Wie viel Wahrheit steckt in Sell in May and go away?

Wie viel Wahrheit steckt in „Sell in May and go away, …“?

Eine der populärsten Börsenweisheiten lautet: „Sell in May and go away, but remember to come back in September“. Doch funktioniert diese Regel und können sich Anleger darauf verlassen? Wir erklären, wie viel Wahrheit darin wirklich steckt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Kauf von Wertpapieren und wann ist der perfekte Moment für den Verkauf? Diese beiden Fragen treiben Anleger seit jeher um. Die Börsenweisheit „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ gibt Investoren dazu einen Tipp: Anfang Mai Aktien verkaufen und erst im September wieder in den Aktienmarkt einsteigen.

Hinter dieser Empfehlung steht die plausible Annahme, dass in den Sommermonaten urlaubsbedingt verhältnismäßig wenig los ist – also weniger gehandelt wird – und deshalb schlechte Nachrichten eine höhere Durchschlagskraft haben als von Oktober bis April. Daher sollten Anleger erst im Herbst wieder in die Aktienmärkte einsteigen, wenn die Jahresendrally unmittelbar bevorsteht.

Statistik unterstützt „Sell in May“

Doch hält sich auch die Börse an diese Weisheit? Auf den ersten Blick scheint die Statistik die Regel zu unterstützen. Verschiedene empirische Studien wie etwa von Fidelity International zeigen: Wer in den vergangenen 30 Jahren die Regel befolgt hätte, stünde heute besser da.

Aus einem 10.000-Euro-Investment in den Deutschen Leitindex DAX im Jahr 1988 wäre laut Fidelity heute die stattliche Summe von 133.223 Euro geworden – natürlich nur, wenn der Anleger jedes Jahr im Mai verkauft hätte und im September wieder eingestiegen wäre. Wer dagegen durchgängig im DAX geblieben wäre, hätte nur 114.332 Euro erzielt. Die „Buy and Hold“-Strategie hätte also knapp 20.000 Euro weniger eingebracht.

Detailauswertung zeigt ein anderes Bild

Doch die Experten haben noch mehr herausgefunden: Der DAX lag seit 1994 in den Sommermonaten zwar häufig im Minus, aber eine eindeutige Tendenz sei nicht auszumachen. Die Detailauswertung von Fidelity zeigt zudem: Seit 1988 hat die Börsenweisheit für den deutschen Leitindex nur in 16 Jahren funktioniert. In 14 Jahren hätten Anleger durch „Sell in May“ dagegen Verluste erzielt.

Nach Auswertungen von Bloomberg trifft das Sprichwort auch nicht für die USA zu. Von 1988 bis 2017 betrug die durchschnittliche Wertentwicklung zwischen 1. Mai und 1. September im S&P 500 rund 1,2 %. Bei US-Hochzinsanleihen lag die durchschnittliche Wertentwicklung in diesem Zeitraum bei 2 % und bei US-Staatsanleihen sogar bei 2,8 %. Gewinne, die Anleger nicht mitgenommen hätten, wenn sie sich an die Börsenweisheit gehalten hätten.

Das Fazit lautet also: Aktienkurse richten sich nicht nach dem Kalender. Langfristig orientierte Anleger sollten sich also lieber nicht von dieser Börsenweisheit, die eher einer Bauernregel gleicht, verführen lassen. Denn es gibt noch einen anderen Ratschlag, und der stimmt garantiert immer: „Hin und her macht Taschen leer“.