ChartanalyseChartanalyse
Von Dr. Gregor Bauer

Charttechnische Analysen müssen immer im Zusammenhang mit dem für einen Trader oder Investor relevanten Zeitraum erfolgen. Wenn ich beispielsweise einen Anlagehorizont von mehreren Wochen oder Monaten habe, dann gehe ich in der Zeitachse zunächst so weit in die Vergangenheit, bis ich ein signifikantes Hoch und Tief im passenden Zeitrahmen finde. Damit gewinne ich eine Übersicht über die Marktstruktur in der für mich relevanten Zeitebene.

Unterstützungen und Widerstände beachten

Signifikante Hochs und Tiefs beinhalten entscheidende Informationen, denn zu diesen Preisen entstand entweder starker Kaufdruck (also ein Unterstützungsniveau, die Preise stiegen an) oder aber starker Verkaufsdruck (also ein Widerstandsbereich, Investoren betrachteten die Aktie als zu teuer, der Preis sank). Nähert sich eine Aktie also erneut einem solchen Preisniveau, ist Vorsicht geboten. Ändert sich nämlich die Einschätzung der Marktteilnehmer nicht, so wird an einem Widerstand wieder Verkaufsdruck in den Markt kommen und an einer Unterstützung wieder Kaufdruck. Die Preise prallen an diesen Marktstrukturzonen ab. Erst wenn sich die grundsätzliche Meinung der Mehrheit der Marktteilnehmer ändert, können diese Kursniveaus durchbrochen werden. Das heißt: Steigende Kurse kann es nur dann geben, wenn zu den Preisen an der Widerstandszone Käufer in den Markt treten. Die Unterstützungs- und Widerstandsbereiche definieren daher die für das erfolgreiche Agieren an den Märkten wichtigen Signalebenen.

Am Beispiel der VW-Vorzugsaktie

Zur besseren Übersicht habe ich einen Chart gewählt, in dem eine Kerze zwei Handelstage abbildet. Im Juli 2011 bildete sich im Bereich zwischen ungefähr 150 bis 152 Euro ein signifikanter Widerstandsbereich, ab August 2011 stürzte die Aktie ab. Das korrespondierende, signifikante Tief wurde Anfang Oktober 2011 bei 86,40 Euro markiert. Ausgehend von diesem Niveau explodierte der Kurs. Entsprechend lassen sich nun die Marktstrukturzonen definieren.

So sehen wir einen Unterstützungsbereich zwischen 135,40 Euro und etwa 130 Euro, gebildet von Oktober bis Dezember 2011. Eine weitere Unterstützungszone bildete sich anschließend zwischen 115 Euro und dem Tief bei 109,75 Euro heraus. Der auf den Abprall an dieser Unterstützungszone folgende Aufwärtsimpuls verläuft in Form eines Trendkanals bis in die nächste Umkehrzone, den Bereich zwischen 145 Euro bis 147,20 Euro.

Auffällig ist, dass der Kurs im Verlauf der vergangenen Wochen mehrfach an der oberen Begrenzung der Unterstützungszone, also bei etwa 135 Euro, nach oben in Richtung des Widerstands um 145 Euro zurückgeprallt ist – es kam also plötzlich Kaufdruck auf. Im Chart wird dies deutlich anhand der sogenannten bullishen unteren Schatten. Dies sind kurzzeitige Kursrücksetzer mit einer schnellen Erholung. Dies unterstreicht zusätzlich die Bedeutung dieses Unterstützungsbereichs als „Kaufzone“.

 

Kritischer Bereich

Zurzeit aber ist höchste Vorsicht angebracht, denn der Kursverlauf ab dem 27.2.2012 zeigt, dass die Aktie gerade dabei ist, in den Unterstützungsbereich einzudringen. Aktuell finden sich offensichtlich keine Käufer für die VW-Aktie.

Für Anleger heißt das: Bricht die Aktie aus der Unterstützungszone nach unten aus, also ab ungefähr 129 Euro, sollte die Aktie verkauft werden. Das Kursziel nach unten liegt in diesem Fall nämlich auf Höhe der nächsten Unterstützung, also im Bereich um 110 bis 115 Euro.

Erholt sich die Aktie aber wieder, ist ein Kursanstieg bis zum Widerstandsbereich zwischen 145 und 147 Euro möglich, im Fall eines Durchbruchs nach oben können Anleger auf einen Kursgewinn bis zum nächsten Widerstandsbereich um 150 bis 152 Euro hoffen. Sollte VW also jeweils an diese Marken anstoßen, rate ich Anlegern, die Kursgewinne abzusichern, also Stopps zu setzen und entsprechend nachzuziehen.
Weitere Analysen sowie Informationen zur Technischen Analyse finden Sie unter
www.drbauer-consult.de.
Redaktionsschluss 28.02.2012, 20.00 Uhr  
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