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Die Zukunft des Bezahlens

Die Art, wie wir bezahlen, entwickelt sich rasant. Dank neuer Sicherheitstechnologien und veränderter Kundengewohnheiten zahlen wir Waren und Dienste künftig anders als heute. Wir haben Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin und Gründerin des Zahlungsdienstleisters RatePAY gefragt, wie die Zukunft des Bezahlens aussieht.

 

Miriam, wie hat sich die Art, wie wir bezahlen, in den letzten Jahren verändert?

Deutschland ist beim Bezahlen ein sehr traditionelles Land. In keinem Land der Welt wird so viel Bargeld benutzt wie hier. Das hat vor allem mit dem großen Bedürfnis der Deutschen nach Datenschutz und Sicherheit zu tun. Am Point of Sale (PoS), also im stationären Handel, hat sich auch die girocard durchgesetzt, während Kreditkarten in Deutschland stark unterrepräsentiert sind.

Dass wir Deutschen gerne auf Nummer Sicher gehen, sieht man auch beim Bezahlen im Internet: Der Kauf auf Rechnung, bei dem ich die Ware erst bezahle, nachdem ich sie erhalten habe, ist die mit Abstand beliebteste Zahlungsart. Am zweitbeliebtesten ist dann aber schon ein sehr modernes Zahlungsmittel, nämlich PayPal. Das wird vor allem von jüngeren Menschen genutzt.

 

Es gibt also Unterschiede, je nachdem, ob ich an der Supermarktkasse oder im Internet einkaufe?

Ja, da wird jeweils anders gezahlt. Aber das wird sich in Kürze ändern, Stichwort Mobile Payment. Eine Entwicklung, die vor allem von Google Pay und Apple Pay vorangetrieben wird, welche beide letztes Jahr in Deutschland gestartet sind. Das sind sogenannte Wallets, also digitale Geldbeutel, mit denen ich sowohl im Ladengeschäft als auch online bezahlen kann.

An der Kasse funktioniert das, indem ich mein Handy mit der jeweiligen Wallet als App vor ein Kartenlesegerät halte. Immer mehr Lesegeräte erlauben dank der NFC-Technologie kontaktloses Bezahlen. Dieses Prinzip kennen wir ja schon vom kontaktlosen Bezahlen mit der Karte. Das Entscheidende am Bezahlen mit Wallets: Da ich sie künftig für alle Einkaufskanäle nutzen kann, verschwimmen die Grenzen stärker und es wird für uns als Kunden immer unwichtiger, ob ich meine Zahlung im Geschäft oder im Internet erledige.

 

Shopping – und damit auch das Bezahlen – wird also immer mobiler?

Ja – das wird vor allem von den jüngeren Generationen vorangetrieben. Von den Jahrgängen, die ab 1995 geboren sind, nutzen 70 % jeden Tag mobile Apps und diese Generation erwartet, dass sie auch beim Bezahlen alles vom Smartphone aus regeln kann. Der Computer ist out. Eine Entwicklung, die damit zusammenhängt und ebenfalls von Jüngeren getrieben wird, sind P2P-Payments. Also dass ich schnell und unkompliziert Geld per Chat oder App an meine Freunde versenden kann, wenn ich zum Beispiel jemandem noch zehn Euro vom Abend in der Bar schulde.

 

Was bedeutet das für die Sicherheit, wenn man alles mobil bezahlt?

Darüber machen sich die Entwickler von Zahlungslösungen tatsächlich viele Gedanken. Aber die entsprechenden Sicherheitstechnologien entwickeln sich weiter. Heute schon kann ich viele Dienste und Transaktionen mit Fingerprint absichern, in Zukunft werden Technologien wie Face Recognition oder Voice Recognition sicher eine noch größere Rolle spielen.

 

Gibt es außer Mobile Payment noch Trends, die auf uns warten?

Ein ganz großes Schlagwort heißt Seamless Payment, also „nahtloses“ Bezahlen, wo der eigentliche Bezahlprozess in den Hintergrund tritt. Unter diesem Begriff kann man gleich mehrere große Trends zusammenfassen. Teilweise kennen Leute das schon, die mal Uber benutzt haben – da hinterlegt man einmal seine Kreditkarte und ab dann wird jede Uber-Fahrt im Hintergrund von der Kreditkarte abgebucht. Der Bezahlprozess verschwindet aus der Wahrnehmung und das Ordern von Dienstleistungen oder Waren wird noch bequemer und einfacher.

 

Gibt es noch mehr Beispiele für Seamless Payment?

Ja, und zwar in größeren Dimensionen. Einmal, was den stationären Handel betrifft: Seit einiger Zeit experimentiert Amazon ja mit stationären Geschäften, sie heißen Amazon Go. Dort wird digital und mit Kameras registriert, wer ich bin und was ich in mein Einkaufskorb lege, und wenn ich den Laden verlasse, weiß Amazon, was ich bezahlen muss und bucht diesen Betrag über meinen Account ab. Es ist bemerkenswert für die Entwicklung des Shoppings der Zukunft, dass Amazon klassischen Händlern am PoS Konkurrenz macht. Auch hieran sieht man, dass die Online-/Offline-Grenzen beim Einkaufen künftig verschwimmen werden.

Ein zweiter, vielleicht noch stärker prägender Trend der Zukunft heißt Voice Commerce. Da bestelle ich meine Sachen, sei es Pizza, Kleidung oder Möbel nicht mehr, indem ich im Browser meines Computers oder Handys herumtippe, sondern indem ich Alexa oder Siri – die digitalen Assistenten von Amazon und Apple – per Sprachbefehl bitte, mir das passende Angebot herauszusuchen und zu bestellen. Auch bei diesem Kaufprozess wird „unsichtbar“ bezahlt, indem von meiner Kreditkarte oder aus meinem Wallet, das ich hinterlegt habe, abgebucht wird.

 

Haben deutsche Unternehmen denn künftig beim Einkaufen und Bezahlen überhaupt noch etwas zu melden?

In Deutschland und Europa hinken wir wichtigen technologischen Entwicklungen beim Thema Bezahlen leider ein wenig hinterher. In Zukunft werden nicht wie bisher Banken oder Kreditkartenunternehmen die großen Treiber sein, sondern – wie in vielen anderen Bereichen auch – die großen Tech-Firmen aus den USA. Unternehmen wie Facebook oder Google spielt das natürlich in die Hände, sie interessieren sich naturgemäß schon immer für die Daten ihrer Nutzer. Und Daten sind die Währung der Zukunft.

In Fragen des Datenschutzes und der Datenweitergabe ist das natürlich nicht ganz unproblematisch. Indem sich die amerikanischen Tech-Riesen auch beim Thema Finanzen als Anbieter von Lösungen und Produkten aufstellen, haben sie einen noch umfassenderen Überblick, was der einzelne Kunde so treibt. Und sie schaffen nebenbei ein Ecosystem, das ich als Kunde im Grunde gar nicht mehr verlassen muss. Es bleibt noch offen, für welche Seite das der größere Mehrwert ist.

 

Die Zukunft des Bezahlens ist also amerikanisch?

Um zu sehen, wohin die Reise geht, ist der Blick nach Asien fast noch spannender. Gegenüber asiatischen Unternehmen sehen Facebook, Amazon oder Google blass aus. Firmen wie Alibaba, das chinesische Amazon, oder der Chatanbieter WeChat machen vor, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Deren Kunden halten sich jetzt schon in riesigen digitalen Welten auf, die nicht nur Marktplätze und soziale Netzwerke sind, sondern in denen auch alle finanziellen Fragen ein Zuhause haben, egal ob es um das Bezahlen, um Kreditanfragen oder um Geldanlagen geht.

 

Über Miriam Wohlfarth:

Miriam Wohlfarth hat die Online-Payment-Szene mit aufgebaut. In der europäischen Start-up- und Payment-Welt ist die Gründerin und Geschäftsführerin von RatePAY nicht nur als Unternehmerin, sondern auch als Referentin, Netzwerkerin und Mentorin bekannt. Bei RatePAY verantwortet sie die Bereiche Innovation, Business Development und Marketing. Miriam begleitet und unterstützt Organisationen wie den Merchant and Risk Council (MRC), den Frauenbeirat der HypoVereinsbank (HVB) oder das Netzwerk Global Digital Women. Außerdem initiiert Miriam verschiedene Events wie die Payment Exchange oder den Payment Insider und hat die „Goldene Transaktion“, einen deutschen Payment-Preis, ins Leben gerufen.

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