Di, 07.08.12 09:16
LINZ (dpa-AFX) - Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine
bekommt die sich eintrübende Wirtschaftslage zunehmend zu spüren. Der Überschuss brach im ersten Geschäftsquartal von April bis Ende Juni um gut ein Drittel auf 125,2 Millionen Euro ein, wie der ThyssenKrupp-Konkurrent
am Dienstag in Linz mitteilte. Die wirtschaftliche Stimmung habe angesichts von Schuldenkrise und Überkapazitäten weiter gelitten. Dieser Entwicklung konnte sich auch Voestalpine - das sich auf hochwertigen Stahl und andere Nischenprodukte spezialisiert hat - nicht entziehen. Vor allem der Preisdruck setzt der gesamten Stahlbranche zu. Voestalpine hielt den Umsatz mit 3,05 Milliarden Euro zwar stabil. Der operative Gewinn (EBIT) sackte aber um 27,4 Prozent auf 230,7 Millionen Euro ab.
Trotzdem hielten die Österreicher an ihrer Prognose fest, wonach sie wie im vergangenen Geschäftsjahr ein um Sondereffekte bereinigtes EBIT von rund 900 Millionen Euro erreichen wollen. Den Ausblick knüpft der Konzern aber an die Bedingung, dass die Eurokrise nicht eskaliert und es keinen Konjunktureinbruch in den Schwellenländern gibt. Die Kapazitäten seien in den kommenden Monaten noch ausgelastet. 'Die Frage einer Einführung von Kurzarbeit an wesentlichen Konzernstandorten stellt sich daher nicht', sagte Konzernchef Wolfgang Eder. Im Stahlgeschäft von ThyssenKrupp wird in einigen Teilen seit Monatsbeginn kurz gearbeitet.
Ausgeklammert aus der Voestalpine-Prognose sind die Kosten für die Schließung eines Schienenwerks in Duisburg sowie die Kosten für das Kartellverfahren gegen die Deutsche Bahn. Das Bundeskartellamt hatte die Österreicher wegen Verwicklung in jahrelange Preisabsprachen bei Schienen zu 8,5 Millionen Euro Strafe verdonnert. Sie waren damit gut weggekommen, da ihnen weitgehend Kronzeugenstatus eingeräumt wurde. ThyssenKrupp muss 103 Millionen Euro zahlen. Voestalpine hatte wegen des Falls gut 200 Millionen Euro zurückgelegt. Das Thema ist nach der behördlichen Strafe noch nicht beendet. Offen ist etwa noch, welche Entschädigungen die Deutsche Bahn bekommt./enl/stb/fbr


