Privatkredit statt Dispo

Den Thermomix auf Pump finanzieren? Warum es sich manchmal lohnt, einen Kredit aufzunehmen, und worauf man dabei achten sollte.

Egal, ob es um den spontanen Wochenendtrip nach Paris geht oder das Auto dringend eine neue Zylinderkopfdichtung benötigt – für die Finanzierung ist der Dispokredit eine feine Sache. Dringende oder unvorhergesehene Ausgaben lassen sich mit ihm auch kurzfristig decken, selbst wenn das nächste Gehalt noch aussteht oder man den Betrag noch nicht vollständig angespart hat. Der Kreditrahmen auf dem Girokonto steht einem als Liquiditätspolster für den Notfall immer zur Verfügung, ohne dass man sich laufend mit der Bank absprechen müsste.

Aber: Die ständige Verfügbarkeit hat auch ihren Preis. Der Dispo ist eine der teuersten Kreditformen. Im Durchschnitt lag der jährliche Zinssatz laut Stiftung Warentest im Jahr 2017 bei 9,78 Prozent. Die Spanne zwischen den Banken ist dabei, so stellten die Verbraucherschützer fest, recht groß und lag im selben Jahr zwischen 13 bis 14 Prozent in der Spitze und sechs bis sieben Prozent bei vielen Direktbanken. Wer seinen Dispo also regelmäßig nutzen möchte, für den lohnt es sich unbedingt, Konditionen zu vergleichen.

 

Günstigere Alternative

Trotzdem gilt: Wenn nach einer Anschaffung die nächsten paar Gehaltseingänge regelmäßig nicht ausreichen, das Girokonto wieder nahe Null oder ins Plus zu bringen, sind Finanzierungsalternativen die schlauere Lösung. Am gängigsten ist dabei ein Privatkredit, manchmal auch Konsumenten- oder Ratenkredit, Anschaffungs- oder Verbraucherdarlehen genannt. Darüber lässt sich dauerhaft günstiger Geld leihen als über den Dispo auf dem Girokonto. Im Februar 2018 lag der Durchschnittszins für Ratenkredite laut der Bundesbankstatistik beispielsweise bei 5,69 Prozent – und damit deutlich unterhalb der meisten Disposätze.

 

Konditionen checken

Ein Privat- oder Ratenkredit ist ein Darlehen, das in einer Summe ausgezahlt und in festen monatlichen Raten zurückgezahlt wird. Zinssatz, Laufzeit und die Höhe der monatlichen Zahlungen legen Bank und Kunde zu Beginn fest. Das macht einen Ratenkredit zu einer überschaubaren und gut kalkulierbaren Angelegenheit.

Der Preis für einen Privatkredit lässt sich am besten über den effektiven Jahreszins beurteilen. In ihn sind die Gesamtkosten für das Darlehen, also inklusive Bearbeitungsgebühren etc., einkalkuliert. Kreditgeber sind verpflichtet, diesen Zins auszuweisen. Über ihn lassen sich unterschiedlich gestaltete Kreditangebote vergleichen. Der Preis allein sollte allerdings nicht den Ausschlag geben. Es lohnt sich, zusätzlich einen Blick auf die sonstige Vertragsgestaltung zu werfen. Wie wird mit Zahlungsverzug umgegangen? Oder lässt der Vertrag zum Beispiel (kostenfrei) Sondertilgungen oder eine vorzeitige Ablösung zu? Das mag nicht allen Kunden wichtig sein, aber wer sich diese Optionen offenhalten will …

Grundsätzlich kann ein Kunde zwischen bonitätsunabhängigen – alle zahlen denselben Preis – oder bonitätsabhängigen Konditionen wählen. Nicht alle Banken bieten aber beides an. Bei bonitätsabhängigen Konditionen wird der Kredit günstiger, je besser die Bonität des Kunden bei der Schufa bewertet ist. Da der Preis aber erst ermittelt wird, wenn der Kunde konkret eine Anfrage startet, müssen Kreditgeber zur Voraborientierung per Gesetz den sogenannten Zweidrittelzins angeben: Das ist der Preis, den mindestens zwei Drittel aller Kunden erhalten können. Er ist aussagekräftiger als zum Beispiel der in der Werbung gern angeführte Minimalzins, den ausschließlich Kunden mit erstklassiger Bonität bekommen. Interessanterweise schätzen nämlich viele Menschen ihre Bonität anders – meist besser – ein als die Schufa.

Wer sich für ein Darlehen interessiert, sollte darauf achten, dass der Kreditgeber bei der Schufa eine „Konditionenabfrage“ und keine „Kreditanfrage“ startet. Nur dann bleibt die Anfrage neutral für die eigene Bonität, für den Fall, dass man den angepeilten Kredit dann doch nicht nimmt.

 

Teuer gegen günstiger tauschen

Fällt die Schufa-Anfrage positiv aus, braucht der Kunde beim Ratenkredit in der Regel keine weiteren Sicherheiten zu stellen. Nur bei der Neuwagenfinanzierung wird schon mal die Zulassungsbescheinigung Teil II, der frühere Fahrzeugbrief, einbehalten.

Eine Finanzierung kann man über eine Bank oder oft auch direkt über den Hersteller seines Lieblingsprodukts abschließen. So ziemlich jeder Möbel-, Urlaubs- und Küchenanbieter, jedes Versand- oder Autohaus hat inzwischen auch eine Finanzierung im Regal. Der Vorteil eines Bankkredits ist, dass er nicht zweckgebunden ist, man bei der Verwendung des Geldes also freier ist. Er lässt sich so zum Beispiel zwischen Urlaub, Einrichtung und Umschuldung des Dispos aufsplitten. Zudem kann man durch Barzahlung in Geschäften oft zusätzliche Rabatte erzielen, die es dort bei einer Kreditfinanzierung nicht gibt.

Zurzeit werden Ratenkredite gerne abgeschlossen um umzuschulden: Etwa um das Girokonto wieder geordnet ins Plus zu bringen – und so im Alltag wieder ein bisschen liquider zu werden – oder teurere Kredite in günstigere umzutauschen. Ob sich das lohnt, lässt sich über entsprechende Umschuldungsrechner im Netz durchkalkulieren. Sie helfen, die Vor- und Nachteile einer Umschuldung abzuwägen. Wichtig ist zum Beispiel, dass man eventuell vertraglich vorgesehene Vorfälligkeitsentschädigungen für den alten Vertrag oder andere Gebühren mit einplant, ebenso wie die neuen Rückzahlungsmodalitäten, die auch zu einem passen müssen.

Unterm Strich eignen sich Privat- oder Ratenkredite für das Finanzieren tendenziell höherer Beträge über längere Zeiträume. Dispokredite sind dagegen für den kurzfristigen Geldbedarf nützlich – für eher niedrige Summen und über kürzere Zeiträume von wenigen Monaten.

 

Finanzierungsalternativen

Der Dispo sollte nur im Notfall genutzt werden. Jeder Monat unnötig genutzter Dispo kostet Dich viel Geld.

 

Beispiel 1
Zu finanzieren: 5.500 Euro als Anzahlung für den Jahresurlaub.
Laufzeit: 12 Monate.

* Bei einem effektiven Jahreszins von 9,78 Prozent (Durchschnittssatz 2017 laut „Finanztest“). Monatlich wird das Girokonto mit 480 Euro zurückgeführt.

** Bei einem effektiven Jahreszins von 5,69 Prozent (Durchschnittssatz 2/2018 laut Bundesbankstatistik). Monatlich werden 472 Euro zurückgeführt.

 

Beispiel 2
Zu finanzieren: 12.500 Euro für eine neue Küchenzeile (und einen Barzahlerrabatt).
Laufzeit: 36 Monate.

* Bei einem effektiven Jahreszins von 9,78 Prozent (Durchschnittssatz 2017 laut „Finanztest“). Monatlich wird das Girokonto mit 400 Euro zurückgeführt.

** Bei einem effektiven Jahreszins von 5,69 Prozent (Durchschnittssatz 2/2018 laut Bundesbankstatistik). Monatlich werden 377 Euro zurückgeführt.

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