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Belgien erzielt erstmals Negativzins bei Geldmarktauktion
BRÜSSEL/FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Club der Euro-Staaten mit Negativzinsen ist um ein Mitglied reicher: Auch Belgien verdient erstmals Geld mit neuen Schuldverschreibungen. Bei einer Versteigerung von Geldmarktpapieren mit dreimonatiger Laufzeit lag die Rendite am Dienstag mit 0,016 Prozent im Minus, teilte die belgische Schuldenagentur mit. Das heißt Anleger zahlen drauf, um Belgiens Staatshaushalt kurzfristig finanzieren zu dürfen.
Dieses Kunststück war in der vergangenen Woche bereits zum ersten Mal Frankreich gelungen. Deutschland, das in der Euro-Krise bislang von seinem Status als sicherer Hafen profitiert, konnte sich zuletzt sogar für bis zu zwei Jahre Geld bei Investoren besorgen, ohne Zinsen bieten zu müssen.
Insgesamt sammelte Belgien bei der Auktion am Dienstag wie geplant drei Milliarden Euro ein. Allerdings kamen auch zwölfmonatige Papiere unter den Hammer, bei denen die Rendite mit 0,04 Prozent noch leicht im positiven Bereich lag.
Experten sehen bei den jüngsten Niedrigzins-Rekorden bei Geldmarktauktionen einen engen Zusammenhang zur jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Das historisch tiefe Zinsniveau und der Nullzins für Übernachteinlagen bei der EZB erschweren Banken und Großanlegern die Suche nach Parkplätzen für überschüssige Liquidität.
Zudem sorgen die immer rareren Möglichkeiten, positive Erträge zu erzielen, für eine Jagd Rendite, von der zuletzt auch die großen Krisenländer Italien und Spanien bei kurzlaufenden Papieren profitieren konnten. Solange der Zugang zu langfristigen Krediten jedoch mehr oder weniger versperrt bleibt, bewerten Analysten die Lage unverändert kritisch. So hat beispielsweise Italien seit mehr als einem Jahr keine Anleihen mit längerer Laufzeit als 15 Jahren am Markt platziert.
Zu welchem Ausnahmezustand die Nullzinspolitik der EZB sorgt, lässt sich auch an den Sekundärmärkten ablesen, wo umlaufende staatliche Schuldtitel gehandelt werden. Im Laufzeitbereich von bis zu zwei Jahren freuen sich neben Deutschland inzwischen auch die Niederlande, Finnland und Österreich über negative Renditen. Die Risikoprämien von Papieren aus Spanien steigen unterdessen weiter./hbr/bgf
Quelle: dpa-AFX
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