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Geldmarkt auf Kollisionskurs mit Null-Prozent-Marke
Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Geldmarktsätze im Euroraum nähern sich der Null-Prozent-Marke, so die Analysten der Helaba.
Werde eine negative Verzinsung bei kurzfristigen Geldmarktsätzen bald Normalität sein? Volkswirtschaftlich betrachtet sei dies problematisch - historisch gesehen eher unwahrscheinlich.
Nach der letzten Zinssenkung der EZB sei der EONIA-Tagesgeldsatz von 0,3% auf 0,1% gesunken. Eine weitere Lockerung des Refinanzierungssatzes auf 0,5% in Verbindung mit einer Reduzierung des Einlagenzinssatzes auf -0,25% würde vermutlich zu Negativzinsen führen. Die EZB prüfe derzeit, ob sie diesen Strafzins einführen solle. Damit würde es für Banken unattraktiv, das Geld bei der EZB zu parken - immerhin derzeit rund 300 Mrd. Euro. Damit verbunden wäre die Hoffnung, dass die freigesetzte Liquidität den Interbankenmarkt und den Unternehmen zugute komme. Ob diese gewünschten Effekte tatsächlich eintreten würden, sei jedoch fraglich.
Zu beachten wären ferner die Auswirkungen negativer Zinsen auf die Volkswirtschaft und die Finanzmärkte. Klar sei, dass damit Sparen unattraktiver und ein Leben auf Pump sogar belohnt würde. Dies setze falsche Anreize und es sei unwahrscheinlich, dass man damit schneller aus der allgemeinen Schuldenkrise komme. Für Geldmarktfonds, die eine nicht unbedeutende Rolle im Finanzsystem einnehmen würden, seien die jüngsten Tendenzen ebenfalls nicht unkritisch. Allerdings würden sich die Chancen auf den Fortbestand der Währungsunion erhöhen.
Für die Krisenländer würde die Refinanzierung auf einem relativ auskömmlichen Niveau möglich sein, mit positiven Auswirkungen auf ihre Solvenz. Allerdings dürfte das Ziel, Zeit für Reformen zu gewinnen und bei einer wieder besser laufenden Konjunktur das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, auch mit den geplanten EZB-Käufen von kurzlaufenden Staatsanleihen erreicht werden. Für die Kurse von Bundesanleihen, die negativ auf sinkende Risikoaufschläge und abnehmende Euro-Ängste reagieren würden, seien diese Maßnahmen jedoch Gift.
Für alle Marktakteure gelte, sich mit dem Szenario negativer EONIA-Tagesgeldsatz im Euroraum zumindest gedanklich auseinanderzusetzen. In Dänemark seien sogar die Zweiwochensätze schon unter die Null-Marke gesunken. Ähnlich wie in der Schweiz, wo ebenfalls negative Geldmarktsätze geboten würden, fließe derzeit viel ausländisches Kapital in diese Länder. Historisch gesehen spreche gleichwohl wenig dafür, dass Negativzinsen am Geldmarkt nachhaltig seien. Sowohl in Japan als auch in den USA habe es keine Phase gegeben, in denen die Geldmarktsätze über einen nennenswerten Zeitraum negativ gewesen seien. (17.08.2012/ac/a/m)
Quelle: AKTIENCHECK.DE
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