So, 22.07.12 15:31
HAMBURG (dpa-AFX) - Nach den Zinsmanipulationen bei Großbanken hat die Bafin-Chefin Elke König im 'Spiegel' das System zur Erhebung des wichtigen Liborsatzes kritisiert. 'Der Libor-Zins lud zu Manipulationen geradezu ein', sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dem Nachrichtenmagazin. Der Liborsatz wird von Banken ermittelt und genutzt, wenn sie sich untereinander Geld leihen. Zahlreiche Großbanken sollen zwischen 2005 und 2011 Versuche unternommen haben, diesen Satz zu manipulieren.
König betonte gegenüber dem 'Spiegel', der Liborsatz werde allein von der Privatwirtschaft erhoben, ohne Kontrolle von außen. 'Aus heutiger Sicht macht mich das sprachlos.' Die Industrie habe sich 'blind' auf den Satz verlassen. 'Mich erinnert das an den unbedingten Glauben an die Urteile der Rating-Agenturen.' Als Grundlage zur Ermittlung des Libor sollten anstelle von Schätzungen reale Transaktionen herangezogen werden.
Im Libor-Skandal war als erste Bank Barclays
zur Rechenschaft gezogen worden. Händler des Hauses hatten mit falschen Angaben den Satz künstlich niedrig gehalten. Der Libor wird täglich in London aus den Meldungen von 18 Banken ermittelt und stellt den durchschnittlichen Zinssatz dar, zu dem sich die Institute untereinander Geld leihen. Er ist bedeutend, weil er als Berechnungsgrundlage für viele Kredite in der Realwirtschaft verwendet wird./chs/DP/he


