Privatanlegerindex: Signale nutzenPrivatanlegerindex: Signale nutzen

Stimmung macht Märkte. Besonders in Zeiten der Staatsschuldenkrise treiben Optimismus und Pessimismus die Kurse nach oben oder unten – und nicht immer werden die Bewegungen durch Veränderungen in der Realwirtschaft ausgelöst. „In solchen Phasen muss man den Markt in allen Facetten analysieren“, ist Dirk Friczewsky überzeugt. Der aktive Trader setzt vor allem auf technische Indikatoren wie RSI und MACD. „Gleichzeitig sollte man auch fundamentale Entwicklungen und vor allem die Sentiments beachten.“

Friczewsky ist einer von 600 Privatanlegern, die von der Deutschen Börse in Kooperation mit dem Analysehaus Cognitrend und comdirect für die Ermittlung des Bull/Bear-Index befragt werden. Woche für Woche gibt er seine Einschätzung des DAX-Verlaufs in den jeweils kommenden vier Wochen ab. Für die Indexberechnung werden die Stimmen der Optimisten, der Pessimisten und der neutral gestimmten Befragten mit einem Faktor gewichtet und zu einem Wert zusammengefasst. Das Ergebnis bezieht Friczewsky in seine Anlageentscheidung mit ein.

Stimmungen nutzen

Sind mehr Optimisten oder Pessimisten im Markt? Das interessiert auch Dirk Zeps. Der 45-jährige Industriemeister für Chemie gehört zu den comdirect Kunden, die ihre Markteinschätzung regelmäßig für die Ermittlung des Bull/Bear-Index abgeben. Das Sentiment ist nicht das einzige Kriterium, aber es fließt in seine Anlageentscheidung mit ein. „Wenn ich bereits investiert bin und die Stimmung kippt, versuche ich, Verluste zu begrenzen“, erklärt Zeps. „Überwiegt dagegen Pessimismus und ich bin nicht investiert, kann ich das Sentiment optimal für einen möglichen Einstieg nutzen.“

Umfassendes Bild

Der Bull/Bear-Index für Privatanleger entstand im Frühjahr aus einer Kooperation zwischen der comdirect bank, der Börse Frankfurt sowie dem Analyseinstitut Cognitrend. Er ist mittlerweile Teil des DAX-Sentiments, das das Analysehaus Cognitrend in Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse schon seit Jahren ermittelt. Dafür befragt die Börse Frankfurt wöchentlich die gleiche Gruppe von 250 institutionellen Anlegern nach ihrer Vier-Wochen-Einschätzung. Anders als bei anderen Umfragen sind die Befragten aktive Händler. Der Vorteil: Die Aussagekraft ist hoch, weil kein Investor gegen die eigenen Prognosen handelt. Um die Trendstärke zu messen, werden als Nächstes konkrete Kursziele abgefragt. Denn wichtiger als die absoluten Zahlen sind die Veränderungen der Werte, die durch die regelmäßige Messung offengelegt werden. Die Faustregel: „Laufen Markt und Stimmung nicht zusammen, gewinnt der Markt“, sagt Cognitrend-Chef Joachim Goldberg. „Laufen Markt und Stimmung dagegen zusammen, ist eine Trendwende wahrscheinlicher.“

Für Profis ist das Privatanleger-Sentiment ein weiterer Baustein in der Analyse. Denn aus den Veränderungen können sie ableiten, ob Kapital zu- oder abfließen wird. Beide Sentiments zusammen ergeben ein umfassendes Bild von der Stimmung unter deutschen Investoren.

Redaktionsschluss 30.08.2013, 20.00 Uhr  
Zurück zur Übersicht
Dieser Artikel ist für mich
sehr interessant
interessant
mäßig interessant
überhaupt nicht interessant

Social Networks

Zurück zur Übersicht

Aktuelle Angebote

AktivSparplan: Ausgewählte Fonds ohne Ausgabeaufschlag
FondsDiamanten: Qualitätsfonds ohne Ausgabeaufschlag
Die neue photoTAN: sicher, bequem, schnell