Mi, 27.06.12 13:05
HALLE (dpa-AFX) - Für die mittel- und osteuropäischen Euro-Aspiranten rückt die Einführung der Gemeinschaftswährung in die Ferne. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). In vielen der betroffenen Ländern leide die Wirtschaft unter den Auswirkungen der Finanzkrise, zudem werde der Euro angesichts der anhaltenden Spannungen im Währungsraum mittlerweile kritischer gesehen.
Länder wie Bulgarien, Ungarn oder Polen haben sich mit ihrem Beitritt zur Europäischen Union verpflichtet, mittelfristig den Euro als gemeinsame Währung einzuführen. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich bei wichtigen nominalen wirtschaftlichen Kenngrößen möglichst dauerhaft an die alte EU annähern.
Doch der Weg dahin ist laut IWH noch weit: Denn die meisten neuen EU-Mitgliedsländer seien von der globalen Finanzkrise hart getroffen worden, so dass das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme Zweifel an der Nachhaltigkeit der bisherigen Konvergenz aufkommen lasse. 'Der Zeitplan für die Erweiterung des Euroraums wird sich verschieben, auch wenn das Ziel der gemeinsamen Währung offiziell derzeit nicht infrage gestellt wird', heißt es in der Studie der Wirtschaftsforscher.
Dazu kämen Zweifel am Euro: Eine Neubewertung der Vor- und Nachteile einer gemeinsamen Währung finde nicht nur in der alten EU, sondern verstärkt auch in den neuen Mitgliedsländern statt. Die Vorteile bezüglich Zinsentwicklungen und Investitionsströmen ließen sich aufgrund der weltweit veränderten Risikobewertung nicht mehr ohne Weiteres sehen. 'Die Investoren werden zukünftig wohl mehr als zuvor ein individuelles, länderspezifisches Risiko annehmen', so das IWH.
Einige Punkte, die als vorteilhaft angesehen werden, sind der Studie zufolge allerdings auch deutlicher geworden. Dazu gehöre beispielsweise, dass eine Mitgliedschaft im Euroraum für die Beteiligung an den politischen Entscheidungen auf europäischer Ebene von großer Bedeutung ist. Der Kern einer zukünftigen Europäischen Union werde sich wohl im Euro-Währungsraum befinden./hbr/bgf



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