Deutschland spart sich arm

28. Januar 2019 | Arno Walter


Die Deutschen haben 2018 fast 40 Milliarden Euro durch niedrig verzinste Geldanlagen verloren. Ein Grund dafür ist oftmals fehlende Finanzbildung, erklärt comdirect-CEO Arno Walter.

2018 war ein turbulentes Jahr für Aktienanleger. Der deutsche Leitindex DAX etwa schloss nach einem guten ersten Halbjahr am Jahresende um rund 18 Prozent unter dem Wert vom Jahresanfang. Klar ist: Mittel- und langfristig gesehen hat der DAX seinen Anlegern dank positiver Kursentwicklung und Dividendenzahlungen trotz der jüngsten Verluste eine gute jährliche Rendite beschert. Dennoch kosteten die Kursschwankungen dem ein oder anderen Aktionär sicherlich einige Nerven.

Arno Walter - CEO comdirect - Blog Autor - Walters Wegweiser

Arno Walter, CEO der comdirect bank AG

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Realzins liegt 2018 bei minus 1,74 Prozent

Festzins-Sparer waren hingegen auf der sicheren Seite – denn sie konnten sicher sein, dass ihr Erspartes an Wert verliert. Fast 40 Milliarden Euro waren es allein im vergangenen Jahr – im Schnitt 470 Euro pro Bundesbürger. Seit Ende 2010 verloren Sparer in Deutschland durch Tagesgeld, Festgeld und Sparbücher über 113 Milliarden Euro. Der Grund dafür ist, dass die Zinsen für diese Sparprodukte deutlich unter der Inflationsrate liegen.

Im Jahr 2018 betrug der Nominalzins für Bankeinlagen durchschnittlich 0,19 Prozent. Die Inflationsrate lag jedoch bei 1,93 Prozent – das führt zu einem Realzins von minus 1,74 Prozent.

Viele Deutsche scheinen diesen schleichenden Wertverlust nicht zu bemerken. Kein Wunder. Denn die Ersparnisse sind am Ende tatsächlich größer als vorher. Das Problem ist nur, dass dieses Geld weniger wert ist. Dazu ein Beispiel: Wer 10.000 Euro bei einem Nominalzins von 0,17 Prozent p.a. anlegt, erhält nach zehn Jahren zwar 10.173 Euro. Bei einer jährlichen Inflation von 2,14 Prozent wäre dieses Geld allerdings – nach heutiger Sicht – nur 8.010 Euro wert.

Wertpapiere für die langfristige Geldanlage

Verstehen Sie mich nicht falsch. Das hier soll kein Plädoyer dafür sein, sein gesamtes Vermögen in Wertpapiere zu stecken. Es kann durchaus sinnvoll sein, einen Teil des Geldes kurzfristig verfügbar zu halten – etwa eine Reserve auf dem Girokonto für unvorhergesehene Ausgaben oder Geld auf dem Tagesgeldkonto für eine in Kürze geplante Anschaffung.

Für die langfristige Geldanlage taugen diese Produkte in der aktuellen Nullzinsphase jedoch nicht. Hier führt an Wertpapieren kein Weg vorbei.

Rechenbeispiele wie das von eben sollten daher fester Bestandteil des Lehrplans an deutschen Schulen sein. Denn nur so lassen sich die Folgen des eigenen Sparverhaltens einschätzen.

Deutschland ist jedoch auch im Jahr 2019 in Sachen Finanzbildung ein Entwicklungsland. Wer nicht das Glück hat, einen Freundes- oder Familienkreis zu haben, in dem offen über Geld und Geldanlage gesprochen wird, kommt mit diesem Thema kaum in Berührung. Aktien, Fonds, Anleihen oder ETFs – gerade junge Menschen können mit diesen Begriffen oft kaum etwas anfangen. Die Folge ist eine große Unsicherheit gerade bei Jüngeren: Jeder vierte 18- bis 34-Jährige traut sich ein Investment in Wertpapiere nicht zu, 39 Prozent haben Angst, die falschen Aktien zu kaufen, wie eine Studie der Aktion pro Aktie zeigt.

Robo Advisor: Einfacher Einstieg in die Wertpapieranlage

Das war in früheren Generationen nicht anders. Damals lagen die Zinsen allerdings um ein Vielfaches höher. Eine Lebensversicherung, vielleicht noch eine Baufinanzierung und eine Betriebsrente, dazu ein Sparbuch, das jedes Jahr zum Weltspartag aufgefüllt wurde – und fertig war die Altersvorsorge. Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert, macht aber den Kern des Problems deutlich: Früher war es nicht so wichtig, die eigenen Finanzen selber in die Hand zu nehmen. Denn das Geld vermehrte sich dank hoher Zinsen quasi von alleine. Diese Zeiten sind jedoch schon lange vorbei!

Das Gute immerhin ist: Die private Geldanlage ist längst kein Hexenwerk mehr. Im Internet gibt es unzählige Informations- und Vergleichsmöglichkeiten. Robo Advisor wie cominvest bieten darüber hinaus schon für vergleichsweise geringe Beträge Zugang zu einer professionellen digitalen Vermögensverwaltung.

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Denn die Deutschen sind grundsätzlich offen für die Geldanlage mit Wertpapieren. Laut unserem aktuellen Anlage-Atlas haben nur 19 Prozent kein oder nur ein geringes Interesse an Aktien. Das heißt: 81 Prozent können sich ein Aktieninvestment grundsätzlich vorstellen.

Co-Autor: Geerd Lukaßen