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Chinas Q2-BIP-Zahlen: Talsohle der weichen Landung scheint endlich erreicht
Hannover (www.aktiencheck.de) - Heute früh gaben die chinesischen Behörden wichtige Indikatoren zur Wirtschaftsentwicklung im Reich der Mitte bekannt. Hierbei haben die BIP-Wachstumszahlen für das zweite Quartal bereits im Vorfeld für rege Spekulationen gesorgt, so die Analysten der Nord LB.
Einige Marktbeobachter seien gar von einem signifikanten Einbruch der Wachstumsdynamik in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft ausgegangen. Das BIP-Wachstum habe sich tatsächlich signifikant auf 7,6% Y/Y abgeschwächt und liege damit noch einmal deutlich unter der Rate aus dem ersten Quartal in Höhe von 8,1% Y/Y.
Die Meldung aus der chinesischen Statistikbehörde habe trotz eines schwächer als erwarteten Ergebnisses (Bloombergprognose 7,7% Y/Y; Analystenprognose 7,9% Y/Y) jedoch nicht zu einer Schockreaktion an den Finanz- und Rohstoffmärkten geführt; es könne schon fast von einer moderaten Erleichterung gesprochen werden. Die Marktteilnehmer hätten sich scheinbar bereits auf eine deutlich stärkere Abschwächung der Wirtschaftsdynamik im Reich der Mitte eingestellt.
Allerdings markiere die aktuelle Entwicklung das schwächste Y/Y-Wachstum seit dreizehn Quartalen. Dennoch sei nach Einschätzung der Analysten das 7,5%-Wachstumsziel für 2012 kaum gefährdet und das zweite Quartal dürfte die lang ersehnte Bodenbildung der weichen Landung markieren. Wie auch in der Krise 2008/9 werde diese durch das beherzte Eingreifen der chinesischen Entscheidungsträger eingeleitet. Peking greife voraussichtlich auf gezielte staatliche Förderungen von Infrastrukturprojekten und Industriebereichen (vor allem in der Hochtechnologie) zurück. Zudem rechne man mit weiteren geldpolitischen Lockerungen. Die chinesische Zentralbank werde im dritten Quartal sowohl noch ein bis zwei Zinsschritte als auch weitere Reduzierungen der Mindestreserveanforderungen bekannt geben.
Gleichwohl würden die Maßnahmen Pekings in der aktuellen Krise um einiges zurückhaltender ausfallen als noch vor rund drei Jahren. Ein vergleichbares Konjunkturpaket werde auch China nicht mehr schultern wollen. Zwar reiche die aktuelle offizielle Staatsverschuldung noch nicht an die Quoten der Krisenländer in der Eurozone heran, jedoch habe Peking deutlich weniger Spielraum als zu Zeiten der Kapitalmarktverwerfungen nach der Lehman-Krise. Als Beispiel seien hier die hohen Verbindlichkeiten der Lokalregierungen oder auch die noch immer nicht zufriedenstellend eingedämmte Immobilienblase genannt.
Auf der heutigen Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Entwicklung im Reich der Mitte hätten die chinesischen Offiziellen hervorgehoben, dass die Zahlen zum zweiten Quartal signalisieren würden, dass sich das Wachstum stabilisiere. Stabilität sei auch das Stichwort, was die chinesische Wirtschaftspolitik nach Erwartung der Analysten in den kommenden Jahren leiten werde. Zweistellige Wachstumsraten - wie man sie 2010 noch beobachten durfte - würden der Vergangenheit angehören. Die Analysten würden mit Wachstumsraten von 8,0% in 2012 und 8,4% in 2013 rechnen.
Die Wirtschaftsentwicklung in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft präsentiere sich mit einem BIP-Wachstum von 7,6% Y/Y so schwach wie seit dreizehn Quartalen nicht mehr. Doch sowohl die chinesische Politik als auch die Märkte würden sich mit dieser Entwicklung vorerst zufriedengeben. Die Talsohle der weichen Landung scheine endlich erreicht. Die Herausforderungen seien damit aber noch lange nicht vom Tisch. (13.07.2012/ac/a/m)
Quelle: AKTIENCHECK.DE
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