Elternzeit ist Reisezeit

Viele Familien nutzen die Erziehungszeit, um sich die Welt anzusehen. Bei geschickter Planung sind mehrere Monate gemeinsame Auszeit möglich.

Tim ist drei Jahre alt, sein Bruder Theo gerade frisch geboren, als die Eltern der beiden das Fernweh packt. Sechs Wochen möchten sie mit Kind und Kegel im Wohnmobil durch Kanada cruisen, die Natur erleben, sich treiben lassen und das neue Familienglück genießen. Schon vor den Kindern sind Julia und Marco leidenschaftlich gerne gereist und haben abgesehen von Asien alle Kontinente besucht. Sollten sie sich jetzt den Kindern zuliebe damit anfreunden, den Sommerurlaub zukünftig im benachbarten Dänemark zu verbringen? Weil man das als Familie mit kleinen Kindern eben so macht?

Für Julia und Marco kam das nicht infrage, im Gegenteil. Schon als Tim acht Monate alt war, haben sie die Koffer gepackt, um nach Neuseeland aufzubrechen. Bereut haben sie die Reise keine Sekunde. „Gerade weil Tim noch ein Baby war und außer Muttermilch, sauberen Windeln und unserer Nähe nicht viel brauchte, war die Reise für uns alle ziemlich entspannt“, erzählt Julia.

Die ersten zwölf Monate nach der Geburt des Kindes sind für viele junge Familien sehr kostbar. Das kleine Familienmitglied krempelt den Alltag um, es gibt neue Aufgaben und neue Rollen. Auf einmal ist man nicht mehr nur Mann und Frau, sondern Mama und Papa, Pflegekraft, Küchenchef und Hausfrau oder Hausmann. Die Nächte werden kürzer und die geselligen Abende mit Freunden weniger. Nebenbei fordert der Beruf weiterhin viel Zeit und Energie. Viele Eltern entscheiden sich daher, einen Teil ihrer gemeinsamen Erziehungsmonate im Ausland zu verbringen, wo sie fernab vom stressigen Alltag als Familie zusammenwachsen können.

 

Gemeinsame Auszeit planen

Wer die Elternzeit clever plant, kann sich dank Elterngeld mehrere Monate bezahlte Auszeit gönnen. Elterngeld ist wie Krankengeld und Arbeitslosengeld I eine Lohnersatzleistung und wird in Höhe von 65 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens im Jahr vor der Geburt des Kindes ausbezahlt. Je nachdem wie hoch das Gehalt war, beträgt das Elterngeld pro Monat zwischen 300 und maximal 1.800 Euro. Für Mehrlinge gibt es einen Zuschlag in Höhe von 300 Euro pro Monat und Kind. Anspruch auf Elterngeld haben grundsätzlich alle Erwerbstätigen, die nach der Geburt ihres Kindes für eine bestimmte Zeit aus dem Beruf aussteigen. Der Anspruch gilt auch für Adoptivkinder. Bezahlt wird die Leistung für zwölf Monate beziehungsweise 14 Monate, wenn beide Elternteile aussetzen. So ist es theoretisch möglich, dass Mutter und Vater gleichzeitig sieben Monate im Job pausieren. On top kommt zudem das Kindergeld, das zurzeit 194 Euro pro Monat beträgt1.

 

Günstiger reisen

Die Elternzeit für einen ausgedehnten Familienurlaub zu nutzen lohnt sich auch mit Blick auf die Ausgaben. Babys verursachen unterwegs deutlich geringere Kosten. Das beginnt schon beim Flugticket, da Kleinkinder unter zwei Jahren besonders günstig, manchmal sogar kostenlos mitfliegen. Das Ticket für Tim nach Neuseeland kostete damals 100 Euro – heute müssten sie dafür mehr als 1.000 Euro auf den Tisch legen. Babybetten bieten viele Hotels kostenlos an, oder das Kind schläft einfach mit im Bett der Eltern. Auch zusätzliche Ausgaben fürs Essen kann man bei der Reise mit einem Säugling getrost vernachlässigen. Zudem profitieren Eltern von Kleinkindern von günstigeren Preisen außerhalb der Feriensaison.

 

Wohin soll es gehen?

Was das Reiseziel angeht, sind Babys anspruchslos. Dem kleinen Theo wäre es egal gewesen, ob er den Taj Mahal besucht oder die Mecklenburger Seenplatte. Wichtig ist lediglich, darauf zu achten, dass für den Urlaubsort kein besonderer Impfschutz empfohlen wird, der erst ab einem bestimmten Alter verabreicht werden kann, und dass extreme Temperaturen den kleinen Körper nicht zu sehr belasten. Die Bedürfnisse von älteren Kindern sollten Eltern bei der Planung unbedingt berücksichtigen. „Tim ist ein Naturkind“, sagt Marco, „er liebt es, draußen zu sein und durch Wälder und Gestrüpp zu streunen.“ Außerdem wollten die Eltern nicht zu viele Programmpunkte festlegen, sondern sich eher treiben lassen. Kanada ist mit Camping am Lagerfeuer, viel Ruhe und einem Hauch von Abenteuer in der Wildnis für die Familie das ideale Reiseziel.

 

Checkliste für die Reiseplanung:

Flugkosten
Gerade wenn die Kinder noch sehr jung sind, lässt sich beim Flug besonders viel einsparen. Viele Fluggesellschaften transportieren Kinder unter zwei Jahren auf Lang- und Kurzstrecken kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr. Voraussetzung ist, dass das Kind keinen eigenen Sitzplatz benötigt. Mit Tragetuch und wenn man sich als Eltern abwechseln kann, funktioniert das aber auch auf Langstrecken ganz gut.

Versicherung
Unverzichtbar sind eine Auslandsreisekrankenversicherung und eine Reiserücktrittsversicherung. Im europäischen Ausland springt zwar in der Regel die gesetzliche Krankenversicherung ein, allerdings nur für „notwendige medizinische Leistungen“. Ein Rücktransport in die Heimat ist beispielsweise nicht standardmäßig abgedeckt und kann selbst aus Nachbarländern teuer werden.

Reisepass
Wer mit seinem Kind verreist – und sei es nur ein Inlandsflug von München nach Frankfurt –, benötigt ein gültiges Reisedokument. Für viele Strecken reicht ein Kinderreisepass, der kurzfristig beim zuständigen Einwohnermeldeamt ausgestellt wird. Das Dokument ist sechs Jahre gültig und kostet 13 Euro. Gegen eine Gebühr von sechs Euro kann das Dokument aktualisiert werden. Bei Kleinkindern empfiehlt sich eine Aktualisierung mit neuem Foto einmal pro Jahr. Der Kinderreisepass kann bis zum zwölften Geburtstag des Kindes verwendet werden. Für Reisen in Länder außerhalb der EU ist auch schon für Babys und Kleinkinder ein elektronischer Reisepass notwendig. Die Ausstellung kostet 37,50 Euro, und das Dokument ist sechs Jahre lang gültig. Unbedingt bei der Reiseplanung bedenken, dass die Bearbeitung bis zu sechs Wochen dauern kann.

Kreuzfahrt
Kinder unter 15 Jahren reisen in der Regel zu ermäßigten Konditionen (ca. 35 Prozent), in manchen Fällen sogar kostenlos. Pluspunkt für mehr Entspannung: Bei den meisten Kreuzfahrten gibt es Unterhaltungsprogramme für Kinder inklusive. Auf Kreuzfahrtschiffen gilt häufig ein Mindestalter von sechs Monaten, bei längeren Fahrten sogar von zwölf Monaten, und die Kinder müssen ausreichend geimpft sein.

Budget planen und kontrollieren
Die konkreten Reisekosten sind so individuell wie die Ansprüche der Reisenden. Ausführliche Tipps für die Planung bietet der Ratgeber „Reisebudget-Planung für Familien“. Das Buch kostet 16,95 Euro und beleuchtet das Thema der Reisefinanzierung für Familien von vielen Seiten. Angefangen damit, wie man sein individuelles Familien-Reisebudget aufstellt und anspart, über preisgünstige Reiseziele und Reisearten für Familien bis hin zu zahlreichen Tipps, wie Eltern mit Kindern auf Reisen clever Geld sparen und zusätzliche Einnahmen erzeugen können.

 

1 Stand: 2018

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