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Di, 26.06.1212:05

Ölpreis gesunken

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Mit der Verschärfung des Iran-Atomkonfliktes ist der Ölpreis (Brent) Ende Februar auf Niveaus oberhalb der 120 USD/Barrel geklettert, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Auf diesen Ständen habe er sich zunächst gehalten, bis er im April sukzessive seinen Rücktritt angetreten habe. Aktuell notiere Brent nur noch bei rund 90 USD/Barrel, womit sich die Ölsorte seit ihren Jahreshöchstständen um rund 30% verbilligt habe. Auch die Notierungen für WTI seien derzeit mit rund 80 USD/Barrel deutlich gesunken. Allerdings falle der Rückgang hier geringer aus, da der Iran-Konflikt WTI weniger in die Höhe getrieben habe. Entsprechend habe sich der Spread zwischen beiden Ölsorten eingeengt.

Die Gründe für den Ölpreisrückgang seien vielfältig. Zum einen habe sich der Konflikt mit dem Iran entspannt, was zu einer spürbaren Reduzierung der im Ölpreis enthaltenen Risikoprämie geführt habe. Zum anderen ziehe die europäische Schuldenkrise immer weitere Kreise, was die Unsicherheit der Investoren zunehmend erhöhe und risikoreichere Anlageklassen wie den Ölmarkt unter Abwärtsdruck setze. Gleichzeitig würden damit die Konjunkturrisiken nicht nur für die Eurozone sondern auch für die Weltwirtschaft insgesamt steigen, was sich ebenfalls in niedrigeren Ölpreisen bemerkbar mache.

Der Brent-Preis sei deutlich von seinen Jahreshöchstständen heruntergekommen. Die Frage, die sich nun stelle, sei, ob sich der Preisverfall weiter fortsetzen werde oder ob mit den aktuellen Niveaus der Boden bereits erreicht sei. Ausschlaggebend dafür dürfte die weitere Entwicklung der europäischen Schuldenkrise sein - ähnlich wie das nach dem Kollaps von Lehman Brothers (ISIN US5249081002/ WKN 891041) die Verwerfungen an den Finanzmärkten sowie der daraus resultierende konjunkturelle Abschwung gewesen sei.

Die Analysten würden in ihrem Basisszenario nicht damit rechnen, dass es zu einer Eskalation der Schuldenkrise komme. Allerdings sei sie auch noch lange nicht ausgestanden, sodass es immer wieder Rückschläge und damit einhergehende Turbulenzen an den Finanzmärkten geben dürfte. Auch die Konjunkturdaten sollten in der nächsten Zeit kaum überzeugen - das gelte insbesondere für die Eurozone, könnte sich in der Folge aber auch auf andere Regionen auswirken. Das spreche dafür, dass der Preis für die Ölsorte Brent auch noch weiter nachgeben dürfte. Mit einem Preisverfall wie nach dem Kollaps von Lehman Brothers - Brent sei damals auf ein Niveau knapp unter 40 USD/Barrel gesunken - sei aber wohl nicht zu rechnen.

Die konjunkturelle Abschwächung habe zu einem Überschussangebot auf dem Ölmarkt geführt. Dafür sei vor allem die OPEC verantwortlich. Im Zuge der Verschärfung des Iran-Konflikts habe die OPEC - insbesondere Saudi-Arabien - angesichts der aufkommenden Angebotsängste ihr Ölangebot merklich erhöht. Mit der schwächeren Ölnachfrage bzw. der nicht stattgefundenen Angebotskrise sei das Ölangebot aber derzeit zu hoch und habe zu dem Ölpreisverfall beigetragen. Die OPEC habe auf ihrer letzten Konferenz Mitte Juni auf das zu hohe Angebot zumindest in der Weise reagiert, dass sie ihre Produktion wieder auf ihr seit Januar 2012 bestehendes Förderziel in Höhe von 30 Mio. bpd heranführen wolle. Die Förderung der OPEC liege seit Jahresbeginn nach Angaben der International Energy Agency (IEA) über diesem Ziel, im Mai sei diese sogar mit einem Niveau von rund 32 Mio. bpd angegeben worden.

Auf Sicht der kommenden Quartale würden die Analysten jedoch per saldo von einem moderaten Ölpreisanstieg ausgehen, wobei es kurzfristig durchaus auch noch weiteres Abwärtspotenzial für den Brent-Preis gebe. Die OPEC dürfte ihr Angebot begrenzen, um nicht zu einem weiteren Preisverfall beizutragen. Daneben sollte die Ölnachfrage 2012 insgesamt weiterhin zulegen, auch wenn der Anstieg spürbar niedriger ausfalle als ursprünglich gedacht. Der weiterhin schwelende Konflikt mit dem Iran spreche ebenfalls für längerfristig steigende Notierungen. Noch seien beide Verhandlungsparteien weit entfernt von einer Einigung - die sich aus der Situation ergebenden Risiken könnten schnell wieder auf die Agenda rücken. (26.06.2012/ac/a/m)



Quelle: AKTIENCHECK.DE

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