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Verzerrte Wahrnehmung: Die Tücken des Home Bias

 

Kaffee aus Kolumbien, Smartphones aus den USA, Möbel aus Schweden: Wir leben in einer globalisierten Welt. Dennoch investieren deutsche Anleger vorwiegend in den Heimatmarkt und verzichten (un)freiwillig auf eine ausgewogene globale Diversifikation ihres Portfolios. Doch welche Auswirkungen hat dieses Verhalten auf das Depot und wie können Investoren den sogenannten Home Bias vermeiden?

Für 2021 wurde ein Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 3 % prognostiziert, das globale Wirtschaftswachstum dagegen auf circa 5,9 % beziffert. Dennoch haben die Deutschen ihre Portfolios mit Aktien inländischer Unternehmen stark übergewichtet. Grund hierfür ist der Home Bias. Im Börsenjargon bezeichnet der Begriff die Neigung, bevorzugt in Aktien oder Anleihen von Unternehmen im Heimatland zu investieren. Untersuchungen zufolge bestehen deutsche Portfolios zu 60 bis 70 % aus Aktien inländischer Unternehmen. Dabei machte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 lediglich 3,42 % des weltweiten BIP aus. Das hat zur Folge, dass bei den meisten Depots keine globale Diversifikation gegeben ist. Anleger unterliegen beim Home Bias einer verzerrten Wahrnehmung. Vor allem Investoren aus Industrienationen bevorzugen inländische Aktien und Wertpapiere. Woran liegt das?

Globalisierung hat (noch) Grenzen
Dafür gibt es nachvollziehbare und rationale Gründe. Zum einen das Währungsrisiko, dem sich Anleger bei Investitionen in internationale Kapitalmärkte aussetzen. Aktien von Unternehmen aus dem Ausland werden meist in Fremdwährung gekauft. Das bedeutet, dass Investoren durch Währungsschwankungen an Rendite verlieren könnten. Außerdem können im Zielland Steuern und Transaktionskosten für Aktienkäufe anfallen. So beträgt beispielsweise der Steuersatz in Frankreich beim Kauf von Aktien und Derivaten 0,3 %. Dieser fällt an, sobald Aktien von einem Unternehmen gekauft werden, das in Frankreich ansässig ist und eine Marktkapitalisierung von mindestens 1 Milliarde Euro aufweist. Ferner sind politische und wirtschaftliche Risiken bei der Wahl von investitionswürdigen Aktien zu beachten – das kommt vor allem bei Investitionen in strukturschwächere Länder zum Tragen.

Gefühle spielen eine große Rolle
Außerdem gibt es eine Reihe von irrationalen Gründen, die den Home Bias fördern. Zunächst unterliegen die meisten Anleger einer Informationsasymmetrie. Investoren wissen aufgrund der nationalen Medien besser über die heimische Wirtschaftslage Bescheid. Darüber hinaus können sie die Vertraulichkeit der Quellen besser einschätzen als bei ausländischen Medien. Das kann jedoch zum sogenannten Overconfidence-Effekt führen: Anleger überschätzen ihr Wissen sowie ihre Fähigkeiten. Zudem ist das Vertrauen in nationale Unternehmen oftmals größer, da Anleger diese Unternehmen gefühlt „besser im Blick haben“, obwohl wahrscheinlich die wenigsten unter ihnen vergangene Skandale vorhergesehen haben – und auch zukünftige Vergehen in deutschen Unternehmen nicht prophezeien können. Des Weiteren unterliegen Investoren oft der Annahme, dass der Heimatmarkt eines Unternehmens nach wie vor sein wichtigster Markt sei. Vor allem aber bei internationalen Großkonzernen oder globalen Nischenmarktführern ist das ein Trugschluss. Beispielsweise ist China inzwischen der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Großkonzerne wie Volkswagen, Daimler oder Adidas geworden. Diese Fehleinschätzung führt ebenfalls zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität.

All das hat zur Folge, dass sich Anleger dem sogenannten Klumpenrisiko aussetzen: Bevorzugen Investoren den inländischen Markt zu sehr, machen sie sich noch abhängiger von der Wirtschaftsentwicklung im eigenen Land. Arbeitnehmer, Steuerzahler und Bürger eines Landes sind ohnehin schon auf die inländische Volkswirtschaft angewiesen – reine Investitionen in den Heimatmarkt verstärken diese Abhängigkeit erheblich. Doch wie können Anleger das Klumpenrisiko und den Home Bias vermeiden?

Faktor Mensch
Bei einigen der angeführten Gründe für die bevorzugten Investitionen in den Heimatmarkt steht der Mensch im Mittelpunkt. Es ist logisch – und vor allem menschlich –, auf das Bekannte zu vertrauen. Dennoch sollten Anleger versuchen, möglichst rational zu handeln, wenn es um die Geldanlage geht. Grundsätzlich bietet es sich daher auch mit Blick auf den Home Bias an, das Portfolio möglichst zu diversifizieren – in diesem Fall vor allem international. Darüber hinaus bieten moderne Investitionsangebote wie digitale Robo-Advisor die Chance, sich weniger von Gefühlen leiten zu lassen und ein breitgefächertes Portfolio aufzubauen. So können Anleger mit dem Home Bias einhergehende Risiken minimieren.