Di, 31.07.12 17:17
BERLIN (dpa-AFX) - Die Energiewende ist aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ohne private Investoren nicht zu finanzieren. Daher sollten Großbanken als Kreditgeber zu einer stärkeren Beteiligung gezwungen werden, schlugen die DIW-Expertinnen Claudia Kemfert und Dorothea Schäfer am Dienstag vor. Dies solle als Gegenleistung für die Bankenrettung und den impliziten Garantierahmen geschehen, den der Staat den Großbanken seit Krisenausbruch gewähre. Andernfalls könne das Geld für die Energiewende knapp werden.
Kernproblem der Energiewende ist die hohe Anschubfinanzierung. 'In jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen, dass Banken sehr zögerlich Kredite vergeben', schreiben Kemfert und Schäfer. Eine Mitschuld trügen Monopolkommission, Sachverständigenrat und Lobbyverbände, die mit permanenten Forderungen nach Abschaffung oder Einschränkungen des Erneuerbare Energien Gesetzes verunsicherten.
Die Energiewende erfordert dem DIW zufolge Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich. Allein für die erneuerbaren Energien rechne das Bundesumweltministerium mit Kosten in Höhe von 200 Milliarden Euro, erklärten die Forscherinnen. Vor allem Offshore-Windparks seien teuer, dazu kämen unvermeidbare Investitionen in Netze, Kraftwerke und Speicher.
'Aber nur eigenkapitalstarke Banken können die Finanzierungsvolumina stemmen, die für die Energiewende erforderlich sind. Und Eigenkapitalstärke erreicht man nicht durch Deregulierung', erklärte Schäfer. Die Risiken sollten auf möglichst viele Schultern verteilt werden. Dabei dürfe man auch keine Angst vor Eigenkapitalgebern wie sogenannten Heuschrecken haben.
Ein großer Teil der Investitionen in erneuerbare Energien werden laut DIW bisher von Privatpersonen getätigt - ihnen würden 40 Prozent der installierten Leistung zugeschrieben. Landwirte und die Banken steuern demnach je 11 Prozent bei, die vier großen Energieversorger rund 6,5 Prozent./mda/tam/DP/fn


