Vorabpauschale – neue Besteuerungsart für Fondssparer

14. Januar 2019 | Iris Ade

Im Januar erhalten viele Fonds- und ETF-Sparer eine neue Abrechnung: zur sogenannten Vorabpauschale. Was es damit auf sich hat und was Anleger nun tun sollten, erläutert Iris Ade, Spezialistin Kundensteuern bei comdirect.

Von Iris Ade, Spezialistin Kundensteuern bei comdirect

Neues Jahr, neue Regeln. Mit dem Investmentsteuerreformgesetz, das bereits zum 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist, änderte sich die Besteuerung von Fonds (und ETFs) sowie deren Anlegern. Eine dieser Änderungen wird zum Jahresbeginn 2019 erstmals für Fondssparer wirksam: die sogenannte Vorabpauschale. Was kompliziert klingt, ist eigentlich simpel. Denn Ziel des Investmentsteuerformgesetzes ist es, dass alle Fonds, egal ob in- oder ausländisch, ausschüttend oder thesaurierend, gleichbehandelt werden.

In der Vergangenheit war es so, dass Steuern auf ausgeschüttete Erträge von der Bank an die Finanzbehörde abgeführt wurden. Bei thesaurierenden Fonds, also solchen, die ihre Erträge gleich wieder anlegen, machte es hingegen einen Unterschied, ob es sich um einen in- oder ausländischen Fonds handelte. Inländische Fonds wiesen „ausschüttungsgleiche Erträge“ aus, worauf Steuern berechnet und abgeführt wurden, für welche der Fonds die Liquidität bereitgestellt hatte. Bei ausländischen Fonds hingegen musste der Anleger selbst aktiv werden und die ausschüttungsgleichen Erträge in der Steuererklärung angeben. Zusätzlich unterlagen diese Erträge bei einem Verkauf der Besteuerung. Diese Doppelbesteuerung musste in der persönlichen Veranlagung beim Finanzamt geklärt werden.

Gleichbehandlung von Fonds

Mit der Ungleichbehandlung ist nun Schluss. Für das Jahr 2018 wird bei nicht ausschüttenden Fonds und ETFs eine Vorabpauschale berechnet – egal, wo der Fonds seinen Sitz hat. Auch ausschüttende Fonds und ETF können von der Vorabpauschale betroffen sein, wenn sie 2018 nicht in ausreichender Höhe ausgeschüttet haben. Weil auf Fondsebene selbst bereits Steuern anfallen, reduziert sich die Vorabpauschale um den für den jeweiligen Fonds geltenden Teilfreistellungssatz. Darauf wird dann die Abgeltungsteuer berechnet und abgeführt.

Freistellungsauftrag und Verlustrechnungstopf prüfen

Die depotführende Stelle überprüft nun, ob im steuerlichen Verrechnungssaldo „Sonstige Gewinne/Verluste“ des Anlegers Verrechnungspotenzial besteht und/oder ein Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe eingereicht ist. Ist dies nicht der Fall, so muss die depotführende Stelle diese Steuer direkt vom steuerlichen Verrechnungskonto des Anlegers abbuchen. Dies bedeutet, dass eine Steuer ohne Geldzufluss fällig wird.

Die Buchung der Abgeltungsteuer auf die Vorabpauschale für 2018 wird voraussichtlich für die meisten Fonds in der zweiten Januarhälfte 2019 erfolgen. Für Anleger bedeutet dies, dass sie ihr Depot auf Fonds oder ETFs überprüfen sollten, welche im Jahr 2018 von Jahresanfang bis Jahresende eine positive Wertentwicklung hatten. Sind sie in solche Produkte investiert, lohnt ein Blick auf den Verrechnungssaldo „Sonstige Gewinne/Verluste“ und den Freistellungsauftrag: Liegen Verluste bzw. ein Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe vor, wird keine Steuer auf dem steuerlichen Verrechnungskonto gebucht.

Handlungsbedarf besteht für den Anleger nur dann, wenn er weder Verluste im steuerlichen Verrechnungssaldo noch einen ausreichenden Freistellungsauftrag noch Guthaben auf dem steuerlichen Verrechnungskonto hat (und die eingeräumte Kontoüberziehung ebenfalls ausgeschöpft ist). Dann nämlich ist die depotführende Stelle verpflichtet, den Kunden an das Finanzamt zu melden, weil sie die Steuer nicht abführen konnte.

Mehr Infos zum Thema unter folgender Website: https://www.comdirect.de/vorabpauschale

Informationen zum neuen Investmentsteuerreformgesetz
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