News bei comdirectHilfe und InfosSeite druckenSeite aktualisieren

Mi, 08.08.1216:38

FED: Flügelkämpfe um QE3

Hannover (www.aktiencheck.de) - Die innerhalb der US-Notenbank ausgetragenen Flügelkämpfe treten zunehmend offener zu Tage, so die Analysten der Nord LB.

Zwei derzeit nicht stimmberechtigte regionale FED-Präsidenten - Richard Fisher und Eric Rosengreen - hätten sehr offene und klare Worte gefunden. Fisher habe sich unmissverständlich gegen weitere Stützungsmaßnahmen der FED ausgesprochen und sehe den Kongress unter Zugzwang. Rosengreen hingegen glaube an die absolute Notwendigkeit neuer Eingriffe der US-Notenbanker. Das Wachstum sei seiner Auffassung nach zu niedrig. Er würde sich ein nominales BIP-Target der FED wünschen und sehe am aktuellen Rand große Probleme, die mit geldpolitischen Maßnahmen angegangen werden könnten. Dabei habe sich der regionale Notenbanker aus Boston gegen das Argument gewandt, dass sich die FED vor der Präsidentschaftswahl aus politischen Gründen zurückhalten sollte.

Manche Beobachter scheinen Rosengreens ungewöhnlich kritischen Anmerkungen als Hinweis auf eine gewisse Verzweifelung zu sehen und werten dies als Indikation dafür, dass ein mögliches QE3 im FOMC weniger konsensfähig ist, als bisher gemeinhin erwartet worden war, so die Analysten der Nord LB. Diese Interpretation der Kommentare sei nachvollziehbar - aber eventuelle bereits etwas übertrieben.

Interessant sei, dass Rosengreen die aktuellen US-Arbeitsmarktdaten ziemlich negativ bewerte. Die Analysten würden hier eher den Marktteilnehmern folgen wollen, und die Zahlen leicht positiv interpretieren. Zwar sei die Arbeitslosenquote leicht auf 8,3% angestiegen - genau genommen von 8,22% auf 8,25% - es habe sich aber ein Stellenaufbau um 163.000 Personen ergeben. Folglich würden sich im Fokus der Finanzmärkte stehenden "Payrolls" marginal freundlicher präsentieren, als von den meisten Beobachtern erwartet worden sei. In der Privatwirtschaft seien dabei 172.000 neue Jobs entstanden - davon immerhin 25.000 im Produzierenden Gewerbe.

Am Montag habe sich auch Ben Bernanke zu Wort gemeldet. Der FED-Chef habe betont, dass die aktuellen Konjunkturdaten schon eine Erholung zeigen würden. Er sei allerdings den Menschen in den Fokus gerückt. Dabei habe Bernanke betont, dass aggregierte Makro-Daten das Schicksal von Menschen überdecken könnten. In der von der Presse als geradezu philosophisch interpretierten Wortmeldung scheine er weniger eine Nachricht an die Finanzmärkte und mehr eine Aufforderung an die in den Elfenbeintürmen der Universitäten arbeitenden Volkswirte gesandt zu haben, die in den Augen des FED-Chefs wohl ihre Perspektive überdenken sollten.

Der Senior Loan Officer Survey zeige Entspannungstendenzen an. Die Umfrage belege, dass die Geschäftsbanken ihre Standards für die Kreditvergabe nicht verschärft, sondern in der Tendenz gelockert hätten. Offenbar zwinge der Wettbewerbsdruck die US-Finanzwirtschaft zu einer etwas offensiveren Geschäftspolitik. Die US-Notenbank sehe zudem Hinweise eine stärkere Nachfrage nach Krediten zur Finanzierung von PKW-Käufen. Diese Nachricht passe gut zum Bild einer recht starken Automobilnachfrage. Zudem würden sich aus den Angaben der FED Signale ablesen lassen, die in Richtung einer deutlichen Stabilisierung des Immobilienmarktes deuten würden. (08.08.2012/ac/a/m)



Quelle: AKTIENCHECK.DE