Was sind Wertpapiere?

Wertpapiere sind nur halb so kompliziert, wie Du vielleicht glaubst. Wenn Du Dich etwas mit der Materie beschäftigst und die Funktionsweise verstanden hast, kannst Du Dich schon bald an Dein erstes Investment wagen.

Erinnerst Du Dich noch an Deine allererste Autofahrt? Obwohl Du davor höchstens mal auf dem Beifahrersitz gesessen, aber die meisten Wege ohnehin viel lieber zu Fuß oder mit dem Bus zurückgelegt hattest, hast Du Dich hinters Steuer geklemmt, den Schlüssel ins Zündschloss gesteckt und bist tausend Kilometer durch die Republik gefahren. Wohl eher nicht, oder?

Vermutlich hast Du erst dann allein ein Auto gelenkt, als Du die wichtigsten Verkehrsregeln kanntest und Dir ein Fahrlehrer Hilfestellung gab, wann Du die Kupplung treten musst und an welchem Knopf der Scheibenwischer angestellt wird. Nach ein paar Fahrstunden konntest Du das Fahrzeug schon recht souverän durch den Verkehr manövrieren und heute ist Autofahren zur Selbstverständlichkeit geworden und hat einen großen Teil der anfänglichen Komplexität verloren.

Was wir damit sagen wollen? Wenn Du Dich bisher noch nie mit Wertpapieren auseinandergesetzt hast, solltest Du auch nicht direkt losziehen und Dein Erspartes in irgendeine Aktie investieren. In den meisten Fällen führt das nicht zum Erfolg. Aber auch, wenn Du zu der Mehrheit der Frauen zählen solltest, die Wertpapiere für viel zu kompliziert halten, solltest Du die Furcht vor der Börse überwinden. Es lohnt sich. Denn genauso wie Du mit dem Auto schneller an Dein Ziel gelangst, kannst du mit Wertpapieren schneller Deine Sparziele erreichen.

Du musst dafür nicht jedes Wertpapierkonstrukt im Detail verstehen und keine hellseherischen Fähigkeiten entwickeln. Zum Autofahren musst Du auch nicht verstehen, wie der Motor genau funktioniert und Reparaturen überlässt Du der Werkstatt. Wir erklären Dir die wichtigsten Begriffe, Funktionen und Zusammenhänge rund ums Thema Wertpapiere:

 

Was sind Aktien?

Eine Aktie ist eine Unternehmensbeteiligung. Als Aktionärin bist Du also Mitinhaberin eines Unternehmens und erhältst je nach Aktienart entsprechende Mitbestimmungsrechte, aber auch das Recht auf eine Beteiligung am Gewinn „Deiner“ Aktiengesellschaft (AG). Diese Gewinnbeteiligung wird regelmäßig in Form einer Dividende anteilig an alle Aktionäre ausgeschüttet. Wichtig: Dividenden werden unabhängig von möglichen Kursschwankungen ausbezahlt.

Neben der Dividende haben Aktionäre auch die Möglichkeit, von Kursgewinnen zu profitieren. Aktien werden an der Börse gehandelt, die man sich als großen Marktplatz vorstellen kann, auf dem Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen. Der Preis (Kurs) einer Aktie hängt von Angebot und Nachfrage ab. Je begehrter eine Aktie ist, desto höher steigt ihr Kurs. Gewinneinbrüche oder negative Zukunftsaussichten eines Unternehmens oder einer ganzen Branche können andererseits auch dafür sorgen, dass der Kurs sinkt. Im schlechtesten Fall werden die Papiere wertlos.

 

Was sind Anleihen?

Im Unterschied zu Aktien repräsentieren Anleihen keinen Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens, sondern an dessen Fremdkapital. Man bezeichnet sie daher auch als Schuldverschreibungen. Als Besitzerin von Unternehmens- oder Staatsanleihen, auch Bonds genannt, trittst Du als Gläubigerin auf. Im Grunde vergibst Du einen Kredit, den Du am Ende einer vorher festgelegten Laufzeit wieder zurückerhältst. Im Gegenzug verpflichtet sich das Unternehmen, beziehungsweise der Staat, regelmäßig Zinsen an Dich zu bezahlen.

Der Kurs einer Anleihe wird in Prozent angegeben und kann ebenso wie Aktienkurse im Zeitverlauf schwanken. Für die Kursänderungen sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Verschlechtert sich etwa die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Schuldners, sinkt der Kurs. Sinkt das allgemeine Zinsniveau am Kapitalmarkt, ziehen Anleihekurse an.

 

Warum gibt es Aktien und Anleihen?

Unternehmen geben Aktien und Anleihen heraus, um Kapital — beispielsweise für eine Expansion oder Produktentwicklung — zu beschaffen. Natürlich könnten sie ganz klassisch einen Kredit bei der Bank beantragen. Schneller und einfacher geht es aber an der Börse, wo sie Geld von vielen Kapitalgebern einsammeln.

 

Was sind Fonds?

Bei einem Fonds handelt es sich nicht um ein einzelnes Wertpapier, sondern um eine Art Topf mit vielen verschiedenen Wertpapieren (Portfolio). Als Fondsanlegerin kaufst Du Anteile an einem solchen Portfolio. Der Vorteil gegenüber Einzelwerten ist, dass Fonds in sich bereits eine gewisse Risikostreuung (Diversifikation) aufweisen. Dadurch kann die Verlustgefahr gedämpft werden. Aktiv gemanagte Portfolios werden von Fondsmanagern zusammengestellt, die sämtliche Werte im Blick behalten und steuern.

Fonds gibt es zudem mit ganz unterschiedlichen Anlageschwerpunkten: Neben Mischfonds, die gleichzeitig in mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und Edelmetalle investieren können, enthalten andere Portfolios ausschließlich das eine oder das andere. Darüber hinaus gibt es Fonds, die sich auf bestimmte Branchen konzentrieren oder ausgewählte Anlageregionen abdecken, daneben Fonds, die nur Titel von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen enthalten und andere mit eingebauten Mechanismen zur Wertsicherung. Fondsanleger haben die Qual der Wahl unter schätzungsweise 12.000 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds.

 

Was sind ETFs?

Neben aktiv gemanagten Fonds gibt es passive Fonds, sogenannte Exchange Traded Fonds (ETFs). Im Gegensatz zu den aktiv gemanagten Fonds werden ETFs nicht von einem Fondsmanager aktiv verwaltet und zusammengestellt. Die meisten ETFs basieren auf Marktindizes. Wahrscheinlich kennst Du aus den Nachrichten den DAX (deutscher Aktienindex); dieser Index fasst die 30 größten Aktiengesellschaften in Deutschland zusammen.

Mit einem DAX-ETF zum Beispiel kaufst Du Anteile an einem Portfolio, welches die Aktien der 30 größten Unternehmen Deutschlands beinhaltet. Damit profitierst Du neben den Kursgewinnen auch an den Dividenden dieser Unternehmen.

Vorteil: Die Gebühren sind in der Regel deutlich niedriger als bei aktiven Fonds. Nachteil: Da das Portfolio dem Vorbild des Index’ folgt, kannst Du mit ihnen auch maximal die Rendite des Marktes erzielen und nicht mehr.

 

Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind Schuldverschreibungen. Anders als bei Anleihen, leitet sich der Preis eines Zertifikats allerdings immer von der Entwicklung eines zugrundeliegenden Basiswerts ab. Das können Aktien oder Anleihen sein, aber auch Rohstoffe oder Börsenindizes. Je nachdem, wie solch ein Zertifikat konstruiert ist, lässt sich damit von verschiedenen Marktbewegungen profitieren, von steigenden, aber auch von fallenden oder seitwärts tendieren Kursen. In Zertifikate solltest Du erst dann investieren, wenn Du schon Erfahrung an der Börse gesammelt hast. Für Anfänger eignen sie sich wegen ihrer teilweise komplexen Konstruktionen nicht.

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