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'Welt': Wohl noch kein EZB-Beschluss für sofortige Anleihenkäufe am Donnerstag
BERLIN (dpa-AFX) - Vor der viel beachteten Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag dämpfen Notenbankkreise laut einem Pressebericht die Erwartungen. Wer einen konkreten Beschluss für sofortige Anleihekäufe erwarte, werde womöglich enttäuscht, sagten mehrere Notenbanker der Tageszeitung 'Die Welt' (Dienstagsausgabe). EZB-Präsident Mario Draghi hatte zwar vergangene Woche angekündigt, alles Erforderliche zum Erhalt des Euro zu tun, was vielfach als Fingerzeig für neue Käufe von Staatsanleihen interpretiert wurde. 'Draghi dürfte sich aber rhetorisch ein wenig vergaloppiert haben', mutmaßt laut 'Welt' ein Euro-Notenbanker. Die Erwartungen an die Donnerstagssitzung seien dadurch wohl zu hoch. Auch in Zentralbankkreisen anderer Länder vermutet man, dass Draghi keinen sofortigen Eingriff in den Anleihemarkt plane.
Viele Mitglieder des EZB-Rates sind zwar nach Informationen der 'Welt' anders als Bundesbankpräsident Jens Weidmann weiteren Anleihekäufen nicht grundsätzlich abgeneigt. Allerdings sind sie der Auffassung, dass zunächst politische Schritte unternommen werden müssten. Zwar gebe es auch Ratsmitglieder, die Spanien oder Italien um jeden Preis helfen wollten, sagte ein Notenbanker der Zeitung. 'Aber die meisten sind vernünftig - es macht einen Unterschied, ob die Zentralbank ganz allein losmarschiert oder ob sie eine Politik der Staaten unterstützt, die schon in die richtige Richtung führt.' Es bestehe die Sorge, dass zugesagte Reformen später aufgeweicht würden, wenn die Zentralbank erst einmal in Vorleistung gegangen sei, hieß es. 'Die EZB wird bei großen Rettungsschritten nicht allein marschieren', sagte ein weiterer hochrangiger Notenbanker der Zeitung.
Spekuliert wurde zuletzt über ein konzertiertes Vorgehen der Notenbank mit dem EFSF. Der Rettungsfonds könnte Spanien neue Anleihen direkt abnehmen, während die Zentralbank am so genannten Sekundärmarkt frühere Emissionen kaufen würde. Bisher gibt es aber weder einen Hilfsantrag Spaniens noch eine Entscheidung, dem EFSF Anleihekäufe zu ermöglichen. Dies dürfte bis Donnerstag wohl auch kaum zustande kommen, hieß es laut 'Welt' in den Notenbankkreisen.
In Notenbankkreisen werde darüber spekuliert, dass der Rat zusätzlich kleinere Hilfsmaßnahmen beschließen könnte, um die Märkte bei Laune zu halten. So könnte es etwa weitere Zugeständnisse bei den Sicherheiten geben, die Banken als Pfand für Zentralbankkredite bieten müssen. Auch der Aufkauf von Anleihen privater Emittenten gilt als denkbare Option./jsl/hbr
Quelle: dpa-AFX
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