dir die finanziellen Auswirkungen Deines Verhaltens vor Augen zu führen. Wenn dieses Verhalten Deinen persönlichen Prioritäten entspricht, kannst Du es genauso beibehalten. Wenn Du jedoch ungewollte Verhaltensmuster an Dir entdeckst, hilft diese Methode, Dir diese Muster aufzuzeigen und die Motivation zu finden, daran etwas zu ändern.

Es gibt inzwischen viele verschiedene Apps und Vorlagen für ein Haushaltsbuch. Schau hier vorbei für App-Empfehlungen, und hier für eine Excel-Vorlage. Stift und Block funktionieren auch.

 

Über Claudia Müller: 

Claudia war bis 2017 bei der Deutschen Bundesbank angestellt und hat sich dort mit dem Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Finanzen beschäftigt. Im Female Finance Forum bietet sie nun Frauen einen Raum und eine Gemeinschaft, in der sie sich beim Thema Finanzen austauschen und von- und miteinander lernen. Durch diese Gemeinschaft unterstützen die Frauen sich gegenseitig, ihre Vorsätze umzusetzen und die Hürden vor dem Thema Finanzen abzubauen. Mittels Workshops und Veranstaltungen bringt Claudia das Thema an Arbeitgeber sowie Institutionen und setzt sich für Gleichstellung ein.

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