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Fr, 13.07.1216:46

Brasilien: Regierung verstärkt Anstrengungen zur Konjunkturbelebung

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die brasilianische Wachstumsdelle dauert länger als ursprünglich erwartet, so die Analysten der DekaBank.

Im ersten Quartal 2012 habe die brasilianische Wirtschaft nur einen leichten BIP-Anstieg gegenüber dem Vorquartal um 0,2% verzeichnet. Der Ausblick für das Verarbeitende Gewerbe bleibe auch für das zweite Quartal eingetrübt. Die Industrieproduktion habe im Mai einen Rückgang von 4,3% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Aber auch der Konsum und die Investitionen seien schwächer als erwartet. Gerade die Investitionsschwäche sei der brasilianischen Regierung ein Dorn im Auge.

Als Reaktion auf den schwachen privaten Konsum habe die Regierung Steuerbegünstigungen für den Kauf von langlebigen Konsumgütern verlängert. Um die Investitionstätigkeit zu beleben, habe die Regierung kürzlich ein Programm für Ausrüstungsinvestitionen in Höhe von zusätzlichen 4,2 Mrd. USD angekündigt. Zudem solle die Kreditvergabe, die bislang hinter den Erwartungen der Regierung zurückbleibe, angekurbelt werden.

Die brasilianische Entwicklungsbank, die in Brasilien eine deutlich wichtigere Rolle spiele als hierzulande, habe die Kreditvergabe für große Unternehmen erhöht. Viele Unternehmen, vor allem aus dem Verarbeitenden Gewerbe, würden eine harte Konkurrenz aus dem Ausland beklagen. Und dies obwohl der Real in den vergangenen Monaten deutliche Einbußen habe hinnehmen müssen.

Die Brasilianische Zentralbank habe am 11. Juli den Leitzins um 50 Basispunkte auf 8,0% gesenkt. Sie habe auch deutlich gemacht, dass zumindest ein weiterer Zinsschritt nach unten zu erwarten gewesen sei. Die Analysten würden mit einer weiteren Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 7,50% rechnen. Der Trend zu fallender Inflation habe sich auch im Juni fortgesetzt. Die Jahresveränderungsrate der Konsumentenpreise habe im Juni zur Freude der Währungshüter lediglich 4,9% betragen.

Brasilien habe die Verschuldung seit dem Krisenjahr 2002 deutlich zurückgefahren. Damals habe die öffentliche Verschuldung rund 77% des Bruttoinlandsprodukts betragen. Im vergangenen Jahr seien es noch knapp 60% des BIP gewesen, Tendenz leicht fallend. Obwohl die Finanzierungskosten im Lauf der Jahre zurückgegangen seien, würden die festen Ausgaben im Budget einen sehr hohen Anteil ausmachen. Diese würden der Regierung den fiskalischen Spielraum in schwierigen Zeiten entziehen.

Die Ratingagenturen hätten die Bonitätseinschätzung Brasiliens im Laufe des vergangenen Jahres angehoben: Fitch im April von BBB- auf BBB und Moody's im Juni von Baa3 auf Baa2. Begründet worden seien diese Schritte durch einen günstigeren Ausblick für das Potenzialwachstum, wodurch es leichter werde, die fiskalischen Herausforderungen zu meistern.

Politisch bleibe die Lage angespannt. Viele Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation sowie personelle Entscheidungen im Kabinett hätten die Unterstützung wichtiger Koalitionspartner gekostet. Die Querelen im Vorfeld der Kommunalwahlen, die im Oktober stattfinden würden, dürften zu einem Stillstand im Reformprozess führen. Ohnehin habe die Regierung den Fokus auf die Rückkehr Brasiliens zum Wachstumspfad gesetzt, während strukturelle Reformen in den Hintergrund geraten seien. (13.07.2012/ac/a/m)



Quelle: AKTIENCHECK.DE